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Schwarzes Wasser in Wesel: RVR Grün pflanzt 16.000 Eichen und Buchen

Weseler Naturschutzgebiet : 16.000 junge Bäume für Schwarzes Wasser

Im Weseler Naturschutzgebiet Schwarzes Wasser, wo in den Dürresommern 2018 und 2019 der Borkenkäfer die Fichtenwälder heimgesucht hat, soll ein Mischwald entstehen. Der Regionalverband Ruhr Grün setzt auf natürliche Verjüngung.

Auf den Buchdrucker und den Kupferstecher ist Christoph Beemelmans, beim Regionalverband Ruhr (RVR) Grün beschäftigt, gar nicht gut zu sprechen. Denn die beiden Borkenkäferarten haben den Fichten im Weseler Naturschutzgebiet Schwarzes Wasser, das zum Diersfordter Wald gehört, in den vergangenen beiden Dürresommern den Garaus gemacht und dafür gesorgt, dass die vor gut 70 Jahren gepflanzten Nadelbäume allesamt abgestorben sind. Natürlich ist man beim Waldeigentümer RVR traurig über den Verlust. Gleichzeitig sieht man jetzt ein gute Chance, die Fläche in einen Mischwald umzuwandeln, der dem Klimawandel trotzt. Aus diesem Grund wurden beziehungsweise werden auf einer Fläche von sechs Hektar insgesamt 16.000 junge Stieleichen und Buchen gepflanzt.

„Es ist schön zu sehen, wie viele Spaziergänger Anteil an der Aktion nehmen und fragen, was wir denn da genau machen“, sagt Christoph Beemelmans, mit dem sich unsere Redaktion mitten im Wald am „Brunnen 2“ unweit des Weseler Wasserwerkes in Flüren getroffen hat. Denn auf der 0,8 Hektar großen Fläche direkt hinter „Brunnen 2“ wurden in den vergangenen Wochen mehrere Hundert Jungbäume gepflanzt. „Ich hoffe sehr, dass es in den nächsten Wochen regnet, so dass sich die Eichen und Buchen entwickeln und in den nächsten Jahren den Grundstock für einen klimastabilen Mischwald mit zahlreichen Arten bilden“, sagt Beemelmans. Er ist überzeugt, dass sich auf der Fläche ganz von selbst auch Birken und Kiefern entwickeln werden. Von denen gibt es nämlich in der direkten Umgebung zahlreiche Exemplare. Auch Brombeeren und Farne werden sich ansiedeln. Doch diese werden zunächst mit einem Freischneider abgemäht, um den Bäumen das Leben leichter zu machen.

Dass die Fichten, die nach Auskunft des Revierleiters „gottlob nur fünf Prozent des gesamten Waldes“ ausgemacht haben, den Borkenkäfern zum Opfer gefallen sind, erklärt Beemelmans so: „Die Insekten spüren instinktiv, welche Bäume durch Wassermangel geschwächt sind. Dann bohren sie regelrecht Löcher in die Rinde der geschädigten Fichten, um dort ihre Eier abzulegen. Schlüpfen wenig später die Larven, beginnt eine Massenvermehrung. Dann gibt es keine Rettung mehr: Der Baum stirbt innerhalb von wenigen Monaten.“ Angst, dass die Stieleichen später einmal von den äußerst unangenehmen Eichenprozessionsspinnerraupen befallen werden könnten, muss niemand haben. „Denn der Spinner will nicht in Eichenwälder, sondern sucht vorwiegend Einzelbäume, Randbäume oder den äußeren Saum von Eichenbeständen auf“, weiß der Experte.

 In den Dürresommern 2018 und 2019 haben Borkenkäfer die Fichten im Naturschutzgebiet Schwarzes Wasser befallen. Die Folge: Alle Fichten sind abgestorben.
In den Dürresommern 2018 und 2019 haben Borkenkäfer die Fichten im Naturschutzgebiet Schwarzes Wasser befallen. Die Folge: Alle Fichten sind abgestorben. Foto: Klaus Nikolei

Aktuell sind RVR-Ranger Stefan Kalisch und die beiden Forstwirtschafts-Lehrlinge Fabian Krüger und Jan Benzler wenige hundert Meter vom bekannten Heideweiher Schwarzes Wasser an der Straße Am Schwarzen Wasser mit dem Pflanzen der Jungbäume beschäftigt. Stefan Kalisch sitzt am Steuer eines Minibaggers und hebt ein Loch nach dem anderen aus. In die Vertiefung hinein stecken die beiden Auszubildenden die maximal 1,40 Meter hohen Jungbäume – bei den aktuellen Temperaturen nachmittags eine schweißtreibende Arbeit.

Voraussichtlich im Herbst dürften alle 16.000 Jungbäume an ihrem künftigen Bestimmungsort stehen. „Vielleicht werden die beiden letzten Flächen auch erst 2021 in Angriff genommen“, sagt Beemelmans. Das hängt nicht zuletzt vom Wetter ab. Wie gesagt, Regen wäre in der nächsten Zeit mehr als nötig. „Das müsste im Mai passieren. Denn dann treiben die Bäume aus. Das sieht dann wirklich toll aus“, schwärmt Beemelmans.

  Die Forstwirtschafts-Azubis Jan Benzler (l.) und Fabian Krüger pflanzen junge Stieleichen und Buchen – auf einem Areal, wo einst Fichten standen, die der Borkenkäfer vernichtet hat.  
Die Forstwirtschafts-Azubis Jan Benzler (l.) und Fabian Krüger pflanzen junge Stieleichen und Buchen – auf einem Areal, wo einst Fichten standen, die der Borkenkäfer vernichtet hat.   Foto: Klaus Nikolei

Und wenn nicht? „Ja dann kann es im Juni Bräunungserscheinungen geben. Die Blätter werden gelbbräunlich, so dass wir im Juli und August große Ausfälle beklagen müssten.“ Denn die sechs Hektar künstlich mit Wasser zu versorgen, das, bedauert Beemelmans, „funktioniert leider nicht“. Was ihm bleibt, ist die Hoffnung, dass es 2020 nicht den dritten Dürresommer in Folge gibt.