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Schermbecker Reisebüro: Hoffnung auf bessere Zeiten nach Corona

Schermbecker Reisebüro : Hoffnung auf bessere Zeiten

Die Corona-Krise zwingt das Schermbecker Reisebüro zum Stillstand. Und dennoch wird hart gearbeitet. Die Mitarbeiter bekommen viele Anrufe, Mails und Nachrichten über die sozialen Netzwerke, die sie bearbeiten.

Covid-19 hat die Welt, Deutschland, die Tourismusbranche und die Reisebüros mit einer Wucht getroffen, die vor einigen Wochen noch unvorstellbar war. Der Umsatzausfall bei den deutschen Veranstaltern und Reisebüros summiert sich nach Hochrechnung des Deutschen Reiseverbands auf rund fünf Milliarden Euro für März und April, Tendenz steigend. Die Einnahmen sind auf fast null zusammengebrochen. Ein Gespräch mit Frank Herbrechter vom Schermbecker Reisebüro.

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation?

Herbrechter Das Schlimmste daran ist, dass diese Krise andauern wird. Binnen weniger Tage brachte das Virus den Tourismus weltweit zum Erliegen. Der deutsche Pass ermöglicht im Moment noch nicht einmal mehr die Einreise nach Österreich, Dänemark oder Spanien. Sogar über unsere deutschen Nordseeinseln ist ein komplettes Embargo verhängt. Der Außenminister der Bundesrepublik warnt vor nicht notwendigen touristischen Reisen ins Ausland, überall, nicht nur in die Krisengebiete unserer Welt. Ganze Flugzeugflotten bleiben am Boden, Kreuzfahrtschiffe liegen in den Häfen vertäut und die Hotels sind geschlossen.

Inwieweit sind Sie als Reisebüro von den gegenwärtigen Beschränkungen betroffen?

Herbrechter Die erfolgreiche Schönwetter-Branche Tourismus hat es besonders schwer betroffen, die Reisebüros wohl am stärksten. Im letzten Jahr reisten fast zwei Milliarden Menschen weltweit, vor knapp einem Monat flogen überall Flugzeuge und wurden Urlaubspläne geschmiedet – und jetzt fahren Airlines, Hotels, Reiseveranstalter, Reedereien und Reisebüros ihre Aktivitäten radikal herunter und sind in ihrer Existenz bedroht – überall. Beliebte Ziele wurden zu Ladenhütern, da kaum noch einer gerade sich Gedanken macht, wo die nächste Reise ihn hinführt. Diese findet gerade maximal in den eigenen vier Wänden statt und führt vielleicht an die teilweise leeren Regale im Supermarkt. In den deutschlandweit behördlich geschlossenen Reisebüros meldet man sich nur noch telefonisch oder per Mail, um einen geplanten Urlaub zu stornieren oder langfristig umzubuchen.

Haben Sie trotz der gegenwärtigen Situation noch Hoffnung auf eine positive Wende?

Herbrechter Die Zeiten, so Gott will, werden sich vielleicht bald wieder ändern. Es gilt, nicht trübsinnig zu werden, bis die ersten Flugzeuge wieder fliegen, sich Schlagbäume und Hotels öffnen und die Kreuzfahrtschiffe wieder fahren. Die Deutschen sind Reiseweltmeister und ein Virus wird uns diesen Titel nicht nehmen können. Es gilt zu träumen und Kataloge zu blättern, bis dann wieder aus Reiseträumen Traumreisen werden.

Wie sieht angesichts der gegenwärtigen Reisebeschränkungen der Arbeitsalltag im Reisebüro aus?

Herbrechter Die Crew des Schermbecker Reisebüros und sicherlich alle Reisebürokollegen auf der Welt bekommen sekündlich Anrufe, Mails und Nachrichten über die sozialen Netzwerke. Es geht dort um aktuell brennende Urlaubsfragen, Tipps und Einschätzungen. Alle versuchen bestmöglich zu helfen, egal, wo die Gäste auf der Welt festsitzen, welche Reise bevorsteht oder noch in der Ferne liegt. Deshalb antworten die Kolleginnen und Kollegen in der Reisebranche zu jeder Uhrzeit, auf allen Kanälen. Sie hängen sich für ihre Kunden und Gäste in die Warteschleifen, buchen um und unterstützen, ohne einen Mehrpreis zu verlangen. Es geht primär darum, die Gäste zurück in die Heimat zu holen und aktuell Abreisen rückabzuwickeln. Danach um die vielen Umbuchungen und Fragen das komplexe Thema betreffend. Wichtig ist, es wird kein Kunde und auch kein fremder Online-Kunde, der sich hilfesuchend an die Reiseexperten des Schermbecker Reisebüro wendet, abgewiesen.

Welche Bedeutung haben Reisebüros vor Ort?

Herbrechter Fast alle Reisepreise sind minutenaktuell und jedes Reisebüro findet diese genauso online und bucht für die Kunden ohne Aufpreis. Und wenn jemand einmal einen günstigeren Preis findet, sollte er nachfragen, woher der resultiert: Reisebüros bieten Krisenmanagement und Ansprechpartner vor Ort, Reiseexperten und Insidertipps. Außerdem verbleibt Geld im Ort, das Arbeitsplätze und die Bequemlichkeit, ortsnah zu buchen, erhält und Leerstand in den Städten und Gemeinden wird vermieden. Auch Steuern werden lokal gezahlt und nicht in Nachbarländern. Wir bilden aus, bieten Praktika, unterstützen Vereine und die Jugend. Wir kaufen Brötchen, Eier, Blumen, Waschmaschinen und Schuhe bei den Nachbarn im Ort ein.

Welche Bitte haben Sie an die Verbraucher?

Herbrechter Eine gute Reise beginnt und endet immer in der Heimat. Bleiben Sie reiselustig und eine gesamte Branche wird ihren Teil dazu beitragen, dass das wieder in die Tat umgesetzt wird. Und wenn der Tag wiederkommt, wenn wir alle wieder frei unterwegs sein können, dann stürmen Sie bitte nicht die Online-Portale und buchen die Lastminute-Schnäppchen im Ausland. Gehen Sie ins Reisebüro, zu Menschen, die auch schon vor und während der Krise präsent waren. Lassen Sie sich beraten und buchen Sie Ihre Urlaube und helfen Sie dadurch, die Arbeitsplätze einer ganzen Branche zu sichern.

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