Hamminkeln: Schüler lesen RP beim Frühstück Das Projekt "Schüler lesen Zeitung" hat in über 30 Schulen am Niederrhein wieder begonnen. In de

Hamminkeln: Schüler lesen RP beim Frühstück Das Projekt "Schüler lesen Zeitung" hat in über 30 Schulen am Niederrhein wieder begonnen. In de

Die Zeitung gehört auf den Frühstückstisch. Das war immer schon so. Und so soll es auch bleiben. Auch für die Facebook-Generation. Das denkt auch Rüdiger Gockel, Klassenlehrer der 8 d der Heinrich-Meyers-Realschule. So lud der Pädagoge seine Schüler beim Start in das RP-Projekt "Schüler lesen Zeitung (SLZ) morgens in den ersten beiden Stunden zum Frühstücken ein. Wie die 8 d machen alle anderen Realschul-Klassen des Jahrgangs mit bei dem Projekt. Die 8er der benachbarten Heinrich-Meyers-Hauptschule lesen ebenfalls mit. Auch an Weseler Schulen wird sechs Wochen lang – mit Unterstützung durch Projekt-Partner Vodafone – gratis RP gelesen. Aber nicht nur das. Mit der Zeitung wird gelernt – fürs Leben.

"Zeitung ist eine grundlegende Basis und liefert wesentliche Informationen", formuliert Rüdiger Gockel, der in der Klasse 8 d Politik und Deutsch unterrichtet. Er möchte seinen Schülern das notwendige Rüstzeug mitgeben auf den Weg zum mündigen Bürger.

Und seine Zöglinge sind mit sichtbarem Interesse losmarschiert – jeder auf seine Art. Zeitung ist schließlich ein Steinbruch, der viele unterschiedliche Lese-Angebote bietet. Joshua Holzberg (14) ist beim RP-Schwerpunkt "Kampf gegen Rechts" hängen geblieben. Der Junge aus Schermbeck schaut sich das Bild von vermummten Steinewerfern in Dresden genau an.

Champions League und Kreisklasse

Da wollte er eigentlich auch hinfahren, erzählt er, um friedlich gegen den "Trauermarsch der Neonazis" zu demonstrieren. "Im Internet und durch Freunde" war auf die Demo aufmerksam geworden. "Doch ich hatte kein Geld für die Bahnfahrkarte", sagt der Junge. Philipp Meyer, sein Gegenüber am Tisch, favorisiert den Sportteil. Den C-Jugend-Kicker des SV Brünen interessiert der Fußball auf der europäischen Bühne ebenso wie die Nachricht über das Abschneiden seiner eigene Truppe im Lokalteil.

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Muriel Boland aus der Brüner Unterbauerschaft ist auf der Seite "Gesellschaft" unterwegs. Sie hat eine Vorliebe für die knackigen Kompakt-Meldungen. "Ich hab ja morgens nicht so viel Zeit zum Lesen", sagt sie. Schrecklich faszinierend findet sie die Nachricht vom rätselhaften Mord an einem Bauern in Neuburg, den man seinen Hofhunden zum Fraß vorgeworfen hatte. "So etwas gibt's doch eigentlich nur im Film", sagt Muriel, "unbegreiflich, dass so etwas in Deutschland passiert."

Schicksal des Zirkus Renz berührt

Dann erzählt die regelmäßige RP-Leserin ihrer Tisch-Nachbarin Aylin Klisura aus Mehrhoog vom Schicksal der Zirkus-Familie Renz in Wesel. Die fürchtet nach einem Brand in der Werkstatt um ihre wirtschaftliche Existenz. Aylin ist sichtlich betroffen. Denn sie hat mal beim Gastspiel des Zirkus in Mehrhoog geholfen. "Die waren alle wirklich nett", erinnert sich die 14-Jährige. Und die Renzens haben ihre neun Zwergziegen aufgenommen. Die Zwerge hatten sich bei ihr Zuhause auf der Wiese immer mit ihren Köpfchen im Maschendrahtzaun verheddert. Die Nachricht vom Pech der Familie Renz hat sie "schon ein bisschen geschockt".

Muriel hat sich überlegt, dass sie die Familie Renz besuchen könnte. Denn es gehört zum SLZ-Projekt, dass die Schüler nicht nur Zeitung lesen, sondern auch selbst Artikel schreiben, die dann im Internet auf rp-online.de/slz zu lesen sind. Da wäre das bittere Schicksal des kleinen Zirkus' ein spannendes Thema. "Auch, um noch mehr Leute aufmerksam zu machen, die helfen könnten", findet die Schülerin.

(RP)
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