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Schermbeck: Kirchenchor Cäcilia blickt auf 176 Jahre Geschichte

Kirchenchor aus Schermbeck feiert Jubiläum : Musik zum Lobe des Schöpfers

Eigentlich wollte der Schermbecker Kirchenchor Cäcilia 2020 ein großes Jubliäumsfest feiern, doch die Pandemie verhinderte das. Nun erinnerte der Chor statt an 175 Jahre an 176 Jahre Musik- und Kirchengeschichte.

Eigentlich sollte das 175-jährige Bestehen des Kirchenchores Cäcilia im vergangenen Jahr ganz groß gefeiert werden. Doch das Coronavirus behinderte seit März 2020 immer wieder die Proben, so dass der älteste Schermbecker Musikverein von einer großen Jubiläumsfeier Abstand nahm.

Das diesjährige Cäcilien-Fest, das die Sänger seit vielen Jahren zu Ehren der Patronin der Kirchenmusik feiern, nahm der Kirchenchor zum Anlass, den runden Geburtstag nachträglich zu feiern. Ein festlicher Gottesdienst in Sankt Ludgerus und eine Jubiläumsfeier im Saal der Gaststätte Triptrap riefen eine kirchliche Musikgruppe in Erinnerung, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts unzählige Beiträge zum musikalischen Lob des Schöpfers beigesteuert hat – und so zu einem bedeutenden Kulturträger im rheinisch-westfälischen Grenzbereich wurde.

Zwischen 1845 und 1850 hatte ein Dirigent namens Holtkamp einen gemischten Chor eingerichtet. Der Verein beendete seine Sangestätigkeit mit dem Fortzug des Dirigenten nach Münster. Zudem wanderten viele junge Leute in das nahe Ruhrgebiet, um dort eine Beschäftigung zu finden.

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Sieht man einmal von den gelegentlichen Gesängen der Junggesellen-Sodalität in deren eigenen Gottesdiensten ab, so war es ruhig in der Kirche geworden. Einige wenige Choralsänger, die Messdiener und der Küster sorgten mehr schlecht als recht für etwas Gesang im Gotteshaus.

Unter Pastor Eilertz (1850 bis 1881 in Altschermbeck), der selbst ein guter Sänger war, wurde wenigstens der Volksgesang kräftig gefördert. Wenn an Feiertagen gesungen wurde, dann war das in der Erinnerung des Chronisten Josef Heßbrüggen ein Moment, „so feierlich, so erhaben und von so ergreifender Schönheit, dass ich nicht Worte finde, ihn näher zu beschreiben.“

Ende der 1860er-Jahre bildete sich unter dem Organisten Gertz ein Männerchor, dessen Wirken durch die Kriegsjahre und den Kulturkampf stark eingeschränkt wurde und der nach dem Tode des Dirigenten Ende der 1870er-Jahre gänzlich erlosch.

Auch der nach 1880 erfolgte Versuch des Dirigenten H. Paus, einen Männerchor zu gründen, hielt nur kurz, da Pfarrer Carl Koch (1886 bis 1894 in Altschermbeck) kein Freund des mehrstimmigen Gesangs war.

Erst unter Kaplan August Austermann (1901 bis 1911 in Altschermbeck), dem späteren Pastor von Raesfeld, wurde ein Verein gegründet, der die Wirren der folgenden Jahrzehnte überdauern sollte. Während die Chorsänger im Ersten Weltkrieg als Soldaten an der Front weilten, mussten die Sängerinnen der Jungfrauenkongregation bei besonderen Anlässen aushelfen.

Das Vereinsleben konnte, da kein Soldat im Felde geblieben war, nach dem Krieg bald wieder erblühen. Aus gesundheitlichen Gründen gab allerdings Josef Heßbrüggen Anfang der 20er-Jahre die musikalische Leitung an seinen Sohn Otto ab. Der Chor beteiligte sich – gefördert durch den musikliebenden Pfarrer Johannes Vrey (1910 bis 1939 in Altschermbeck) – nun jährlich an den Sängerfesten der Chöre innerhalb der Herrlichkeit Lembeck.

