Heribert Hölz: "Spender wissen, dass ihr Geld ankommt"

Heribert Hölz : "Spender wissen, dass ihr Geld ankommt"

Heribert Hölz, Initiator der Bosnienhilfe, spricht über das 25-jährige Bestehen der Hilfsorganisation und die Flüchtlingskrise.

Herr Hölz, wie oft waren Sie im vergangenen Jahr in Bosnien?

Heribert Hölz Drei Mal. Und für das Frühjahr dieses Jahres ist die nächste Reise geplant. Es wäre meine 86. Fahrt dorthin.

Bosnien ist weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden.

Hölz Es gibt ja so viele Krisenherde auf der Erde, da geht die Lage der Menschen auf dem Balkan einfach unter. Und sicher gibt es im Moment Länder, wo die Menschen noch ärmer dran sind. Das bekomme ich natürlich auch von manchen Leuten zu hören.

Was entgegnen Sie auf solche Bemerkungen?

Hölz Es gibt Menschen in Bosnien, die Hilfe brauchen. Besonders Alte und Kranke sind oft auf sich gestellt, manche leben sehr abgelegen. Die ambulanten Krankenschwestern, die wir unterstützen, oder die Suppenküchen sind für diese Menschen existenziell wichtig.

Gibt es in Bosnien keinen Sozialstaat, der in solchen Fällen einspringt?

Hölz Nein, nicht so, wie wir ihn kennen. Manche alten Menschen leben von 50 Euro staatlicher Rente im Monat. Eine Krankenversicherung hat kaum jemand. Manchmal helfen Familienangehörige oder Freunde mit Geld. Einige haben Verwandte im Ausland, die ihnen mal was schicken. Das kann man mit den Verhältnissen hierzulande überhaupt nicht vergleichen. Die Menschen in Deutschland ahnen nicht, wie gut es ihnen geht.

Wie ist das vergangene Jahr für die Bosnienhilfe verlaufen?

Hölz Ich muss ehrlich sagen, dass ich von dem Spendenvolumen überrascht worden bin. Wir haben 2016 einen Rekordwert von 158.000 Euro erreicht, und das, obwohl, wie Sie sagten, Bosnien nur selten in den Medien auftaucht. Das hat mich wirklich erstaunt. Manche werden nun vielleicht sagen: Ach, der Hölz, der hat jetzt erstmal genug Spenden. Aber die Mittel sind im vergangenen Jahr zum allergrößten Teil schon verwendet worden (siehe Info-Kasten).

Wie erklären Sie sich diese Spendenfreudigkeit?

Hölz Ich vermute, es liegt daran, dass die Leute in der Region mich kennen. Das sage ich nicht aus Eitelkeit. Es ist einfach so, dass man zu Personen eher Vertrauen fasst, als zu einer anonymen Organisation. Und die Spender wissen, dass ihr Geld wirklich dort ankommt, wo es benötigt wird, an Ort und Stelle.

Also würden Sie nicht zustimmen, die in Deutschland immer mehr Egoismus und soziale Kälte ausmachen?

Hölz Also, das kann ich nicht bestätigen, im Gegenteil. Ich bin oft gerührt, wie selbst Menschen mit kleinem Einkommen regelmäßig unsere Arbeit unterstützen. Gerade bei den Familienpatenschaften sind im vergangenen Jahr rund 50 hinzugekommen, das ist außerordentlich.

Was bedeutet diese Patenschaft genau?

Hölz Für ein Jahr erklärt sich der Spender bereit, eine Familie mit 25 Euro im Monat zu unterstützen. Damit wird rund 100 Familien in Bosnien geholfen. Und viele Spender sind bereit, ihr Engagement auch für weitere Jahre zu verlängern.

In Deutschland ist zurzeit der Flüchtlingszustrom ein großes Thema. Bosnien gilt als sicheres Herkunftsland.

Hölz Das kann ich nachvollziehen. Es gibt in Bosnien für die Leute keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben. Subjektiv kann ich natürlich verstehen, dass viele von einem besseren Leben in Deutschland träumen. Aber objektiv sehe ich, dass die Leute nicht alle von dort zu uns kommen können.

Es ist oft von der "Hilfe zur Selbsthilfe" die Rede.

Hölz Das tun wir teilweise auch, indem wir ein landwirtschaftliches Projekt unterstützen. Aber die "Selbsthilfe" hat auch Grenzen. Einer Frau, Mitte 80, mittellos, die ambulante Pflege braucht, der können sie mit sowas nicht kommen.

Welche Rolle spielt der Nationalismus in der Region?

Hölz Leider immer noch eine sehr große. Die eigene Volksgruppe wird immer bevorzugt, und daraus entstehen Probleme, weil die Bevölkerung in vielen Regionen ethnisch gemischt ist. In dieser Beziehung hat sich seit den 1990er Jahren wenig geändert.

Wie sehen Ihre Pläne für das kommende Jahr aus?

Hölz In diesem Jahr feiert die Bosnienhilfe der Caritas Duisburg ein Jubiläum. Es gibt uns seit 25 Jahren. Am 4. und 5. März wird das mit Gästen aus Bosnien gefeiert, unter anderem wird der Erzbischof von Sarajewo, Vinko Puljic, zu uns kommen.

Wie lange werden Sie Ihr Engagement für Bosnien fortsetzen?

Hölz So lange, wie es mir körperlich möglich ist. Natürlich kommt irgendwann der Tag, an dem es einfach nicht mehr geht. Aber das bedeutet dann auch das Aus für die Bosnienhilfe in dieser Form, eine Nachfolge wird es nicht geben. Hoffentlich werde ich noch viele Jahre weitermachen können.

STEFAN GILSBACH FÜHRTE DAS INTERVIEW

(RP)
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