Seit drei Generationen züchten die Schweers in Wesel-Bislich Kaninchen

R476 Bislich : Familiensache Kaninchenzucht

In der Familie Schweers werden Kaninchen gezüchtet. Schon seit drei Generationen gehören die Tiere zu ihrem Alltag.

Wer als Außenstehender in die Welt der Kaninchenzucht hineinschauen möchte, sollte sich am besten ein paar Begriffe aneignen. Die Ohren zum Beispiel nennt man nicht Ohren, sondern Löffel. Der Schwanz ist die Blume, die Füße heißen Manschetten, eine farbliche Umrundung der Augen nennt sich Brille. Für Franz Schweers gehört dieses Vokabular zum Alltag, der 82-Jährige züchtet Kaninchen schon seit seiner Kindheit. Damit hat er in seiner Familie eine Tradition begründet, das Hobby betreiben heute auch sein Neffe Ludger Schweers und dessen zwei Kinder Franziska und Hendrik. Wer wissen will, wie es um die Kaninchenzucht bestellt ist, ist bei Familie Schweers also genau richtig.

„Erst das Tier, dann der Mensch“: Diesen Satz hat Franz Schweers schon als kleines Kind verinnerlicht. Auf dem Familienhof in Bislich hat er früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. „Meine Mutter hat uns damals immer beim Abendbrot gefragt, ob wir schon die Tiere gefüttert haben. Wenn nicht, mussten wir aufstehen“, sagt Franz Schweers. Lange Zeit war er Vorsitzender des Bislicher Kaninchenzüchtervereins R476, heute ist er Ehrenvorsitzender und setzt sich immer noch erst an den Tisch, wenn die Tiere versorgt sind.

Schwarze Manschetten, Löffel, Blume und Schnauze, sonst überall weiß, rote Augen, am besten ohne Brille: So sieht das perfekte Russenkaninchen aus. Foto: Viktor Marinov

Vieles hat sich indes geändert in den fast 70 Jahren, in denen Franz Schweers Mitglied im Zentralverband der Züchter ist. „Kaninchen waren damals auch ein wichtiges Nahrungsmittel“, sagt Gabriele Hollmann, Vorsitzende des R476 Bislich. Die großen Tiere, die mit viel Fleisch, sind deswegen seltener in den Ställen zu finden. Gezüchtet werden kleinere Rassen, wie die Russenkaninchen von den Schweers: Schwarze Manschetten, Löffel, Blume und Schnauze, sonst überall weiß, rote Augen, am besten ohne Brille. Ist das schwarze Fell der Schnauze etwa ein paar Millimeter zu weit rechts oder links, gibt es Abzüge bei einer Schau. Wichtig ist auch ein symmetrischer, runder Körper – und eine gute Haltung. „Ein Mensch mit vernünftiger Haltung macht was aus“, so sei es bei den Kaninchen eben auch, sagt Franz Schweers.

„Es gehört aber heute noch zur Lebensrealität der Züchter, dass Kaninchen auch mal im Topf landen“, sagt Gabriele Hollmann. Das weiß auch Jungzüchter Hendrik Schweers. Nur manchmal sei es blöd. „Zum Beispiel wenn es meine eigenen Kaninchen sind“, , sagt der Zehnjährige:

Familie Schweers hat Glück – mit Hendrik und seiner siebenjährigen Schwester Franziska sind es gleich zwei Jungzüchter, die die Tradition erhalten. Es koste viel Zeit, sich um Tiere zu kümmern, sie brauchen regelmäßig Futter und Sorge, auch an Feiertagen. Ohnehin hätten Vereine überall Nachwuchsprobleme. Es hilft ein wenig, dass bei der Zucht mittlerweile Frauen die Hauptrolle spielen. „Zum Helfen waren die Frauen immer willkommen“, sagt Vereinsvorsitzende Gabriele Hollmann, „aber sie züchteten nicht.“ Die Preise waren für die Männer da. Hollmann selbst hat rund 20 Tiere, Helle Großsilber und Rheinische Schecken.

Doch das Nachwuchsproblem gibt es bei der Zucht bisweilen gleich im doppelten Sinne. „Manchmal vermehren sie sich eben so stark“, sagt Ludger Schweers. „Die Wurfstärke“, sagt er, sei nicht optimal. Das könnte an der Schwächung der Gene durch die Zucht liegen, oder an der heutigen Impfpflicht. „Woran es genau liegt, weiß aber keiner genau“, sagt Ludger Schweers.

Von wegen wie die Karnickel: Das Klischee stimmt schon mal nicht. Aber Karotten fressen sie schon, oder? Die Schweers nicken und lachen, Jungzüchter Hendrik bleibt sachlich. „Besonders gern mögen sie Löwenzahn.“

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