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Wesel: Schräger Humor trifft auf groben Unfug

Wesel : Schräger Humor trifft auf groben Unfug

Das Wallstreet Theatre präsentierte bei der Kulturnacht im Bühnenhaus ein Programm in der Tradition von Monty Python. Auch die Büdericher bekamen ihr Fett weg.

Das Wallstreet Theatre-Duo hatte sich gut auf den Auftritt in Wesel vorbereitet und offenbar genau über Büderich und Hamminkeln erkundigt. In Wesels Nachbarstadt sei kaum was los, konstatierten die beiden Comedians zur Begrüßung, noch schlimmer sehe es allerdings in Büderich aus. "Dort werden abends die Bürgersteige hochgeklappt", berichtete das Duo, das bei der Kulturnacht diesmal das Kabarettprogramm im Bühnenhaus bestritt. Und im vollen Saal waren offenbar wenige Gäste aus dem linksrheinischen Teil von Wesel, denn statt empörter Rufe gab es jedes Mal lautes Gelächter, wenn Büderich mal wieder eine verbale Breitseite einstecken musste.

Im Austeilen waren Andreas Wiegels und Christian Klömpken ohnehin groß. Zunächst nahmen sie sich eine Zuschauerin in der ersten Reihe vor, die partout ihr Handy nicht einstecken wollte: "Ich brech dir gleich den Arm", drohte Klömpken. Im Saal traute sich daraufhin kaum jemand, überhaupt noch zum Smartphone zu greifen. Dabei wäre eine ganze Menge zu fotografieren gewesen. Denn das Duo präsentierte eine schräge Show, die eine kunterbunte Mischung aus Zauberei, Monty Python und Mr. Bean war.

Roter Faden war der typisch britische Humor, der durchaus mal haarscharf an der Geschmacksgrenze vorbeischrammte. Etwa wenn die beiden sich in Unterhosen vor einem Porträt der Queen in Pose waren und dabei Funken aus dem Allerwertesten sprühen ließen.

Ein schräger Spaß, der manchem Tränen in die Augen trieb, andere allerdings auch dazu brachte, den Saal zu verlassen. Auch das kommentierte das Duo gewohnt britisch trocken: "Das waren vermutlich Holländer."

Wie bei Monty Python oder Mr. Bean war die große Kunst des Wallstreet Theatres, angesichts des ganzen Blödsinns doch immer noch die Kurve zu kriegen. Wenn Christian Klömpken auf seinen Partner stieg, der nur noch von zwei Stühlen in der Luft gehalten wurde, wurde deutlich, dass hinter dem schrägen Spaß genau kalkulierte Akrobatik steckte. Und auf den Unfug, einen Stoffhasen zu hypnotisieren oder mit Müllsäcken eine Slow-Motion-Jonglage zu veranstalten, muss man auch erst einmal kommen. Die Gäste fühlten sich jedenfalls bestens unterhalten und holten das Duo nach dem Ende der Show mit Zugabe-Rufen noch einmal zurück. Dort setzten die beiden dem ganzen Unsinn dann noch die Krone auf. Als Mafia-Killer zückten sie zum Abschied nicht die Pistolen, sondern Flaschen mit Pustefix und bliesen Seifenblasen in den Saal.

Nach dem britischen Humor im Bühnenhaus gab es nebenan im Centrum deutschen Indie-Rock. Die Band "Meine Zeit", die schon beim Eselrock gespielt hatte, machte den Ausstellungsraum zum intimen Konzertsaal. Die Band hatte viele Fans mitgebracht, die bei Songs wie "Landungsbrücken" auch einstimmten. Bei Currywurst und Rotwein wurde es gesellig. Die Büdericher werden vermutlich besonders lange geblieben sein. Schließlich waren da ja schon die Bürgersteige hochgeklappt.

(zel)