Schermbecker Gesamtschüler auf den Spuren jüdischen Lebens

Geocaching-Projekt in Schermbeck : Auf den Spuren jüdischen Lebens

Gesamtschüler beschäftigten sich in einem Geocaching-Projekt mit einem wichtigen Thema.

Wer sich bislang über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Schermbeck informieren wollte, der war auf gedruckte Literatur angewiesen oder konnte sich online auf der Seite www.kuladig.de des Landschaftsverbandes informieren. Jetzt besteht die Möglichkeit, in spielerischer Form per Geocaching auf die Suche nach den Zeugnissen jüdischen Lebens zu gehen.

In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Dorsten haben junge Leute der Jahrgangsstufen EF und Q2 der Gesamtschule Schermbeck sich fürs Geocaching entschieden – eine moderne Form der Schatzsuche. Man benötigt dazu ein Smartphone oder ein GPS-Gerät. Sechs davon liegen in der Dorstener Stadtinformation zum Ausleihen bereit, sechs weitere im Jüdischen Museum Dorsten. Gibt man nun in die geeigneten Geräte die Koordinaten für die Längen- und Breitengarde eines Punktes in der Landschaft ein, dann wird auf dem Display an der Stelle des Schnittpunktes der eingegebenen Koordinaten eine Markierung angezeigt. Dort findet man den verborgenen „Schatz“ mit weiteren Anweisungen oder Informationen. Auf diese Weise kann man eine vorgegebene Punktekette nach und nach abarbeiten.

Für ihre Punktekette hatten sich die Gesamtschüler den Cache „Die jüdische Geschichte Schermbecks“ ausgesucht, der unter der Bezeichnung GC81FCD auf der Plattform www.geocaching.com abrufbar ist. Bei der Suche nach geeigneten Punkten zur Geschichte des jüdischen Lebens griffen die Schüler auf das Buch „Der Jüdische Friedhof in Schermbeck. Ein kleiner Leitfaden“ zurück, das im Jahre 2017 vom Jüdischen Museum Dorsten herausgegeben wurde.

Beim Studium der jüdischen Geschichte Schermbecks erfuhren die Schüler, dass die jüdische Gemeinde und ihr Friedhof erst ab dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts fassbar werden, also zu einer Zeit, als das Herzogtum Kleve Teil Brandenburg-Preußens wurde. 1678 wurde im Kirchenbuch der lutherischen Kirchengemeinde ein jüdisches Kind vermerkt, das beerdigt wurde. Bis 1739 verzeichnet die lutherische Gemeinde 26 jüdische Bestattungen auf dem Bösenberg. 1693 wohnten drei und 1717 vier jüdische Familien am Ort. Im 18. Jahrhundert hatten beständig vier jüdische Familien in Schermbeck das Wohnrecht. Nach der Aufhebung der Wohnrechtsbeschränkungen für jüdische Familien vervierfachte sich die Zahl der Haushalte bis Mitte des 19. Jahrhunderts, um sich dann wieder auf acht Haushalte Anfang des 20. Jahrhunderts zu verkleinern. Im Dezember 1941 und im Juli 1942 wurden alle jüdischen Bewohner Schermbecks deportiert. Die 200-jährige jüdische Gemeinde fand ihr gewaltsames Ende. Ihre Synagoge an der heutigen Georgstraße lag 1945 in Trümmern, ihr Friedhof verwaiste.

Neben der Geschichte der jüdischen Gemeinde befassten sich die Schüler auch mit den Familien, an die noch heute die Namen auf den Grabsteinen des jüdischen Friedhofes verweisen. Der erste Cache führt die Besucher in die Nähe der Georgskirche. Im nahen Umfeld sollen die Geocacher nach Hinweisen auf frühere Bewohner suchen. Wer die Geburtsdaten von Else Schönbach findet, erfährt auch Zahlen, die die Koordinaten des nächsten Cache ergeben und zum jüdischen Friedhof am Bösenberg führen. Über das benutzte Gerät zum Caching kann man jede Menge Informationen über das Brauchtum bei jüdischen Beerdigungen erfahren.

Wenn die Cacher den verwitterten Stein entdeckt haben, auf dem eine bestimmte Person gesucht werden muss, erhalten sie die restlichen Ziffern des dritten und letzten Cache. Dort findet man auch den 90-seitigen Leitfaden zum jüdischen Friedhof, um sein unterwegs erworbenes Wissen zu erweitern. Das Projekt Geocaching ist an der Gesamtschule nur eine Form der Beschäftigung mit dem jüdischen Leben. „Das Thema spielt an unserer Schule eine große Rolle“, berichtete Schulleiter Norbert Hohmann von dem Gedenktag zur Pogromnacht, den die Gesamtschule seit 2013 jährlich veranstaltet, der meist mit einem Vortrag verbunden wird, bevor man gemeinsam zum jüdischen Friedhof geht.

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