Viele Aktionen zum Jubiläum Aktiv gegen Antisemitismus

Schermbeck · Christen gedenken der 1700-jährigen Geschichte der Juden in Deutschland. Bis zum 27. März finden auch etliche Veranstaltungen in Schermbeck statt. Das Ziel: jüdisches Leben sichtbar und erlebbar machen. Ein Überblick.

 Ein Mann trägt eine Kippa (Symbolbild).

Ein Mann trägt eine Kippa (Symbolbild).

Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Seit 1700 Jahren leben Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland. Mit vielen Veranstaltungen wird bundesweit das Jubiläum gefeiert. Der offizielle Festakt zum Start in das Festjahr fand am 21. Februar 2021 in Köln statt. Die jüdische Gemeinde in Köln gilt als die älteste nördlich der Alpen. Auch Drevenack und Schermbeck beteiligen sich an dem Jubiläum. Die Idee dazu entstand während einer Pastoralkonferenz. Die Schermbecker Pastoralreferentin Desirée Kaiser, die schon während ihrer Studienzeit an einem Projekt teilnahm, das sich mit dem jüdischen Friedhof in Münster befasste, regte an, ökumenische Aktionen zu gestalten und Fachleute einzuladen, die sich mit der Geschichte des jüdischen Lebens in besonderer Weise befassten. So entstanden nach und nach neun Aktionen.

Ziel des Organisationsteams war es, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen. Dabei soll jedoch der besondere Blick auf Schermbeck und Drevenack gerichtet werden. „Auch junge Menschen sollen erfahren, dass Juden einen Teil des Lebensumfeldes der Christen bildeten“, begründete Desirée Kaiser das Bemühen, auch die jüngere Generation mit der Geschichte der Vielfalt und der Bereicherung in allen Lebensbereichen durch jüdische Traditionen vertraut zu machen.

Am 31. Oktober startete die neunteilige Veranstaltungsreihe um 15 Uhr an der evangelischen Kirche in Drevenack. Wolfgang Heumann begleitete Teilnehmer bei einem Spaziergang zum Jüdischen Friedhof. Heute, am 9. November, beginnt um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Drevenack die nächste Veranstaltung: Wolfgang Bornebusch hält seinen Vortrag „321 – 2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Der Vortrag besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil informiert Bornebusch über die Zeit des Judentums in der Zeit von 321 bis zum 17. Jahrhundert. Im zweiten Teil lernen die Zuhörer die jüdische Gemeinde in Schermbeck kennen, die Bornebusch seit vier Jahrzehnten mit Andrea Kammeier erforscht hat.

Nach einem ökumenischen Gottesdienst, der am 17. November um 19.30 Uhr in St. Ludgerus beginnt, besteht die Möglichkeit zu einem Rundgang durch die Ausstellung „Die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Schermbeck“, die von Desirée Kaiser und Hans Herzog vorbereitet wurde. Parallel zur Ausstellungseröffnung in der Ludgeruskirche zeigt der Heimat- und Geschichtsverein im Heimatmuseum an der Steintorstraße eine Ausstellung zum Thema „Haus Bertha“.

Auf einem Grundstück des Schermbecker Kaufmanns Julius Goldschmit stand auf einem zwölf Hektar großen Grundstück am Freudenberg eine Holzbaracke. Von 1932 an diente diese als Schuppen für einen Kiesbaggerbetrieb, bis der Eigentümer die Baracke dem Kyffhäuserbund und anschließend dem Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) zur Verfügung stellte. Seit 1934 war das „Haus Bertha“ ein Erholungsheim für Kinder und Jugendliche, das vom „Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten“ für junge Leute aus dem ganzen Reichsgebiet eingerichtet wurde.

Die Ausstellung kann bis Februar 2022 an jedem ersten Sonntag im Monat, von März bis Oktober an jedem Sonntag, von 10 bis 13 Uhr besichtigt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, nach vorheriger Absprache (unter Tel. 02853/3085 oder E-Mail an info@heimatverein-schermbeck.de) gesonderte Besuche der Ausstellung zu vereinbaren. Ab dem 17. November werden monatlich wechselnde Plakate in allen drei Kirchen bis zum Buß- und Bettag des Jahres 2022 gezeigt.

Über die restlichen vier Teile der Veranstaltungsreihe in der Zeit ab 1. Februar 2021 wird im Vorfeld noch eine ausführliche Ankündigung vorgenommen. Am 1. Februar geht es um den jüdischen Witz und seine Geschichte, am 22. Februar berichtet Pastor Xavier Muppla in der Ludgeruskirche über das jüdische Leben aus der indischen Perspektive.

Am 20. März beginnt um 17 Uhr in der Georgskirche das Benefizkonzert „Halleluja“. Am 27. März findet ein Rundgang zum Thema „Jüdisches Leben in Schermbeck“ ab 15 Uhr statt. Vom Kirchgarten der Georgskirche aus begleitet Pauline Fischer die Teilnehmer zum jüdischen Friedhof, zum Standort der Synagoge und zu ehemaligen Häusern von Juden.

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