Seit 40 Jahren im Einsatz für Kinder in Wesel

Helfer feiern Geburtstag : Seit 40 Jahren im Einsatz für Kinder

Der Kinderschutzbund verhilft Mädchen, Jungen und Familien zu besseren Chancen.

Kinder brauchen eine Lobby – das war vor 40 Jahren so, als in Wesel Johanna Grunden und Gerlind Merten, beide Hamminkelnerinnen, den Ortsverein des Kinderschutzbundes gründeten. Und es ist immer noch so, wie nicht nur die Missbrauchsfälle in Lügde zeigen. am Samstag hat der Weseler Kinderschutzbund in einer kleinen Feierstunde „mit einer Portion Stolz“, wie Mitarbeiterin Renate Wirth sagte, Bilanz gezogen.

Es ist nicht zuletzt der Arbeit des Vereins zu verdanken, dass das Thema heute im Fokus der Öffentlichkeit steht. „Die Menschen sind aufmerksamer geworden“, sagt Wirth, es werde weniger weggeschaut. Kinder würden ernster genommen, „wenn ein Kind in ein Geschäft kommt und um Hilfe bittet, hat das eine andere Qualität als früher.“ Es bittet heute selten vergeblich um Schutz. Andererseits gibt es Kinder, die von ihren Eltern per Smartphone-App überwacht werden, meist gegen ihren Willen. „Ich finde das gruselig“, sagt Wirth.

In ihren Anfängen machte sich die Kinderhilfe ein Bild, wenn es Hinweise auf Probleme gab. 1985 gingen die Aktiven an die Öffentlichkeit, sie wollten mehr Aufmerksamkeit für das Wohl der Kinder erreichen. „Es war noch ein Problem, wenn Kinder mit Kreide auf dem Bürgersteig malten“, verdeutlicht Wirth, auch die Lautstärke auf Spielplätzen sei ein Thema gewesen. Später öffnete die Kinderhilfe eine Kleiderkammer am Herzogenring und begann mit der Hausaufgabenhilfe, die bis heute gern angenommen wird. Pädagogische Lernhilfe bieten Mitarbeiter und Ehrenamtler an, außerdem sozialpädagogische Familienhilfe – früher auch in Goch, doch das wurde 1999 eingestellt. Elternkurse, Krabbelgruppen, Deutschkurs für Migrantinnen – die Aktivitäten sind vielfältig. Anfangs gab es noch zwei Kindertagesstätten, der Kinderschutzbund hatte seinen Sitz am Herzogenring. Als er die Kita an die Caritas abgab, zog der Verein an den Großen Markt um. Sechs Festangestellte, sieben geringfügige Stellen und vier Ehrenamtler tragen das Angebot.

Zum Geburtstag gratulierte auch Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, der von der aktuellen Lobbyarbeit berichtete: Das Ziel der Kinderschützer, Artikel 24 der Europäischen Grundrechtecharta ins Grundgesetz aufzunehmen – Schutzrechte, Förderrechte und Beteiligungsrechte – sei in der Regierungskoalition umstritten. Er kritisierte, dass die betroffenen Kinder, die Opfer, der jüngsten Kinderschutzfälle selbst nicht gehört wurden und werden. Dass Kinder konsequent nicht beteiligt werden, macht er auch an den Friday for future-Demonstrationen fest. Würden Erwachsene in diesem Umfang demonstrieren, müsse sich der Bundestag mit ihrem Anliegen auseinandersetzen. Arbeit warte auch beim Thema Teilhabe. Drei Millionen Kinder bundesweit gelten als arm, im Jahr 2000 waren es noch 1,45 Millionen.

(sz)
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