Badminton: BV Wesel Rot-Weiß verabschiedet Thorsten Hukriede

Badminton : Kapitän Thorsten Hukriede geht beim BV Wesel von Bord

Der 42-Jährige hört beim Zweitligisten auf, für den er 16 Jahre gespielt hat. Eine Zeit mit vielen Erfolgen wie dem Aufstieg in die Erste Liga – und einer großen Enttäuschung. „Für uns ist er jetzt schon eine Legende“, sagt Vorsitzender Bertram Burgner.

Hans-Dietmar Michels und Ella Diehl sind auserkoren. Der Schatzmeister und die Spitzenspielerin des Badminton-Zweitligisten BV Wesel Rot-Weiß nähern sich dem Protagonisten. Sie kommen nicht mit leeren Händen. Sie überreichen Thorsten Hukriede eine Fotocollage. 16 Jahre lang hat das, so Vorsitzender Bertram Burgner, „sportliche Vorbild“ den Leistungssport bei den Rot-Weißen entscheidend gestaltet. Mit 42 Jahren geht der Kapitän von Bord, wird beim letzten Heimspiel der Saison verabschiedet. „Bis zur Geschenk-Übergabe hatte ich mich ganz gut im Griff“, sagt Hukriede. Doch dann übernehmen bei ihm die Emotionen die Regie, Tränen fließen. „Da war nichts mehr zu halten.“ Zu viele Erinnerungen verbinden ihn mit dem Verein.

Der Vater zweier Töchter hat den BV mit Ehefrau Michaela, die nach 26 Spielzeiten für die Rot-Weißen aufhört, geprägt. Thorsten Huk­riede war nicht einfach nur ein Spieler, er führte das Team als Kapitän an und kümmerte sich über Jahre auch um die Zusammenstellung der Mannschaft. In einer kurzen Laudatio fasst es Bertram Burgner so zusammen: „Mit Mannschaft und Verein ist er durch dick und dünn gegangen. Für uns ist er jetzt schon eine Legende, mit ihm verlässt einer der ganz Großen die Weseler Bühne.“

Dieser Abschied, der letzte Auftritt vor eigenem Publikum beim 6:1 gegen den BC Beuel II, kommt Thorsten Hukriede immer noch recht unwirklich vor. „Irgendwie habe ich das nicht so verinnerlicht.“ Keine gut 70 Kilometer Fahrt mehr vom Lebensmittelpunkt der Familie in Bochum bis nach Wesel, kein Leistungssport mehr, der fast über allem stand. „Badminton hat schon weitgehend mein Leben bestimmt, dafür habe ich viel hintenan gestellt“, sagt der in der westfälischen Gemeinde Neuenkirchen geborene Hukriede.

Er ordnete aber nicht alles dem Sport unter. Eine lange zurückliegende Chance beschäftigt ihn heute noch. „Was wäre möglich gewesen?“ fragt er sich. Als 18-Jähriger erhielt er eine Einladung, hätte zum Nationalkader gehören können. Dies wäre mit einem Umzug zum Stützpunkt nach Saarbrücken verbunden gewesen. Auch auf Anraten seines Vaters zog Hukriede die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann vor. Nach seinem einzigen deutschen Titelgewinn, der ihm in der Bundesliga mit dem FC Langenfeld gelang, kam noch mal die Anfrage. Damals setzte Hukriede bei seiner Lebensplanung wieder andere Prioritäten – Hausbau und Familie

Thorsten Hukriede (vorne) – hier mit seinem langjährigen Doppelpartner Mike Joppien – wurde 2004 mit dem FC Langenfeld Deutscher Mannschafts-Meister. Foto: Judith Michaelis

„Das war in der Saison 2003/04 auch mit Abstand mein bestes Jahr“, sagt Thorsten Hukriede. Gerne erinnert er sich ebenfalls an den Erstliga-Aufstieg mit dem BV Wesel im Jahr 2001 sowie nach seiner Rückkehr aus Langenfeld an die Zweitliga-Zeiten mit den beiden Österreichern Roman Zirnwald und Luka Wraber. „Da sind wahre Freundschaften entstanden.“ Dies gelte auch für viele Weggefährten rund um den Weseler Club.

Auf Hukriedes Wort war dort grundsätzlich Verlass, besonders ein anderer Spieler nahm dies nicht so genau. Daraus resultiert auch die größte sportliche Enttäuschung für Thorsten Hukriede. Die Saison 2015/16 endete mit dem Zweitliga-Abstieg, weil der als Spitzenspieler eingeplante Dinuka Karunaratne aus Sri Lanka trotz seiner Zusage nicht beim BV erschien. „Das war ein richtiger Schlag ins Gesicht und deprimierend. Das werde ich nie vergessen“, so Hukriede.

Doch auf der anderen Seite steht so viel Positives. Sportlich besonders als Altersklassen-Spieler: zwei Vize-Weltmeisterschaften, zwei Europameistertitel und 18 Deutsche Meisterschaften. Nun beginnt für Thorsten Hukriede und seine Familie ein neuer Lebensabschnitt. Und für den BV Wesel endet eine Ära.

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