Bastian Rupsch und Finn Janzen aus Wesel sind eSportler aus Leidenschaft

eSports : Bastian Rupsch und Finn Janzen wollen hoch hinaus

Die beiden Weseler gehören zu den besten deutschen Spielern des Videogames Fifa. Seit kurzem stehen sie beim SV Waldhof Mannheim unter Vertrag. Beide wollen irgendwann an der Weltmeisterschaft teilnehmen.

Wer zu Bastian Rupsch und Finn Janzen will, muss unter die Erde. Zumindest dann, wenn man sehen und erleben möchte, was die beiden jungen Männer umtreibt. Bastian ist 20 Jahre alt, sein Kumpel Finn 24. Beide eint eine große Leidenschaft. Sie spielen Fußball, aber ganz anders als die meisten Kicker. Wenn sie ihrer Passion nachgehen, haben sie keinen Ball am Fuß, sondern die sogenannten Controller einer Spielkonsole in der Hand und sitzen vor mehreren Bildschirmen. Bastian Rupsch und Finn Janzen sind eSportler. Und deshalb gehen die beiden zum Spielen in den Keller. „Als Nerds würde ich uns aber nicht bezeichnen. eSport hat sich längst weltweit etabliert“, sagt Rupsch.

Im Keller des Elternhauses von Finn Janzen haben sich die zwei einen Raum ganz nach ihren Bedürfnissen eingerichtet – quasi als Trainingszentrum und Spielstätte. Es gibt kein Fenster und keine Lichtschlitze. Beleuchtet wird der Raum lediglich von drei Bildschirmen, die ein künstliches, zumeist grünes Ambiente schaffen. Ungemütlich ist es dennoch nicht, auch wenn die Atmosphäre durchaus beabsichtigt an ein Cockpit erinnert.

Bastian Rupsch und Finn Janzen sitzen vor ihren Screens und spielen – früher hätte man gesagt – Computerspiele. Ausdrücke wie diese sind in der Szene natürlich längst antiquiert. Tatsächlich ist die Gemeinde der Gamer in den vergangenen zwei Jahrzehnten immens gewachsen. Millionen Menschen zocken sich weltweit durch Spiele wie „League of Legends”, „DOTA 2”, „World of Warcraft” oder eben „FIFA”. Der TV-Sender Pro7 Maxx versorgt die weltweit stetig wachsende Zahl von Spielern und Fans bereits mit einem eigenen Magazin namens „ran eSports”. Die meisten spielen aus Lust und Laune. Die beiden Weseler sind auf dem Wege, das Daddeln auf ein professionelles Niveau zu heben.

In der realen Welt spielt Bastian Rupsch (vorne) auch Fußball. Bereits als A-Jugendlicher erzielte er viele Tore für das Landesliga-Team des PSV Wesel. Foto: Markus Weissenfels

Immerhin machen die beiden das mittlerweile so gut, dass sich bereits ein Verein gemeldet hat, der sie vor rund sechs Wochen unter Vertrag genommen hat. Rupsch und Janzen tragen stolz eine Trainingsjacke mit dem Logo des SV Waldhof Mannheim. Die größte eSports-Abteilung in Deutschland aber unterhält der FC Schalke 04, und das nicht nur für das Spiel „FIFA”. „Das ist im Grunde nichts anderes im Vergleich zu dem, was Fußballprofis machen. Nur dass wir nicht zum Training auf den Platz müssen“, sagt Finn Janzen. Sehr wohl aber müssen sie Ergebnisse vorweisen. Und das können sie auch.

In der Weltrangliste des virtuellen Fußballspiels sind die beiden Gamer, die seit Oktober rund 1.400 Begegnungen ausgetragen haben, mittlerweile auf Platz 338 vorgerückt. Damit gehören sie hierzulande zu den besten FIFA-Zockern. Dennoch ringen sie fast täglich um weitere Qualifikationspunkte, um sich für die großen Turniere in Position zu bringen. Erst dann geht es auch ums große Geld.

Der bestverdienende eSportler in Deutschland kommt im Monat auf schätzungsweise rund 8.000 Euro, wobei hier lediglich vom Spiel „FIFA 19” die Rede ist. „Von solchen Summen sind wir derzeit noch rund 8.000 Euro entfernt”, sagt Janzen.

Es geht aber eben genau um diese Perspektive. Die Kosten für den Einstieg in die Welt des eSports sind mit rund 1.000 Euro für Monitore, Controller und eben einer Playstation oder einer X-Box überschaubar, die Preisgelder hingegen erreichen mittlerweile astronomische Höhen. Bei „FIFA” räumt der Weltmeister derzeit 250.000 Dollar ab, bei anderen Online-Wettbewerben wie „League of Legends” sogar viele Millionen.

Um allerdings an die großen Fleischtöpfe zu gelangen, müssen sich Bastian Rupsch und Finn Janzen, die sich seit 2003 dem Gaming widmen, noch eine Zeit lang weiter hochspielen und irgendwann einmal für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. „Das ist das große Ziel. Aber bis dahin ist der Weg noch sehr weit“, sagt Rupsch. Bislang spielen sie allein, aber das Streamen machen sie gemeinsam. Was das ist? Sie spielen gegeneinander, sie trainieren und sie zeigen Tipps und Kniffe. Und das alles vor Zuschauern, die ihnen auf ihrem Twitch-Kanal – wie Fernsehen im Internet – zuschauen. Unter ihrem Teamnamen Pipe_Crew sind sie einer nicht unbedeutend großen Fangemeinde mittlerweile nicht nur bekannt, sondern auch ein fester Begriff.

Als Außenstehender ist das nur schwer nachzuvollziehen, aber wenn die Weseler online zocken, schauen rund 50 User oder noch mehr zu. Natürlich sehen sich beide häufig auch den klassischen Vorurteilen ausgesetzt. Sport sei das ja nun nicht wirklich, so eine der gängigen Bemerkungen ihres Umfeldes. „Man muss das Gaming aber einmal mit Schach vergleichen”, sagt Janzen. Klar, auch da sitzen die Spieler in ihren Sesseln und betätigen sich körperlich so gut wie nicht. „Aber wer schon einmal 15 Stunden am Stück gespielt hat, spürt, wie anstrengend und erschöpfend eSport ist“, so Janzen.

Vor allem in geistiger und mentaler Hinsicht laugt das Gaming aus. Es geht um dauerhafte Aufmerksamkeit, um Reaktionsschnelligkeit und um Intuition und Antizipation. „Das ist Stress pur. Vor allem in Wettkämpfen ist das Level vergleichbar mit dem eines Piloten beim Start oder bei der Landung“, sagt Rupsch.

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