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Silvester 2020 im Kreis Wesel: eine Umfrage

Jahreswechsel im Kreis Wesel : Silvester – 2020 anders als sonst

Der Jahreswechsel ist in der Regel ein Anlass, in geselliger Runde zusammen zu sitzen oder im Winterurlaub neue Kraft zu schöpfen. Wegen Corona wird das nicht möglich sein. Wie aber wird Silvester gefeiert? Eine Umfrage.

Dieser Jahreswechsel wird ein anderer als es viele gewohnt sind. Ohne Raketen und Knaller - zumindest wurden wegen Corona keine verkauft - ist es in der Nacht wohl eher still. Und gefeiert werden darf ja eh nur im kleinen Kreis. Gemütlich machen kann man es sich trotzdem, wie diese Niederrheiner mit ihren Silvesterplänen beweisen:

Kinderbuchautor Knister, der mit bürgerlichem Namen Ludger Jochmann heißt, wird zum ersten Mal seit 30 Jahren Silvester nicht in der Schweiz verbringen. Dort war er quasi von Anfang Dezember bis Mitte Januar schon fast zu Hause. Die autofreie Riederalp im Kanton Wallis hat es ihm angetan, zu Besuch kamen über den Jahreswechsel meist auch die Kinder. Diesmal geht es in Wesel-Obrighoven zusammen mit seiner Frau ins neue Jahr, ganz ruhig, ganz gemütlich und auf jeden Fall mit etwas Leckerem zu essen.

Ruhig und familiär möchte auch Familie Dingebauer aus Bislich den 31. Dezember verbringen. Dorothee und Volker haben den Abend zusammen mit ihren Kindern Sören, Hendrik und Nele geplant, auch Neles Freund Erwin wird dabei sein. Wie schon vor Weihnachten geht es nach draußen zum Dutch oven, einem gusseisernen Topf, der ins Feuer gestellt wird. Was darin brutzelt, steht noch nicht fest. Schichtfleisch oder Pfundstopf stehen zur Auswahl, sagt Dorothee Dingebauer, die als Gewinnerin der WDR-Fernsehreihe „Land und Lecker“ garantiert was Tolles zubereitet. Urlaub hat die Familie in diesem Jahr übrigens im November gemacht: auf ihren eigenen Hausbooten, die coronabedingt verwaist sind. Lange frühstücken, Saunagänge - all das genossen sie aus der Perspektive eines Gastes und stellten dabei beispielsweise fest, dass ein Beistelltischchen fürs Glas neben dem Sofa nicht schlecht wäre. Für 2021 wünscht sich die Familie, dass die bestens gebuchten Boote bald wieder genutzt werden können. Schließlich wurde Boot Nummer acht beim tschechischen Hersteller bereits in Auftrag gegeben und soll im Frühjahr angeliefert werden.

Hans-Jürgen Kraayvanger ist das Gesicht von „Mehrhoog hilft“. Außerdem ist er ein geselliger und kommunikativer Mensch. Unter normalen Umständen würde er Silvester mit einem großen Freundeskreis zusammen verbringen. Darauf wird er zu diesem Jahreswechsel verzichten, sondern gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin den Abend verbringen. „Wir machen es uns gemütlich“, sagt der Mehrhooger. Aber leckeres Essen darf nicht fehlen. Deshalb gibt es Raclette, diese kleinen Pfännchen mit „Schweinereien“ und Käse überbacken. Außerdem will sich Kraayvanger Altbier gönnen. „Passend zum Gesicht“, wie er lachend erzählt. Und um Mitternacht wird er wohl doch mal rausgehen auf die Terrasse und nachsehen, ob andere vielleicht doch die eine oder andere Rakete in den Himmel schießen. Und wenn nicht? Nicht schlimm.

Mathis Kock ist Mitorganisator von Fridays for future in Wesel. Er wird diesen Jahreswechsel im kleinen Kreis seiner Familie verbringen – zusammen mit seiner Schwester und seinen Eltern. Zunächst steht Raclette auf der Speisekarte, dann wird es spannend im Hause Kock. „Wir spielen dann mit der ganzen Familie ein Gesellschafts-Rätselspiel, bei dem um das Lösen von Kriminalfällen geht“, sagt der 18-Jährige voller Vorfreude. Das könne dann durchaus auch schonmal länger dauern, ergänzt Mathis Kock, der allerdings doch hofft, dass der Täter vor dem Jahreswechsel ermittelt ist. Denn dann wird er mit seiner Familie auf das Jahr 2021 anstoßen – wie schon im Vorjahr ganz ohne zu Böllern. Treffen mit Freunden oder großes Umarmen der Nachbarn zu Mitternacht müssen in diesem Jahr ohnehin ausfallen. „Schade, denn ein Freund hatte am Vorabend zu Silvester Geburtstag, da hätten wir sonst gefeiert – ging natürlich nicht, aber wichtiger ist natürlich, dass alle gesund bleiben“, zeigt sich der junge Mann verständnisvoll, was die Einschränkungen in diesen Tagen angeht.

