SPD fordert Fraktion Wesel für Kiesabbau in Bislich und Ginderich

Obrighoven und Lackhausen schützen : SPD fordert Fraktion Wesel für den Kies

Die Genossen wollen dafür kämpfen, dass Obrighoven und Lackhausen von Abgrabungen verschont bleiben und werfen per Faktencheck erneut Pettenkaul bei Ginderich und Vahnum bei Bislich als Alternativen in die Waagschale.

Die Weseler SPD lässt in Sachen Kies nicht locker. Dass Natur- und Wasserschutz als Argumente gegen Abgrabungen in Bislich-Vahnum und Pettenkaul bei Ginderich gelten sollen, stattdessen in den bislang geschonten Gebieten Obrighoven und Lackhausen neue Löcher aufgetan werden sollen, wollen sie partout nicht einsehen. Die Genossen fordern vom Regionalverband Ruhr (RVR) eine Konferenz zum Thema. Zudem solle die Politik der Stadt geschlossen als Fraktion Wesel auftreten. Vorsitzender Ludger Hovest und seine Stellvertreter Norbert Meesters und Wolfgang Spychalski kündigen Kampf mit allen Mitteln an. Notfalls bis zur Klage.

Zum wiederholten Male brachte sich die Fraktionsspitze deshalb am Freitag am ehemals für ein Atom-, dann für ein Kohlekraftwerk vorgesehenen Standort Vahnum auf dem Deich in Stellung. Der Damm markiert die Grenze zwischen Rees, wo Kiesabbau zum Hochwasserschutz sichtbar geht, und Wesel, wo dies nicht gehen soll. Im Mittelpunkt der SPD-Kritik steht RVR-Chefplaner Martin Tönnes, der bekanntlich ein grünes Parteibuch hat und dem „rein ideologisch motiviertes“ Handeln vorgeworfen wird. Inhaltlich ging es mit einem von Meesters zusammengetragenen Faktencheck zur Zerpflückung der Gegenargumente jedoch zunächst auf die linke Rheinseite.

Das Kieswerk Pettenkaul könnte, wie mehrfach berichtet, leicht erweitert werden. Aber Wasserschutz soll dem entgegenstehen. Die bereits bestehende, durch Abgrabung entstandene Wasserfläche liegt im – später planerisch darübergelegten – Wasserschutzgebiet, die Erweiterungsfläche nicht. Diese liegt im Wasserreservegebiet, was laut Umweltministerium Abgrabung eben nicht verbietet. Überdies, so Meesters weiter, habe der RVR deshalb auch in Sonsbeck Abgrabungen in einem Wasserreservegebiet eingeplant. Meesters kommt zu dem Schluss, „dass Pettenkaul kein ordnungsbehördlich festgestelltes Wasserschutzgebiet im Sinne des § 35 LWG NRW ist“.

Ähnlich hat Meesters Behauptungen untersucht, dass Vahnum für Auskiesung ausscheide, weil dort ein FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) ausgewiesen sei. Tatsache indes sei, dass fast alle Abgrabungen in Rheinnähe innerhalb des Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein lägen. So auch der unmittelbar benachbarte Polder Lohrwardt auf Reeser Gebiet, der mit 50 Millionen Euro, darunter 47,7 Millionen vom Land entstand. Zum Abschluss gebracht hatte es seinerzeit der grüne Umweltminister Johannes Remmel. Warum, fragt die Weseler SPD, lässt sich nicht ein ähnliches Kooperationsprojekt für Hochwasser- und Naturschutz sowie Kiesgewinnung in Vahnum umsetzen, zumal auch der Lippe-Mündungsraum aus gleichen Erwägungen umgemodelt wurde und heute ein Beispiel für ebenso attraktive wie wertvolle Landschaft sei? Im Übrigen beinhalteten die für Vogelschutz besonders markierten Bereiche in den Planwerken auf Weseler Gebiet auch bereits bestehende Baggerseen.

Meesters hat sich in seinem akribisch erstellten Papier darüber hinaus mit weiteren Behauptungen der Gegenseite auseinandergesetzt. Zum Beispiel mit dem Stichwort Flächenfraß. Zahlen fürs IHK-Gebiet Niederrhein (Duisburg-Wesel-Kleve) sähen allerdings so aus: Von einer Gesamtfläche von 250.900 Hektar bestehen 179.718 Hektar (72 Prozent) aus Vegetation, wovon 136.809 Hektar auf landwirtschaftliche Flächen entfallen. Tagebau, Gruben und Steinbrüche machen 987 Hektar aus, stehende Gewässer wie Kiesgruben 5400 Hektar. „Von einer Vernichtung des Niederrheins durch Flächenraubbau kann keine Rede sein“, sagte Meesters. Seit 1996 sei die Waldfläche zehnmal mehr gewachsen als die Wasserfläche.

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest kritisierte überdies Äußerungen von Kiesgegnern, die den Niederrhein bundesweit in die Nähe von öden Braunkohletagebau-Gebieten brächten. Wie attraktiv die Landschaft hier jedoch sei, vielleicht auch gerade wegen seiner Wasserflächen, beweise der weiter zunehmende Tourismus. Auch der im Zusammenspiel von Kiesgewinnung, Straßenbau (B 58n), Hochwasser- und Naturschutz entstandene Lippe-Mündungsraum mit seinem sich ständig verändernden Landschaftsbild ziehe die Menschen an. Das könne er sich auch für Vahnum vorstellen. „Was ich hier aber sehen, ist nichts als Güllemais“, sagte Hovest mit abschätzigem Blick auf das Feld am Deich. Es müsse nun geredet werden, doch dazu fehle dem RVR der Wille.

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