In den 30er-Jahren begann die Zeit, in der blühende Auftritte wie das Dekanatsfest nur noch ungern von den Nationalsozialisten gesehen wurden. Schließlich wurden die Auftritte in den Kirchenraum verbannt. Sie endeten, als der Dirigent Otto Heßbrüggen Soldat wurde.

Der Salesianerpater Josef Hilpisch hatte in der Ludgeruspfarre während der letzten Kriegsjahre mit einer Anzahl junger Mädchen einen Jungfrauenchor gegründet. Mit einer Ausnahme stellten sich alle dem alten Dirigenten für einen neuen Chor zur Verfügung. Zur ersten Nachkriegs-Weihnacht erklang in der Ludgeruskirche wieder mehrstimmiger Gesang. 63 musikfreudige Altschermbecker und Schermbecker versammelten sich am 14. Januar 1948 unter Leitung von Paul Köster.

Der baldige Tod des Ersten Vorsitzenden und der baldige Abschied des Ehrenpräses Heinrich Wegmann belasteten einen kontinuierlichen Neubeginn ebenso wie Probleme mit dem Dirigenten Schoblick, der zu vorgerückter Stunde für einige seiner Zecher ein Schlagerfestival auf der Orgel inszenierte, und mit seinem Nachfolger Laurenz Weiligmann.

Erst als Otto Heßbrüggens wieder Dirigent wurde, blühte das Chorleben richtig auf. Mit dem Dekanatssingen der Kirchenchöre im September 1953 begann die Serie größerer Auftritte, sei es bei Pfarrfamilienfesten, beim gemeinsamen Singen mit dem Collegium musicum Dorsten oder bei der Vorführung eines Weihnachtsoratoriums im Saal Overkämping.

Unter Leitung der Dirigenten Anton Brokemper, Paul Gröger, Günther Messing und Klaus Lohmann wurde nach und nach ein umfangreiches musikalisches Programm zusammengestellt. 1967 hatte sich aus dem Chor eine achtköpfige Frauenschola gebildet, die überwiegend bei Beerdigungen den Gottesdienst mitgestaltete. Seit 1990 gehörte zum Kirchenchor eine sechsköpfige Choralschola.

Mit dem Kirchenmusiker Josef Breuer begann ab 1985 in St. Ludgerus eine musikalische Ära, die den Kirchenchor Cäcilia weit über die Grenzen Schermbecks hinaus bekannt machte. Mit dem Chor begann Breuer sofort mit der Aufführung von Chor-und Orchestermessen an den kirchlichen Hochfesten. In dreieinhalb Jahrzehnten waren es mehr als 20 Orchestermessen. Das reichte von der Klassik bis zur Romantik und umfasste Mozarts „Missa brevis“ und Haydns „Orgel-Solomesse“ ebenso wie Gounods „Messe Solennelle“ und Schuberts „Messe G-Dur“. Immer wieder wurde der Kirchenchor von Gastsängern unterstützt.

Zum Jubiläum studierte Josef Breuer erstmals Jakob de Haans „Missa Brevis“ mit den Sängern ein. Hinzu kamen der Choral „Jesus bleibet meine Freude!“, das von der Sopranistin Katja Müller gesungene „Dank, sei dir, Herr“, der Bachchoral „Wie schön leuchtet der Morgenschein“, das „Lobt den Herrn der Welt!“ nach Henry Purcells „Trumpet voluntary“ und die Arie „Laudate Dominum“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Viel Lob gab es von Pastor Xavier Muppala. Der Chorgesang bringe die Menschen zusammen. Nicht nur die Alt-Stimme mit dem Bass, sonders auch die Menschen mit ihren ganz unterschiedlichen Charakteren. Mit tosendem Beifall dankten die Gottesdienstbesucher den Sängern für die universelle Sprache ihrer Musik, welche die Kraft habe, die Herzen zu öffnen.

(hs)