Schermbeck: Schermbeck prüft Schulfusion

Schermbeck : Schermbeck prüft Schulfusion

Eine Machbarkeitsstudie soll untersuchen, wie die Schermbecker Grundschullandschaft neu aufgestellt werden muss. Zwei Grundschulen gibt es am Ort, bei 100 Schülern pro Jahrgang. Bürgermeister Mike Rexforth sieht Handlungsbedarf.

Es wäre ein für die Gemeinde schmerzhafter Schritt, aber Bürgermeister Mike Rexforth (CDU) sieht die dringende Notwendigkeit, eine neue Aufstellung der Grundschullandschaft in Schermbeck zu prüfen. Rund 100 Schüler gibt es derzeit pro Jahrgang. Aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung droht die Schülerzahl weiter zu sinken. Rexforth will in Absprache mit der Schermbecker Politik eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und hat dafür bereits Fördermittel bei der zuständigen Bezirksregierung in Düsseldorf angemeldet. Die Entscheidung hierüber steht aktuell noch aus.

Drei Optionen gibt es: Erhalt beider Schulen, Fusion an einem Standort oder Aufgabe beider Standorte und dafür ein kompletter Neubau? Diese Frage wird die Schermbecker in den kommenden zwei bis drei Jahren bewegen.

"Wir haben zweimal zwei Züge mit unter 100 Kindern. Das ist ein großer Luxus, wenn man kleine Klassen hat. Aber das bietet auch Schwierigkeiten", sagt Rexforth. Er lobt die Arbeit an beiden Schulstandorten, sowohl die Maximilian-Kolbe-Schule als Bekenntnisschule als auch die Gemeinschaftsgrundschule, sagt aber auch offen: "Wenn wir beide Grundschulstandorte zukunftsfähig machen wollen, mit ordentlichem Angebot, auch beim Thema energetische Sanierung, ordentlichem Betreuungsangebot Richtung offene Ganztagsschule und Inklusion, dann sind unsere bisherigen Schulen baulich dazu nicht geeignet."

Gemeinschaftsgrundschule. Foto: Malz Ekkehart

Schermbeck werde viel Geld in die Hand nehmen müssen, um für Familien als Wohnort attraktiv zu bleiben, da brauche es Investitionen in die Bildung. Bei dem Angebot ab Klasse fünf sei man sehr gut aufgestellt: "Wir haben eine der besten vier oder fünf Gesamtschulen in NRW. Mit guten Kontakten zur Fachhochschule in Gelsenkirchen, die den naturwissenschaftlichen Bereich mit abdeckt. Das ist für eine Gesamtschule ungewöhnlich." Ein herausragendes Angebot werde man nun auch bei den Grundschulen schaffen. Rexforth hat bei der Wahl der Optionen eine Richtung, listet die Vorteile einer Fusion auf.

"Das Kollegium ist bei kleinen Einheiten nicht so flexibel. Bei Krankheitsfällen ist es schwieriger, Vertretungen zu finden. Bei größeren Kollegien hat man mehr Flexibilität im Bezug auf Ausfallzeiten. Es spricht viel dafür, sich auf eine Schule zu konzentrieren. Ich weiß, das wird schwierig, eine alte Struktur mit gewachsenen Schulstandorten zu hinterfragen. Letztlich muss man sich die Frage frei von Emotionen und Vergangenem stellen. Das wird ein steiniger Weg." Rexforth weist auch darauf hin, dass beide Schulstandorte perspektivisch Investitionen erfordern.

Das Land würde eine Machbarkeitsstudie mit 70 Prozent unterstützen, sagt Rexforth. "Man hat auch schon signalisiert, dass wenn diese Studie zum Ergebnis käme, dass ein Grundschulstandort die richtige Antwort für Schermbeck wäre, man dann auch bereit wäre, einen Architektenwettbewerb mitzufinanzieren." Dann gehe es noch um die Frage, ob der Umbau oder ein Neubau finanziert wird.

Rexforth betont, dass die Prüfung in der Machbarkeitsstudie ergebnisoffen erfolge. "Ich habe ein Gefühl dafür, aber es gilt so viele Dinge zu beachten. Wenn man sich auf einen Standort im Ortsteil konzentriert, dann löst das Verkehrsströme aus, in die Wohngebiete rein. Das sind auch Dinge, die im Rahmen der Studie beachtet werden." Entscheidend sei natürlich am Ende, wie die Politik das Thema behandelt.

Fakt ist: Die Maximilian-Kolbe-Grundschule als Bekenntnisschule hat eine lange Tradition, viele Bürger könnten sich nur schwer damit abfinden, wenn eine katholische Schule schließt. Rexforth will deshalb in die Prüfung mit einbeziehen, inwieweit der Bekenntniszweig auch bei einer fusionierten Schule erhalten bleiben könnte. "Die Konstellation ist spannend, sie findet man im ländlichen Bereich öfter. Vor dem Hintergrund sind auch Gespräche mit dem Land geführt worden, ob man einen Piloten im ländlichen Bereich anstößt. Aufgrund des demografischen Wandels wird sich vielerorts die Frage gestellt, wie man aus zwei Grundschulen eine macht, womöglich einen Bekenntniszweig integriert. Der Erhalt wäre wichtig, die Frage ist: Wie geht es? Der Elternwille könnte situativ von Jahr zu Jahr entscheiden. Bei vier Zügen könnte man zwei mit katholischem Schwerpunkt machen, sagt Rexforth. "Das muss möglich sein. Im anderen Jahr müsste man flexibel reagieren können, wenn der Elternwille sich anders darstellt."

Eine ordentliche Grundschule für Schermbeck wolle er für die nächsten 30 Jahre zukunftssicher machen, dabei auf die veränderten Bedarfe in der Ganztagsbetreuung achten: "Die Betreuungszeiten werden wichtiger. Wir merken es hier an den steigenden Zahlen der Offenen Ganztagsschüler, dass es gesellschaftlich nachgefragt wird. Dann muss es auch ordentlich sein."

Die Politik sei mit im Boot. "Sie ist interessiert, nachfolgenden Generationen ein klares Signal zu geben. Wir wissen ja, dass die Schulen in der Bevölkerung Thema sind."

(RP)
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