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Schermbeck: Langersehnter Radweg entlang der L 104 kommt

Gute Nachricht für Schermbeck : Langersehnter Radweg kommt

Der Fahrradweg entlang der Bestener und Kirchhellener Straße (L 104) in Gahlen-Besten wird jetzt realisiert. Damit erfüllt der Landesbetrieb Straßen NRW einen uralten Bürgerwunsch. Im Juni sollen die Bauarbeiten beginnen.

Antonius Jansen kann es kaum glauben. Seit den frühen 1990er Jahren hat sich das ehemalige CDU-Ratsmitglied intensiv für die Realisierung eines Fahrradweges entlang der Bestener Straße und Kirchhellener Straße (L 104) eingesetzt und dabei immer wieder enttäuschende Reaktionen der zuständigen Behörden erfahren. Doch jetzt scheint sein Traum vom Fahrradweg im Schermbecker Ortsteil Gahlen-Besten Wirklichkeit zu werden.

Bereits vor einigen Monaten wurden rote Pfähle entlang der geplanten Route ins Erdreich geschlagen. Östlich der Kirchhellener Straße wurden in der vergangenen Woche Sträucher und mehrere Eichen gerodet. Bis zum 28. Februar bleibt Zeit, Bäume zu entfernen. Danach kann erst wieder am Ende der Wachstumsperiode ab dem 1. Oktober gerodet werden.

Der Landesbetrieb Straßen NRW beabsichtigt, mit dem Bau des Radweges zu beginnen. „Mitte Juni soll mit den Arbeiten begonnen werden“, teilte Presssprecher Gregor Hürter jetzt unserer Redaktion mit. Dann entsteht östlich der viel befahrenen L 104 ein Radweg, der am Bestener Ortskern in Höhe der Pannackerstraße die L 104 queren wird und dann durchs Janbrucksfeld in Richtung Gahlener Ortskern geführt wird. Wer aber den Ortskern von Gahlen radelnd umfahren möchte, kann über den Bruchweg an der Museumsscheune „Olle Schuer“ vorbei zur Bestener Straße zurückkehren, weil dort schon ein etwa 200 Meter langer Radweg auf der Westseite der L 104 besteht. Über dieses Teilstück ist ein Anschluss an den Fahrradweg entlang der Östricher Straße möglich.

Dieses erste Teilstück entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Gahlener Umgehungsstraße, die am 14. Juni 1991 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Spätestens seit dieser Zeit ist das Bemühen der Gahlener Bürgerschaft bezeugt, einen Radweg entlang der L 104 zu bekommen. „Manchmal kommt es zu halsbrecherischen Situationen“, beschrieb SPD-Ratsmitglied Dieter Overhageböck bei einem Pressetermin im April 1991 die Lage für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer. Bei einem Rundgang durch Besten setzten sich Dieter Overhageböck und sein Parteifreund Dieter Albedyhl für eine Querungshilfe für Radler in Höhe der Pannackerstraße ein. Sie forderten eine Geschwindigkeitsbegrenzung und einen Radweg, der aber nicht unbedingt entlang der L 104 verlaufen müsste.

Der Zufall wollte es im April 1991 so: Während die beiden Ratsvertreter mit den Pressevertretern an der Einmündung der Pannackerstraße in die Bestener Straße die Verkehrssituation beobachteten, wollten zwei von Kirchhellen kommende Radler nach links in die Pannackerstraße abbiegen. Ein hinter ihnen fahrender Pkw-Fahrer verlangsamte die Geschwindigkeit, um den Radlern die Überquerung der Chaussee zu ermöglichen. Trotz durchgezogener Mittellinie raste daraufhin mit nahezu unverminderter Geschwindigkeit ein anderer Pkw-Fahrer an den Radlern und Beobachtern vorbei. Glücklicherweise kam es nicht zu einem Unfall.

Solche Gefahren haben nicht nur die SPD, sondern auch den CDU-Ortsverband Gahlen wiederholt veranlasst, für den Bau eines Fahrradwegs einzutreten. Unterstützung gab es in den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten durch die Gemeindeverwaltung, die entsprechende Anliegen an die Straßenbaubehörden oder an die Bezirksregierung weitergab.

Nicht nur die Schermbecker Gemeindeverwaltung gab Unterstützung. Auch Landespolitiker versprachen regelmäßig vergeblich, ihren Einfluss geltend zu machen. Als im Dezember 2006 zwei Mitglieder des Regionalrates bei der Bezirksregierung Düsseldorf, Heinz-Peter Kamps und Gunhild Sartingen, nach Gahlen kamen, glaubten die Gahlener an den großen Durchbruch. Der blieb jedoch aus. Der Regionalrat in Düsseldorf platzierte den Bestener Radweg im Dezember chancenlos auf der Prioritätenliste, während der Regionalrat der Bezirksregierung Münster für den westfälischen Teil des Radwegs in Kirchhellen einen vorderen Platz vorsah.

Eine gemeinsame Bürgerinitiative von Gahlener und Kirchhellener Bürgern übte Druck aus. Sieben Jahre später – inzwischen hatte der Regionalverband Ruhr (RVR) die Zuständigkeit übernommen – zeichnete sich im Jahre 2013 erneut ein Licht am Horizont ab. Nach einer intensiven Diskussion empfahl der RVR-Planungsausschuss, die Finanzierung aus dem Landeshaushalt auf Rang eins anzumelden.

Jahrelang gab es Probleme bei der Beschaffung der erforderlichen Grundstücke. Im Dezember 2014 teilte Bürgermeister Mike Rexforth nach einem Gespräch mit dem Leiter des Landesbetriebs Straßen in Mönchengladbach mit: „90 Prozent der Eigentümer haben ihre Zustimmung zum Verkauf des benötigten Landes erteilt.“

Es ging wieder nicht voran. Anfang 2017 nahm Antonius Jansen über den „Bürgermonitor“ Kontakt mit der Rheinischen Post auf, um sich über Straßen NRW massiv zu beschweren. Jetzt, zwei Jahre später, macht der Landesbetrieb endlich Nägel mit Köpfen.