Niederrhein: "So einen Vorfall bislang nicht gehabt"

Niederrhein : "So einen Vorfall bislang nicht gehabt"

Nach den Ausschreitungen in der Flüchtlingsunterkunft in Rees-Haldern will das Land die Sicherheit in der Einrichtung unter die Lupe nehmen. Die Randalierer wurden auf andere Unterkünfte verteilt.

Ob Stadt, Malteser oder Bezirksregierung - bei allen Beteiligten sitzt das Entsetzen über den Vorfall am Wochenende in der gerade eröffneten Zentralen Unterbringungseinrichtung in Haldern tief. Und der Ärger darüber, dass einige wenige eine große Gruppe von notleidenden Menschen in Verruf bringen.

Am Samstag hatten acht Männer aus Togo und Ghana, die gerade erst einen Tag zuvor in Haldern angekommen waren, mit Eisenstangen, die sie nach einem Einkauf im Dorf von Baustellen mitgenommen hatten, das Sicherheitspersonal der Einrichtung bedroht, Mobiliar und über 30 Fensterscheiben zerschlagen. Die Männer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren wurden von der Polizei überwältigt, Strafverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, Widerstandes, Bedrohung, Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet.

Hintergrund der Randale war wohl die Abgeschiedenheit der Anlage in Töven sowie der schlechte Handy- beziehungsweise W-Lan-Empfang. Deshalb hatte es bereits am Freitag Proteste der Flüchtlinge gegeben, die sich zunächst geweigert hatten, aus dem Bus auszusteigen, mit dem sie nach Haldern gebracht worden waren. Nach intensiven Gesprächen hatte die Polizei die Lage jedoch beruhigen können - bis es dann am Samstag zu den Ausschreitungen kam.

Bei der vorübergehenden Festnahme der Männer hatte sich ein Bundespolizist (50) schwer am Fuß verletzt. Als es zu einer Rangelei gekommen war, knickte der Beamte um und zog sich dabei einen Trümmerbruch am Fuß zu. Er liegt jetzt im Krankenhaus.

Vier der Männer standen unter leichtem Alkoholeinfluss. Am meisten alkoholisiert (1,0 Promille) war nach Angaben der Polizei ein 28-Jähriger aus Ghana. Er galt zunächst als Rädelsführer und verbrachte die Nacht auf Sonntag auch in der Zelle. Haftbefehle ergingen nicht, weil nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Tatvorwürfe nicht so schwerwiegend waren, dass sie eine Haft gerechtfertigt hätten.

Die Afrikaner wurden also wieder auf freien Fuß gesetzt, allerdings nicht noch einmal in Haldern untergebracht, sondern umgehend in vier Zweiergruppen auf andere Flüchtlingsunterkünfte des Landes verteilt.

"Einen solchen Fall haben wir bislang in unseren Einrichtungen noch nicht gehabt", sagt Dorothee Gindrig, stellvertretende Pressesprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Eine Konsequenz, die jetzt aus den Vorfällen in Haldern gezogen werden soll: "Ein Mitarbeiter des Landes mit guten polizeilichen Kenntnissen soll sich die Einrichtungen genau anschauen, um eventuell weitere Sicherheitsmaßnahmen oder Verbesserungen umsetzen zu können", so Dorothee Gindrig gestern gegenüber der RP.

Nachdem die Randalierer auf andere Einrichtungen verteilt wurden, sind derzeit noch neun Flüchtlinge in Haldern untergebracht.

(RP)