Wesel: Sitzungskarneval in Wesel in der Krise

Wesel: Sitzungskarneval in Wesel in der Krise

Die Brauchtums-Veranstaltungen in der Niederrheinhalle sind selten gut besucht. Der Carnevals-Ausschuss kündigt Gespräche an.

Wenn am Sonntag Grand-Prix-Schlagerheld Guildo Horn der Weseler Eselorden verliehen wird, dürfte sich die Stimmung in der Niederrheinhalle dem Höhepunkt nähern. Voraussichtlich wird es in der Halle bei freiem Eintritt kaum einen freien Platz geben. Anders als bei den jecken Veranstaltungen der Weseler Karnevalsvereine in den vergangenen Wochen, was sich nicht unbedingt positiv auf die Laune der Organisatoren und Gäste ausgewirkt hat.

Thomas Holtkamp, der Präsident des Carnevals Ausschusses Wesel (CAW), war am Samstag bei der Kolping-Prunksitzung. "Es stimmt", sagt er, "die vielen unbesetzten Stühle waren schon auffällig." Wobei Kolping-Präsidentin Kristin Lohmann gestern auf Anfrage erklärte, dass man durchaus zufrieden gewesen sei. "Wir hatten 374 Stühle gestellt und 362 Gäste." Holtkamp müsse wohl später gekommen sein, als einige Besucher die Halle schon verlassen hatten. Aber natürlich, gibt sie unumwunden zu, "war die Halle früher komplett gefüllt".

Tatsächlich haben mittlerweile, einmal von Bislich und den linksrheinischen Stadtteilen abgesehen, die Karnevalsvereine in der Stadt Probleme, genügend Menschen für ihr Programm zu begeistern. Was gegen den Zuschauerschwund und die nachlassende Begeisterung für das Kulturgut Karneval getan werden kann, darüber will der CAW-Chef nach Aschermittwoch mit den Vereinen sprechen. "Es muss etwas passieren, wir müssen uns hinsetzen und reden", sagt Thomas Holtkamp.

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Von der Idee, dass sich mehrere Vereine einfach zusammenschließen, um ein gemeinsames Programm auf die Beine zu stellen, das womöglich mehr Publikum lockt, hält er wenig. "Die Rechnung, dass vier Vereine beispielsweise mit je 200 Besuchern am Ende 800 haben, stimmt nicht." Holtkamp erinnert an die gemeinsame Sitzungen von KVC und FKK Ende Januar, die nicht den erhofften Zuspruch hatte (wir berichteten).

Auch wenn der CAW-Präsident die Lage nicht schönreden will, so ist es ihm doch wichtig, die Sache zu relativieren. "Auch in anderen Städten haben sich die Zeiten geändert." Früher sei das Xantener Schützenhaus zwei mal ausverkauft gewesen, heute nur einmal halb gefüllt. Und die Lobeshymnen auf den Kölner Karneval kann er nicht mehr hören. "Die wenigsten Leute im Gürzenich oder in den Sartory-Sälen sind Kölner. Und was haben Brings, Kasalla und Cat Ballou beziehungsweise Guido Cantz und Bernd Stelter mit Karneval zu tun? Das sind Bands und Comedy-Stars." Generell sei das Problem, dass die Ansprüche der Leute steige, diese aber immer weniger zahlen wollten. "Die fahren nach Köln und zahlen 45 Euro, hier schreien sie schon bei zehn Euro." Eine veränderte Einstellung zum Karneval beklagt auch Kristin Lohmann: "Vielen denken, es geht nur ums Trinken. Karneval ist mittlerweile wie ein Oktoberfest mit bunten Kostümen. Dabei geht es doch um Spaß und Witz."

Auch Adalbert Gose, seit 22 Jahre Präsident des Karnevals-Komitees vorm Clever Tor (KVC Feldmark), sieht den Sitzungskarneval in der Krise. Dass hinter vorgehaltenter Hand Karnevalisten fordern, für die Eselorden-Verleihung Eintritt zu nehmen, kann er zwar verstehen. Aber: "Das würde unsere Probleme nicht lösen. Wir müssen nach der Session viel reden."

(RP)