Schermbeck: Sterne-Koch Christian Penzhorn jetzt neu am Landhotel Voshövel

Christian Penzhorn (40) : Sterne-Koch neu am Voshövel-Herd

Viele Jahre war Christian Penzhorn gefeierter Sterne-Koch in Düsseldorf (Monkey’s, Victorian). Nach fünf Jahren Selbstständigkeit in Ratingen hat er im Landhotel Voshövel in Schermbeck-Weselerwald angeheuert.

Eine Mitteilung des Landhotels Voshövel in Schermbeck-Weselerwald lässt aufhorchen. In der Küche des Vier-Sterne-Hauses, das nach Millionen-Investitionen in den vergangenen Jahren vor allem als Wellness- und Tagungshotel überregional einen guten Ruf genießt, hat seit kurzem Christian Penzhorn das Sagen.

Mehr als zehn Jahre lang gehörte der heute 40-Jährige in Düsseldorf zu den kochenden Stars in der Landeshauptstadt. Unter seiner Leitung erhielt eines der drei Restaurants des Monkey’s Plaza den begehrten Michelin-Stern. Auch das Victorian nahe der Kö, in dem er anschließend das Sagen hatte, hatte ein Dauerabo auf diese Auszeichnung. Nach fünf Jahren Selbstständigkeit in Ratingen hat der Spitzenkoch nun im Landhotel Voshövel angeheuert.

In der gemütlichen neuen Hotelbar sind wir mit Christian Penzhorn zum Gespräch verabredet. Er ist pünktlich, trägt eine weiße Kochjacke. Modischer, gepflegter Bart, die Haare hinten zu einem kleinen Schwänzchen gebunden. Freundliche Begrüßung, kräftiger Händedruck. „Kaffee oder Tee?“ Der Gast wählt Tee, der Star-Koch Kaffee. Christian Penzhorn wirkt entspannt, hat ganz offensichtlich Lust auf das Gespräch. Wobei er bittet, das Kapitel Ratingen, wenn möglich, nur zu streifen. Verständlich. War doch bei Erweiterungsarbeiten im August 2018 ein Teil seiner Restaurant-Küche in die angrenzende Baugrube gestürzt, ohne dass jemand verletzt wurde. An die Geschichte, die damals durch die Medien ging, möchte er möglichst nicht erinnert werden.

Über seinen guten Freund, den Voshövel-Restaurantleiter Tobias Kühnen, kamen der Sterne-Koch und die Hoteliersfamilie Klump im Herbst 2018 ins Gespräch. Penzhorn war zur Hochzeit von Kühnen ins Landhotel eingeladen worden und sofort angetan von der Atmosphäre. „Das ist hier wirklich etwas ganz Besonderes. Und sicher wären viele Düsseldorfer Hotels froh über die Auslastungszahlen“, sagt er. „Der tolle Spa-Bereich zieht Gäste.“ Dass hier Mitarbeiter zum Teil seit vielen Jahrzehnten tätig sind und unter ihnen eine gute Stimmung herrscht, „hat mich einfach angefixt“.

Auch wenn Christian Penzhorn insgesamt 15 Jahre lang in der Sternegastronomie zu Hause war, in der 16-Stunden-Tage keine Seltenheit sind, wird er im Landhotel zwar sein ganzes Können und seine Erfahrung einbringen, doch nach den Sternen greifen, das wollen er und sein 16-köpfiges Team nicht. Aber sicherlich werden die Erwartungen derjenigen Gäste an die Voshövel-Küche steigen, die mitbekommen haben, welch’ ein Meister da mittlerweile am Herd steht.

Dem Trend vieler Köche, möglichst auf regionale, saisonale Produkte zu setzen, steht er ein wenig skeptisch gegenüber. „Die Region gibt manchmal gar nicht die Zutaten her, die man benötigt. Deshalb würde ich meinen Stil als regional mit internationalen Einflüssen bezeichnen.“ Aber wirklich gute Produkte aus der Umgebung sind ihm mehr als willkommmen. Deshalb bezieht er unter anderem Ziegenkäse aus Lembeck, Büffelmorzarella aus Bocholt, sortenreine Fruchtsäfte von van Nahmen aus Hamminkeln. Auf der Speisekarte finden sich nach wie vor das klassische Wiener Schnitzel vom Kalb und die beliebte Rindfleischsuppe. Allerdings aber auch Jakobsmuscheln und Loup de Mer (Wolfsbarsch).

