Wesel: Sensoren an Rheinbrücke sollen Vögel schützen

Wesel: Sensoren an Rheinbrücke sollen Vögel schützen

Die Stadt Wesel ist aufgefordert, auf dem Pylon der Rheinbrücke Spezialsensoren für mehr als 20.000 Euro zu installieren. Bei Nebel droht sonst Vögeln Gefahr - sie werden durch das Licht irritiert.

Die Weseler Niederrheinbrücke ist ein beeindruckendes Bauwerk; besonders nach Einbruch der Dämmerung, wenn sie von rund 80 Hochleistungsstrahlern und Flächenflutern in Lila- und Blautöne gefärbt wird. Diese Landmarke am Niederrhein könnte aber für Vögel und Fledermäuse zur Gefahr werden, wie Naturschützer anmerken.

Die Tiere, so die Befürchtung, könnten bei Nebel und Regen die Orientierung verlieren, sich verfliegen und gegen die Brücke prallen. Die Stadt Wesel muss nun reagieren: Bei speziellen Wetterlagen wie Nebel und Regen bei Nacht wird das Licht abgeschaltet. Das hat die im Kreishaus ansässige Untere Landschaftsbehörde verfügt.

Paradox: Einst wurde die Brückenbeleuchtung für 210.000 Euro vom Kölner Büro Lichtplan umgesetzt. Der Weseler Chemiekonzern Altana übernahm die Investition, die Stromkosten trägt die RWE-Tochter Innogy. Nun muss die öffentliche Hand Geld investieren, um diese Investition an manchen Tagen wieder außer Kraft zu setzen.

Die technische Anlage wird in Kürze umgesetzt: Mit Spezialsensoren muss die Stadt Wesel den 140 Meter hohen Brückenpylon ausrüsten. Diese registrieren besondere Wetterlagen und schalten die Leuchten ab.

Rund 20.000 Euro sind für die Installation der Nebelsensoren im städtischen Haushalt veranschlagt. Damit wird man allerdings nicht auskommen, befürchtet Stadtplaner Gottfried Brandenburg. "Das hat damit zu tun, dass die Schaltung der Sensoren so sein muss, dass man am Ende erkennen kann, wann die Beleuchtung an war und wann nicht und ob wirklich Nebel der Grund war", erklärt Brandenburg. Wann die Technik in luftiger Höhe installiert wird, stehe noch nicht fest. Bei einer ersten Begehung mit einer Fachfirma im Herbst 2017 wurde klar, dass die Arbeiten nur bei gutem Wetter durchgeführt werden können. Dazu müssen schwindelfreie Spezialisten bis hinauf in den hohlen Pylon steigen.

Angestoßen hat die Maßnahme der Bonner Biologe Heiko Haupt. Der Tierschützer, der zufällig vor zwei Jahren die seit März 2012 stark beleuchtete Rheinbrücke entdeckte, hatte einen entsprechenden Antrag an die Untere Landschaftsbehörde gestellt. Haupt hatte in der Vergangenheit bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil er die Auswirkungen der beleuchteten Bonner Post-Towers auf die Vogelwelt untersucht hatte, was dann zu Veränderungen geführt hatte. In Fachkreisen gibt es schon lange die Erkenntnis, dass Lichtquellen wie die an der Weseler Rheinbrücke Zugvögel anlocken. Tiere, die durch solche Strahlen fliegen, würden die Orientierung verlieren und womöglich gegen Bäume und Häuser prallen, heißt es.

Auch wenn in Wesel bislang noch keine Probleme mit orientierungslosen Wildgänsen oder Fledermäusen im Umfeld der Rheinbrücke registriert wurden, will die Stadt ihren Verpflichtungen in Sachen Artenschutz nachkommen. "Wir wissen natürlich, dass jede Anlage, auch die Brücke, grundsätzlich stillgelegt werden kann", sagt Gottfried Brandenburg. "Die Sache ist ernst - und man muss sie auch ernstnehmen."

Dass der Einbau der Nebelsensoren dringend erforderlich ist, sagt auch Klaus Horstmann, im Weseler Kreishaus zuständiger Fachdienstleiter für die Bereiche Naturschutz und Landwirtschaft. "Wenn Feuchtigkeit in der Luft liegt, wird das Licht durch die Wasserteilchen reflektiert. Wir nennen das Lichtbelästigung. Bei Fledermäusen und Vögeln kann das zu Irritationen führen."

Kommen die Tiere von ihren Wegen ab, könnten sie sich in den Seilen der Rheinbrücke verfangen und womöglich auf die Fahrbahn stürzen. "Also sind die Sensoren aus Sicht des Artenschutzes, zumal sich die Brücke in einem europäischen Vogelschutzgebiet befindet, als auch aus Gründen der Verkehrssicherung wichtig", erklärt Klaus Horstmann vom Kreis Wesel.

(RP)