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Wesel: Schild-Idee: Duden-Stadt Wesel

Wesel : Schild-Idee: Duden-Stadt Wesel

100. Todestag und Duden-Gedenken am Montag: Statt werbewirksamer XXL-Feier gibt es ein Mini-Gedenken am Straßenrand in Lackhausen. Mangels Geld hält sich die Stadt raus, Bürgerforum aktiv. Wie wär's mit Duden-Schildern?

Am Montag, 1. August, ist der 100. Todestag von Konrad Duden. Ein Anlass, der groß und mit überregionaler Wirkung begangen werden könnte. Schließlich ist der Vater der deutschen Rechtschreibung und gebürtige Weseler laut Umfragen einer der bekanntesten Menschen in der Republik.

Doch die mögliche XXL-Veranstaltung mutiert zum Mini-Gedenken. Wenn nicht das Bürgerforum Lackhausen eingesprungen wäre, würde niemand am Todestag des berühmtesten Sohnes Wesels und Lackhausens gedenken. Der Grund: Kein Geld, habe die Stadt das Bürgerforum wissen lassen — nicht einmal ein paar Euro für einen Kranz.

Immerhin schickt die Stadt drei junge Musiker und eigene Prominenz. Deshalb greifen die Lackhausener zur Selbsthilfe. Aber Dezernent Dirk Haarmann hat eine andere werbeträchtige Idee. "Warum nicht Duden-Stadt auf Wesels Ortseingangschilder? Das hätte Aufmerksamkeitswert für alle Gäste."

Schmähliche Behandlung

Hintergrund ist ein Gesetzentwurf des Landes, mit dem erlaubt werden soll, Zusatzbezeichnungen auf Ortsschilder zu drucken. Bisher war dies nur in Ausnahmefällen akzeptabel. Ein überregionales Alleinstellungsmerkmal der Stadt Wesel würde sich anbieten — eben "Duden-Stadt Wesel". Das Thema ist politisch nicht diskutiert, passt aber ins Gedenkjahr. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Stadt auf Sparkurs ihren berühmtesten Sohn schmählich behandelt und weit hinter den Marketingmöglichkeiten zurückbleibt.

Beispiel Montag, 1. August, 11 Uhr: Dann lädt das Bürgerforum zur Gedenkfeier an die Duden-Büsten gegenüber der Zufahrt zu Edeka Komp ein. Drei Musiker der Musik- und Kunstschule spielen auf, ein Kranz wird niedergelegt, Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und Bürgerforums-Chef Oliver Krause (Hotel Haus Duden) sprechen. Jörg Thelen vom Bürgerforum Lackhausen, sagte gestern, dass alle Weseler zur Feier gegenüber Komp eingeladen seien. Man erwarte so "30, 40 Gäste". Auch wenn es niemand öffentlich sagen mag: In Lackhausen ist man verwundert, dass die Stadt so knauserig ist und statt Feier Ferien im Sinn hat.

Man habe zuvor gefragt, ob sich die Stadt am Gedenken beteiligen wolle und mit Hinweis auf die Finanzlage die Antwort "Nein" erhalten, heißt es. Wesel gibt zwar 21 000 Euro für die Duden-Feierlichkeiten 2011 aus. Doch das Programm steht fest, es ist breitgestreut mit sieben Angeboten, aber ohne Ankerveranstaltung. Ein Faltblatt gibt Auskunft darüber.

Damit setzt sich das gebrochene Verhältnis Wesels zur wichtigen Person Duden fort. Schon der Standort der Gedenkbüste am Straßenrand im Vorort streichelt zwar die Lackhausener Seele, wird aber der Bedeutung des "Rechtschreibpapstes" kaum gerecht. Alle weiteren Ideen fürs 100. Todes-Jahr sind schnell dem Rotstift zum Opfer gefallen, ohne ein dem Anlass gerecht werdendes Alternativkonzept mit Breitenwirkung zu suchen. Das Thema mit finanzpolitisch angezogener Bremse zu behandeln, darin waren sich übrigens Kulturpolitiker und Verwaltung einig.

Auch eine neue Konrad-Duden-Ausstellung — zuletzt aus Anlass des 175. Geburtstags 2004 im Hotel Haus Duden — kam nicht zustande. Dabei beherbergt das Stadtarchiv originale Erinnerungen an den großen Sohn der Stadt. Haarmann erklärt die städtische Zurückhaltung so: "Das Programm ist in einer Arbeitsgruppe so besprochen worden, wie es jetzt ist. Eine Feier mitten in den Ferien passt nicht. Schüler und Schulen sind zum Beispiel nicht greifbar. Wir arbeiten mit dem Bürgerforum zusammen bei dem, was wir leisten können." Er verwies auf die gesamtwirtschaftliche Situation der Stadt.

Es gebe noch einige Veranstaltungen, unter anderem mit Duden-Kenner Horst Schroeder. Und Dr. Werner Stolze-Stubenrecht von der Duden-Redaktion komme. Immerhin: Auf städtischen Briefumschlägen wird demnächst auf Duden hingewiesen — wenn der große vorhandene Bestand mit "Kulturhauptstadt 2010" verbraucht ist.

(RP)