Schermbeck: Seniorenbeirat veranstaltet Übungen für E-Bikes

Üben am Simulator : Sicher unterwegs auf dem Pedelec

Der Umgang mit schnellen E-Bikes wurde am gestrigen Dienstag auf dem Rathausplatz geübt. Der Schermbecker Seniorenbeirat hatte dazu eingeladen. Besucher konnten ihr Geschick bei einem Parcours und am Simulator testen.

Sie haben zwar seit ihrer Kindheit Fahrräder benutzt, aber die waren weitaus langsamer und mit viel weniger Technik versehen als die heutigen Pedelecs und E-Bikes. Der nicht geübte Umgang mit Fahrrädern, die Geschwindigkeiten von 25 Kilometern pro Stunde und mehr (siehe Infokasten) erreichen, kann schnell zu Unfällen führen. Die Gefahren werden unterschätzt, nicht nur von Fahrern, sondern auch von Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern. Darum ging es beim Schermbecker E-Bike-Tag, den der Seniorenbeirat der Gemeinde Schermbeck am Dienstag auf dem Rathausvorplatz veranstaltete.

Pedal Electric Cycles (Pedelecs) standen dabei im Mittelpunkt. Drei Stunden lang leisteten die beiden Hauptkommissare Arno Heinemann und Jürgen Lantermann von der Kreispolizeibehörde Wesel und der Schermbecker Fahrradhändler Dominik Spahn einen Beitrag zum Umgang mit den schnellen Fahrrädern.

Die Übungen waren durchaus praktischer Natur. Am Simulator wurden auf einem großen Bildschirm kritische Verkehrssituationen dargestellt, auf die der Radler reagieren musste. Die Schnelligkeit des Filmablaufs passte sich dem Tretrhythmus des Fahrers an. Wenn plötzlich ein Autofahrer rückwärts aus einer Parklücke den Fahrradweg versperrte, wenn ein Autofahrer auf einmal nach links abbog und dabei den Radweg kreuzte, wenn ein Fußgänger unvorhergesehen den Radweg betrat, dann musste man den Zusammenstoß vermeiden.

Die meisten Radler reagierten bei dem Fahrradtyp ohne Rücktritt wenig erfolgreich. Sie hörten auf zu treten und versuchten, mit Hilfe des Rücktritts zu bremsen, statt die beidseitig angebrachten Handbremsen gleichzeitig schnell und kräftig zu bedienen. Dadurch verstrich eine zu lange Reaktionszeit vor dem eigentlichen Bremsvorgang und ein klirrendes Geräusch im Simulator signalisierte einen Zusammenstoß. An mehreren Beispielen wurde verdeutlicht, dass eine langsamere Reaktionszeit den gesamten Bremsweg potenziert.

Doch damit nicht genug: Während die Besucher am Simulator auf einem fest montierten Fahrrad saßen, konnte man am Parcours bei einer echten Fortbewegung typische Fahrsituationen üben.

Beim Anfahren wurde etwa geübt, dass man erst ein Bein über den Einstiegsbereich bewegt und sich so positioniert, dass man den Sattel im Steißbeinbereich verspürt. Im Gegensatz zu einem normalen Fahrrad, bei dem eine Belastung einer Pedale nur wenig Bewegung verursacht, ist der Druck auf die Pedale mit einem Schub des Elektromotors verbunden, der einen unkontrollierten Vorwärtsschub verursachen kann, wenn man nicht gleichzeitig die Bremse bedient. Ähnliches kann beim Absteigen passieren, wenn man – wie es eine typische Absteigeart von Frauen zeigt – von der Pedale abhüpft und ihr dabei noch einmal einen Schub verpasst.

Beim Parcours konnten die mutigen Teilnehmer auch Pendelstangen umfahren. Wenn man die langsamer werdende Fahrt durch einen Tritt auf die Pedale ausgleichen wollte, passierte es nicht selten, dass durch den plötzlichen Schub eine Stange berührt wurde. Im letzten Teil des Parcours wurde das richtige Bremsen geübt.

Am Stand des Schermbecker Fahrradhändlers Dominik Spahn war der Andrang besonders groß. Hier interessierten sich die Besucher vor allem für die Sonderausrüstung von Pedelecs und E-Bikes bei typischen Krankheitsbildern. Es gibt Airbags für die Hüfte und für den Kopf. Wer Hüftprobleme hat und die Bewegungsabläufe beim Radeln verkürzen will, kann sein Fahrrad mit verkürzten Pedalkurbeln ausstatten lassen. Wer Probleme mit der Prostata hat, bekommt auf Wunsch einen ringförmigen Spezialsattel, der in der Mitte mit einem Loch ausgestattet ist. Es gibt Sättel mit Rückenpolster.

Menschen mit rheumatischen Erscheinungen in den Händen können in der Regel die Hände nicht mehr leicht komplett schließen. Für sie gibt es dickere, ergonomisch angepasste Handgriffe. Der Vorbau im Lenkerbereich kann bei einigen Rädern ganz leicht für die erforderliche Haltung angepasst werden. „Nicht alle Fahrräder sind für Senioren geeignet“, sagte Spahn. Er riet deshalb allen, sich vom Fachhändler beim Kauf beraten zu lassen.

Auch der Seniorenbeirat war mit einem Stand vertreten. Hier konnten sich die Besucher über den Seniorenwegweiser ebenso informieren wie über die Notfallkarte, über Patientenverfügungen und über die beiden Mitfahrerbänke, die am Schermbecker Rathaus und in Gahlen aufgestellt wurden.

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