 Dorothee Dingebauer aus Büderich
Dorothee Dingebauer aus Büderich Foto: Bauch, Jana (jaba)

„Ich verbringe den Jahreswechsel mit Gott“, sagt Pastor Xavier Muppala. Der Geistliche von der katholischen Pfarrgemeinde St. Ludgerus Schermbeck steht ab 18 Uhr Uhr erstmal in der Kirche an der Erler Straße: Dann feiert er eine Messe, zu der allerdings wegen der Corona-Bestimmungen in diesem Jahr keine Besucher zugelassen sind. Aber die etwa 50-minütige Feier wird live im Internet übertragen. Danach bleibt der Pastor noch eine Weile weiter in dem Gotteshaus: „Ich nutze die Zeit dann für eine Meditation, ganz privat. Für mich ist das dann eine Rückschau auf das Jahr. Ich denke dann daran, wo ich Gott begegnet bin“, sagt der 46-jährige, der anschließenden den Abend ganz in Ruhe bei sich zu Hause verbringen wird und nicht – wie sonst üblich - ab 23.30 Uhr bei einem Gebetsgottesdienst zum Übergang in neue Jahr in der St.-Ludgerus-Kirche.

 Hans-Jürgen Kraayvanger aus Mehrhoog
Hans-Jürgen Kraayvanger aus Mehrhoog Foto: Thomas Hesse

Marco Launert, Inhaber der Hamminkelner Rockschule und des Kulturbahnhofs an der Güterstraße, sieht die aktuelle Situation sehr entspannt: „Da wir Silvester keinen allzu großen Wert beimessen, war es in den vergangen Jahren für mich und meine Familie völlig okay, dass ich im KuBa eine große Ü50-Silvesterparty durchführte und nicht zu Hause war. Die Atmosphäre dieser Party war immer einmalig, ebenso wie unsere Ü50-Schwoof-Events - glückliche Menschen, die feierten, klönten und tanzten.“ Da für ihn schon im April/Mai klar war, dass er für lange Zeit keine Partys mehr planen kann, fand er sich früh mit dieser Tatsache ab und konzentrierte sich geschäftlich auf die anderen Standbeine. „Rückblickend ist es das produktivste Jahr, das ich je erlebt habe“, so Launert. „Das Mehr an Zeit für die Familie hat mir und uns wertvolle Stunden und Erlebnisse mit unserer Tochter gebracht. Es ist großartig, sie täglich neue Dinge lernen zu sehen und zu erleben, wie sie ihre Welt entdeckt und uns dabei so viel Freude macht“, erzählt der Hamminkelner. Und deshalb wird er das alte Jahr ganz entspannt mit seiner kleinen Familie ausklingen lassen sowie mit einem ausgedehnten Neujahrsspaziergang am Rhein begrüßen. „In der Hoffnung, dass 2021 ein geselligeres Jahr wird“, wünscht sich der Musiker.

 Mathis Kock aus Wesel
Mathis Kock aus Wesel Foto: Johannes Kruck

Hubertus Hinze, Mitinhaber des Hauses Pooth in Bislich und geborener Pooth, wird es ebenfalls ruhig angehen und mit seinem Mann Peter zusammen sein. „Das ist neu, sonst haben wir immer mit sechs Leuten gefeiert“, sagt er. In diesem Jahr zu gefährlich, „wir haben alle noch eine Generation darüber und es waren viele Kinder dabei“. Die Senioren will niemand gefährden. „Also sehen wir Dinner for One, das haben wir sonst nie getan“, sagt Hinze. Mittags haben die beiden eine Wanderung geplant, auch dafür gab es früher keinen Raum. Und: Es wird ein ‚trockenes‘ Fest: Peter Hinze ist der Bürgermeister der Stadt Emmerich am Rhein und wird morgens noch mit der Kontaktverfolgung beschäftigt sein. „Es gibt keinen Alkohol, weil ein Bürgermeister immer damit rechnen muss, vor Ort sein zu müssen, auch in der Silvesternacht.“ Silvester 2020 wird ein Fest der Gemütlichkeit im Kreise der engsten Familie und mit Zeit für Zweisamkeit.

(jok/P. H./sz/auf)