Schermbeck: Morgenstern-Trio mit tänzerischem Elan

Schermbeck : Morgenstern-Trio mit tänzerischem Elan

In der Schermbecker St.-Georgs-Kirche begeisterten die Musiker mit Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Kompositionen unter den Nazis verfemt waren. Es wurde auch ein Lieblingsstück gespielt.

Weltklasse im wahrsten Sinne des Wortes hat am Sonntag in der voll besetzten Schermbecker St.-Georgs- Kirche auf dem Programm gestanden. Das Morgenstern-Trio ist auf Bühnen in New York und Berlin zuhause. Jetzt war es die Muziek Biennale Niederrhein, die die drei preisgekrönten Musiker nach Schermbeck geführt hat. Die Konzertreihe steht in diesem Jahr unter dem Motto „Verboten“, und „Undeutsch? – Jüdische Musik – verfemt in den Zeiten des Dritten Reichs“ war denn auch der Titel ihres Konzerts.

Im Mittelpunkt stand an diesem Tag das Klaviertrio in D-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847). Der in Hamburg geborene jüdische Musiker gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Romantik, was die Nazis nicht daran hinderte, seine Werke aus den Konzertsälen zu verbannen. „Das Klaviertrio in D-Moll zeigt alle Facetten von Mendelssohn Bartholdy, es ist das Beste, was es von ihm gibt“, so Violinist Stefan Hempel. Und auch das Morgenstern-Trio gab in Schermbeck sein Bestes.

Mal sprühten die Musiker vor Elan, gaben sich fast wild, dann wieder tänzerisch leicht, und vor allem im dritten Satz begeisterte der Wechsel von kraftvollem und zartem Spiel. „Wir wollten die jugendliche Euphorie vermitteln“, erläutert die aus Straßburg stammende Pianistin Catherine Klipfel ihre wunderbar energetische Interpretation des Werks.

Den Abend eingeleitet hatte das Trio, das sich wegen seiner Kreativität und seines Humors nach dem Dichter Christian Morgenstern benannt hat, mit der französischen Komponistin Lili Boulanger (1893 – 1918). Verboten hatte man deren Werke zwar nicht, doch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hatte sie es besonders schwer, sich als Frau in der männlichen Welt der Komponisten durchzusetzen.

Dennoch gewann sie mit nur 19 Jahren als erste Frau den begehrten „Rom-Preis“ für Komponisten. „D’un matin de printemps“ (Von einem Frühlingsmorgen) zeigt dabei auch Boulangers großes Können. „Man spürt darin förmlich das Prickeln des Morgens“, sagt Catherine Klipfel über das Werk. In der munteren Interpretation des Morgenstern-Trios nimmt man das Vogelzwitschern in der Morgensonne wahr.

Zum Abschluss hatte sich Pfarrer Wolfgang Bornebusch, der das Konzert organisiert hatte, sein ganz persönliches Lieblingswerk gewünscht, Franz Schuberts (1997 – 1928) Großes Klaviertrio in B-Dur. „Schubert ist schicksalhafter als Mendelssohn Bartholdy, und das wollten wir rüberbringen“, erklärt Cellist Emanuel Wehse. Natürlich gelang auch dies perfekt.

(evka)
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