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Schulprojekt: Humberghaus Otto-Pankok-Museum arbeiten mit Niederlanden

Deutsch-niederländisches Schulprojekt : Kulturorte gehen über Grenzen

Das Humberghaus in Dingden und das Otto-Pankok-Museum in Drevenack arbeiten zusammen mit deutschen und niederländischen Schülern. Sie sind „unterwegs“ bei einem besonderen Kooperationsprojekt.

Niederländische und deutsche Schüler hätten am Dienstag „unterwegs“ sein sollen zu zwei benachbarten Kultur­orten. So ist nämlich das von der Euregio Rhein-Waal betitelte Gemeinschaftsprojekt zwischen Otto-Pankok-Stiftung Hünxe, Heimatverein Dingden und Nationaal Onderduikmuseum Aalten betitelt. Doch weil der Nahverkehr in den Niederlanden bestreikt wurde, schafften es nur rund zehn niederländische Schüler zum Haltepunkt ihres Busses, der sie dann nach Drevenack ins Otto-Pankok-Museum brachte. Dort trafen sie auf einen Kurs des Gymnasiums Filder Benden aus Moers.

Zu leiden hatte das Humberghaus Dingden. Zwischen den beiden benachbarten Kulturorten sollten die Teilnehmer wechseln, für den Tausch mit Dingden reichte es nicht. Heinz Wolberg vom Heimatverein, der sehr gute Erfolge in der Projektarbeit mit der Gesamtschule Hamminkeln zu verzeichnen hat, will den niederländischen Besuch in drei Wochen und dann hoffentlich streikfrei ansetzen. Lehrerin Suzanne Jansen vom Graafschap College in Doetinchem bedauerte das Pech, freut sich aber auf den Besuch in Dingden.

Das Kooperationsprojekt zwischen insgesamt vier Schulen und drei Museen steht unter dem Leitmotiv „Freiheit, Toleranz, (Mit-) Menschlichkeit“. Bei dem gemeinsamen Tag in Drevenack gab es zunächst eine Einführung in Leben und Arbeit von Otto und Hulda Pankok. Natürlich spielten ihre Menschlichkeit und Weltoffenheit eine Rolle, der Einsatz für benachteiligte Gruppen wie die Sinti und verfolgte Juden und dazu passende Werke Pankoks.

Nach einer Kennenlernrunde ging es für die insgesamt 33 Schüler dann an die praktische künstlerische Arbeit mit Kohle, Ton und Collage. Museumsleiterin Annette Burger freute sich über die friedvoll-kreative deutsch-niederländische Gemeinsamkeit. Von Moerser Seite dabei waren die Lehrerinnen Isabell von Jakubowski, langjährige Ehrenamtlerin am Pankok-Museum und bekannt auch als Pianistin, sowie ihre Kunst-Kollegin Nadja Nafe.

Für Heinz Wolberg ist die aufgehobene Aktion in Dingden nicht aufgeschoben. Der Heimatvereinsvorsitzende ist unterwegs, die Besucherzahlen im Humberghaus zu steigern und stärkeres Engagement mit Schulen auszubauen. Erste Eindrücke sollen die Projektschüler bei einem Rundgang durch das ehrenamtlich betriebene Museum im Dorfkern bekommen. Mit seinen vielen Original-Ausstellungsstücken bietet es Geschichte zum Anfassen. Sehr gut zu erzählen ist auch die Lebensgeschichte der jüdischen Familie Humberg. Im Haus in der Hohen Straße 13 wohnte sie bis 1941, betrieb als Teil der Dorfgemeinschaft eine Metzgerei und einen Manufakturwarenladen.

Die Eltern Rosalia und Abraham und ihre sieben Kinder wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, vier Geschwister ermordet, drei konnten mit ihren Familien nach Kanada auswandern.

Gerade beim Thema Flucht kann sich Wolberg eine künstlerische Erzählung der niederländischen und deutschen Schüler vorstellen. Zum Beispiel einen Comic zum Schicksal der Dingdener Familie, mit Sprechblasen-Kommunikation auf Deutsch und auf Niederländisch. Das würde zum Humberghaus passen, das seinen Einzugsbereich auch im niederländischen Grenzgebiet sieht. Die Werte des Projekts „Freiheit, Toleranz, (Mit-) Menschlichkeit“ würden dabei eine wichtige Rolle spielen.