Schermbecks Gesamtschüler analysieren Bildungsentzug in Krisengebieten.

Projekt mit Rollentausch : Flüchtlinge berichten in Gesamtschule

Junge Schermbecker analysieren unter anderem die Folgen von Bildungsentzug in Krisengebieten.

Was bedeutet es, aus einem Land zu fliehen, in dem Krieg, Hunger und Unsicherheit den Alltag bestimmen? Wie fühlt es sich an, in einer Gesellschaft anzukommen, in der es andere Wertvorstellungen und Lebensbedingungen gibt? Wie geht man damit um, wenn man in Deutschland angekommen ist, der Krieg zu Hause jedoch weitergeht?

Antworten auf diese und ähnliche Fragen erhielten junge Leute in der Gesamtschule Schermbeck von sieben syrischen und iranischen Flüchtlingen. Sie alle arbeiten an dem Projekt Life back home mit, das entwicklungspolitische und antirassistische Bildungsarbeit in Schulen mit den Themen Flucht und Migration verbindet. Gefördert durch The global experience, eine gemeinnützige Organisation, und ein internationales Jugendmediennetzwerk mit Sitz in Münster und Berlin, bildet Life back home junge Geflüchtete in Deutschland zu Bildungsreferenten aus, die anschließend Schulen besuchen. Begleitet wurden sie von den Organisatoren Nina Taubenreuther, Nele Hausmann und Peter Schlegel. Als Vorsitzende der Fachkonferenz Geschichte hatte Gesamtschullehrerin Katja Bransdor den Besuch vorbereitet.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Schulleiter Norbert Hohmann und der Vorstellung des Projektes übernahmen die Flüchtlinge in verschiedenen Klassenräumen zeitgleich die Berichte über ihr Leben in der früheren Heimat, über die kriegsbedingten Veränderungen in ihrem Heimatland, über die Flucht, ihre beschwerliche Reise durch mehrere Länder nach Deutschland und über ihre Integration am neuen Orten ihres Lebens.

Am Nachmittag fanden verschiedene Workshops statt. In der Aula trafen sich anschließend alle 85 EF-Schüler, um ihre Arbeiten vorzustellen. Um die Ursachen für die Lebensbedingungen in vielen armen Ländern der Dritten Welt nachvollziehen zu können, untersuchte die erste Gruppe die Folgen, wenn sie im eigenen Lebensraum auf eine hochwertige Bildung verzichten müssten. Dabei wurden die Folgen für einen einmonatigen, einen einjährigen und einen fünfjährigen Bildungsentzug analysiert und anhand einer Schautafel erläutert. „Der Verlust von hochwertiger Bildung führt in verschiedenen Stufen zu einer Unfähigkeit der Bevölkerung, am demokratischen, sozialen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen beziehunsgweise schränkt diese Fähigkeit ein“, war sich die Gruppe einig in ihrem Fazit. Fehlende Bildung zieht eine Kettenreaktion nach sich: Die globale Konkurrenzfähigkeit sinkt, dadurch entsteht ein Rückgang in der Zivilisationsentwicklung, woraus sich eine größere Armut ergibt, die zu mehr Krankheiten und zu einer niedrigeren Lebenserwartung führt.

Im zweiten Workshop sollten die Schüler jeweils eine Flucht aus Deutschland in ein anderes Land planen. Manche wählten Kanada aus, andere Ghana oder Marokko. Im Plenum wurden die Szenarien einer Flucht nach Marokko vorgestellt. Als Weg hatte die Gruppe Frankreich, Spanien und die Meerenge bei Gibraltar ausgesucht. Um die Reise finanzieren zu können, wurden die gesamten Ersparnisse benötigt. Die Schüler machten sich Gedanken, was sie in einem Rucksack mitnehmen würden. Toleranz und Hilfe erwarteten sie bei ihrer Ankunft in Marokko.

Ein dritter Workshop befasste sich mit einem Parteien-Planspiel. Die Partei A setzte sich für die Einwanderung ein. Vertreter der Partei B sammelten Argumente gegen eine Einwanderung. Bei der anschließenden Analyse der von der Partei B aufgelisteten Argumente stellten die Schüler fest, dass viele dieser Argumente mit den Formulierungen übereinstimmten, welche auf einem NPD-Parteitag gegeben wurden.