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Schermbeck: NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser besuchte zum Start der Waldzustandserhebung den Dämmerwald.

Schermbeck : Den Eichen im Kreis geht es nicht gut

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser besuchte gestern zum Start der Waldzustandserhebung den Dämmerwald.

Noch bevor es am Donnerstagmittag in den Dämmerwald ging, wechselte Ursula Heinen-Esser noch schnell ihre schicken hellblauen Schuhe mit Absätzen in Größe einer Cent-Münze und zog derbe dunkelgrüne Gummistiefel an. „Von elegant kann bei mir jetzt keine Rede mehr sein“, scherzte die NRW-Umweltministerin mit eher kritischem Blick auf die geschätzt drei Nummern zu großen Stiefel. Nein, um Schönheit ging es vorrangig nicht in dem Wald nahe Schermbeck – andererseits aber auch schon: Denn in den kommenden Wochen werden 10.300 der rund 420 Millionen Bäume des gesamten Landes Nordrhein-Westfalen genau unter die Lupe genommen. Dies geschieht, um den aktuellen Zustand des Walde möglichst zuverlässig erheben zu können.

Otto Pöll, Leiter des Regionalforstamts Niederrhein, weiß, was dies bedeutet: Als junger Förster hat er selber in den 80er Jahren an diesen stichprobenartigen Untersuchungen teilgenommen. Jetzt durfte er die Ministerin zum Start der Waldzustandserhebung 2018 begrüßen und – zusammen mit seinen Kollegen des Landesbetriebs Wald und Holz – zu einem der Bäume führen, die zu den „Auserwählten“ gehören, deren Entwicklung schon seit vielen Jahren haargenau dokumentiert wird.

„Mit dieser Untersuchung lassen sich langfristige Trends erkennen“, sagte Heinen-Esser, die sich selber als „Kind des Sauren Regens“ bezeichnete und mit Begriffen wie „Waldsterben“ groß geworden sei. Die 52-Jährige zeigte sich sehr interessiert, ließ sich ein Fernglas reichen, um die Kronen der 130 bis 150 Jahre alten Eichen noch besser betrachten zu können. Lutz Falkenried, Leiter der NRW-Waldzustandserhebung von Wald und Holz NRW, hatte ein kleines Fotobuch dabei, in dem verschieden geschädigte Eichenkronen abgebildet sind. Anhand dieser Vergleichsbilder kam er hier zu dem Urteil: „Diese Eiche hat 35 Prozent Blattverlust – die Blätter sind angefressen, das könnte vom Eichenwickler stammen.“ Die Ministerin wirkte beeindruckt, fragte auf dem Rückweg an einer auf etwa zwei Metern Höhe abgebrochenen Eiche nach: „Was ist hier denn passiert?“ Otto Pöll antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Friederike!“ Sein Kollege Falkenried ergänzte: „Selbst eine standhafte deutsche Eiche hält solch einem Sturm – vor allem aber die einzelnen starken Böen – nicht mehr Stand.“ Er sagte, es bereite ihm vor allem Sorgen, in welcher Häufigkeit sogenannte „Jahrhundertereignisse“ und andere früher seltene Schädigungen – wie lange Trockenheit oder Schädlingsbefall – in den vergangenen Jahren auftreten. Dazwischen gebe es für viele Bäume zu wenig Zeit, sich zu erholen.

Auch Otto Pöll vermutete, dass der Zustand des Waldes im Kreis  – vor allem der Eichen – sich wieder verschlechtert habe: Zu der extremen Trockenheit komme der Befall der Raupen, oft gefolgt von Mehltau-Bildung. Und an den Spätfolgen der Bodenschädigung – wie dem Sauren Regen – leide der Wald noch nach Jahrzehnten.

Auch die Ministerin zeigte sich besorgt darüber, dass sich der Anteil der stark geschädigten Bäume von 1984 bis 2017 von gerade einmal 10 auf 25 Prozent erhöht hat.

(jok)