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Wesel/Dinslaken: Sparkasse bittet Städte zur Kasse

Wesel/Dinslaken : Sparkasse bittet Städte zur Kasse

Während Wesel für Konten zahlt, sieht es in Dinslaken noch anders aus.

Seit 2008, das weisen die Geschäftsberichte aus, geht's mit der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe bergab. Mit dem Rechnungsabschluss für das vergangene Jahr ist das ganze finanzielle Desaster offenbar geworden. Für 2014 weist die Sparkasse ein Minus von 13 Millionen Euro aus - die Folge ist bekannt: Fusion mit der Verbands-Sparkasse Wesel.

Damit die gelingt, müssen die drei Kommunen nach ihren jeweiligen Anteilen Garantien für rund 20 Millionen Euro übernehmen. Das spüren sie nicht direkt in den Kassen. Anderes schon. Denn bislang hat sich die Sparkasse Dinslaken aus langer Tradition heraus - auch noch als es ihr finanziell schlechter ging - die Großzügigkeit geleistet, ihren Gewährträgern keine Kontoführungsgebühren in Rechnung zu stellen. Das wird sich jetzt ändern.

Die Kasse hat Dinslaken, Voerde und Hünxe mitgeteilt, dass sie künftig für ihre Dienstleistung auch bezahlt werden will. Auch wenn sie mit Hinweis auf Verschwiegenheitspflicht zu Vertragsvereinbarungen mit Kunden jede Stellungnahme verweigert, handelt es sich dabei um durchaus erkleckliche Summen.

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Nach Informationen der Rheinischen Post liegen sie im Falle Dinslakens im fünfstelligen Bereich. "An Spekulationen beteilige ich mich nicht", sagte Stadtsprecher Horst Dickhäuser auf die Höhe des Betrages angesprochen. Die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen. Aber natürlich gehe es um etliche tausend Kontobewegungen von Grundsteuer über Knöllchen bis hin zu den Schulen und den städtischen Kindertagessstätten. Dass die Stadt dafür jetzt Gebühren zahlen soll, auch wenn die sicher nicht denen entsprechen werden, die Otto Normal-Verbraucher entrichtet, sieht man laut Dickhäuser im Rathaus mit gemischten Gefühlen. "Einerseits war es angesichts unserer finanziellen Lage angenehm, dass wir von den Kontoführungsgebühren befreit waren. Andererseits sehen wir natürlich ein, dass das Prinzip der Gleichbehandlung mit anderen Großkunden angewendet wird", so Dickhäuser. Das sehen die Verantwortlichen in den Rathäusern von Voerde und Hünxe ähnlich.

Dass die Sparkasse angesichts ihrer Lage versuche, ihre Einnahmen zu optimieren, sei nachvollziehbar, sagte Voerdes Kämmerin Simone Kaspar. Auch Hünxes stellvertretender Verwaltungschef Klaus Stratenwerth findet es "alles andere als schön", dass die Gemeinde von der Sparkasse zur Kasse gebeten wird. "Wir werden uns dem aber kaum entziehen können", erklärte er.

Beim Fusionspartner in Wesel sieht das anders aus. "Wir werden genauso behandelt wie jeder andere auch und bezahlen Kontoführungsgebühren", sagte Paul-Georg Fritz gestern auf Anfrage der RP. Und der Stadtkämmerer fühlt sich mit dieser Praxis (Stichwort verdeckte Gewinnausschüttung) wohl. So käme die Stadt nicht in Schwierigkeiten und die Sparkasse auch nicht.

(RP)