Dass er einmal Koch werden will, ist für Christian Penzhorn schon früh klar. Aufgewachsen an der Mecklenburger Seenplatte, macht er nach der Mittleren Reife eine Lehre in der Gastronomie, nimmt äußerst erfolgreich an Kochwettbewerben teil. Den ehrgeizigen jungen Mann zieht es zunächst in den Süden. In München beispielsweise verdingte er sich bei Christian Jürgens in dessen Sterne-Restaurant Am Marstall. Weitere Stationen sind das legendäre Restaurant Schloss Lerbach in Bergisch-Gladbach, wo er unter Dieter Müller in einer der damals besten Küchen Deutschlands (drei Sterne) arbeitet. Bei einem Praktikum in London lernt er zufällig den künftigen Geschäftsführer des Victorians in Düsseldorf kennen und wird dort mit 28 Jahren Küchenchef. Er bleibt fünf Jahre, wechselt dann innerhalb der Landeshauptstadt zum Monkey’s Plaza und erkocht sich dort erneut einen Stern. Dann sucht Christian Penzhorn eine neue Herausforderung und macht sich in Ratingen selbstständig. Nun also hat er im Landhotel Voshövel angeheuert. Und dort will er auch bleiben. „Ich bin 40, habe die Turnschuhe ausgezogen, springe nicht mehr hin und her. Mir gefällt es hier in dem jungen Team. Da bewegt sich sehr viel.“

Dass ein leidenschaftlicher Koch beim Stichwort „Hobbys“ das Sammeln von Kochbüchern angibt, muss nicht verwundern. Penzhorn hat 500 davon zu Hause. Sein aktueller Favorit: Eleven Madison Park: das Kochbuch des berühmten New Yorker Drei-Sterne-Restaurants, das 2017 die Auszeichnung „Bestes Restaurant der Welt“ erhalten hat.

Zu den Aufgaben eines Küchenchefs gehört nicht nur, die Mannschaft zu Höchstleistungen anzuspornen und bei aller Hektik die Übersicht zu behalten, sondern auch die Ausbildung des Nachwuchses. „Wer bei uns eine dreijährige Ausbildung erfolgreich absolviert, der kann am Ende alles“, ist Christian Penzhorn überzeugt. „Denn wir machen Buffets, fine dining, à la carte und Veranstaltungen. Da sieht man wirklich alles bei uns.“

Die Bedingungen für junge Leute, in dem Beruf erfolgreich zu sein, seien so gut wie fast nie zuvor, sagt er. „Zum einen gibt es mittlerweile geregelte Dienstzeiten. Und anders als noch vor 15 Jahren, als man sich Kochbücher und Zeitschriften kaufen musste, finden die jungen Leute heute alles auf ihren Smartphones. Sie müssen nur wollen.“ Und wie sieht der Traum-Azubi aus? Christian Penzhorn lacht. „Er hat Willen und Biss.“ Kommt ihm da der junge Christian Penzhorn in den Sinn? Mal ehrlich. „Ja, ich hoffe nicht, dass das überheblich klingt. Aber ich war immer schon sehr ehrgeizig und hatte einen starken Willen.“ Seit 15 Jahren bildet er aus und legt größten Wert darauf, die jungen Leute wertschätzend zu behandeln. „Sie sind unsere Zukunft. Wir müssen uns nicht wundern, wenn wir keine guten Leute bekommen, wenn wir nicht ausbilden.“ Für das neue Ausbildungsjahr gibt es bei ihm noch freie Plätze.

Es folgen Fragen zu seinen Lieblingsgerichten und ob es Dinge gebe, die er nie essen würde. „Ich probiere alles, habe da keine Vorbehalte“, versichert er. In Asien habe er schon mal Heuschrecken gekostet. Nur zu gerne probiert er das, was Kollegen kochen.

Christian Penzhorn schaut auf die Uhr, bittet um Verständnis. Gleich steht das Mittagessen für die Mitarbeiter auf den Tischen. Und was gibt es? „Perlhuhn mit Kartoffelstampf und Spinat.“ Der mit dem Blubb? „Nein, nein.“ Christian Penzhorn schüttelt den Kopf. „Nichts aus der Tiefkühltruhe“, sagt er und zieht die Stirn kraus. „Den Spinat bereiten wir natürlich frisch zu.“ Da gibt es für den Spitzenkoch keinen Kompromiss.

Mehr von RP ONLINE