Schermbeck: Ex-Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter im Alter von 61 Jahren verstorben

Schermbeck trauert : Ex-Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter gestorben

Ernst-Christoph Grüter ist tot. Der ehemalige Schermbecker Bürgermeister, der auch in vielen Vereinen aktiv war, ist nach einer schweren Krankheit in der Nacht von Freitag auf Samstag verstorben. Er wurde 61 Jahre alt. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 22. August, um 14.30 Uhr statt. Die Trauerfeierlichkeiten beginnen mit einem Gottesdienst in der St. Ludgerus-Kirche.

Von der schweren Krankheit gezeichnet, war Ernst-Christoph Grüter am 14. Juli zum letzten Mal bei einem öffentlichen Event vertreten. Er ließ es sich nicht nehmen, zum Fest der Altschermbecker Kilianer zu kommen und nahm das Angebot gerne an, in einer Kutsche neben Pastor Xavier Muppala sitzend, am Festumzug teilzunehmen. Am nächsten Tag hatte er als König des Jahres 1996 Gelegenheit, seiner Mitregentin Petra Becker zu gratulieren, die an diesem Tag als Ehrendame den Thron bestieg.

Am Wahlabend, dem 26. September 2004, gratulierte Bürgermeister Wilhelm Cappell (r.) seinem Nachfolger in spe Ernst-Christoph Grüter (l.) zum Wahlerfolg. Foto: Helmut Scheffler

Auf das ihm vielfach zugesprochene Attribut „ein echter Altschermbecker Junge“ zu sein, war Ernst-Christoph Grüter immer ganz besonders stolz. Ein paar hundert Meter vom Elternhaus an der oberen Mittelstraße entfernt erblickte er am 23. Juli 1958 im damals noch bestehenden Marien-Hospital das Licht der Welt. Der Vater Ernst Grüter war damals Bürgermeister der noch selbstständigen Gemeinde Altschermbeck. Im Kindergarten St. Ludgerus, der sich damals noch an der Erler Straße befand, wurde Ernst-Christoph Grüter auf den Besuch der katholischen Volksschule an der Schienebergstege vorbereitet.

Nach vierjähriger Volksschulzeit wechselte Ernst-Christoph Grüter zum Dorstener Petrinum. Dort feierte er im Jahre 1978 mit dem gesamten Jahrgang das bestandene Abitur. Ins zweite Lebensjahrzehnt fiel Grüters Tätigkeit als Messdiener, Gruppenleiter und KJG-Mitglied. Als begeisterter Amateurfunker, der schon im Alter von 16 Jahren die Amateurfunklizenz erworben hatte, war Grüter froh, seinen 15-monatigen Wehrdienst beim Fernmeldebataillon 110 in Coesfeld verbringen zu dürfen.

An der Fachhochschule in Dortmund schloss Ernst-Christoph Grüter sein Studium der Nachrichtentechnik als Diplom-Ingenieur ab. In einer Haaner Firma startete Grüter seinen beruflichen Werdegang. In dieser Firma wurde er später acht Jahre lang Geschäftsführer und zum Schluss Inhaber. Gegen Ende des dritten Lebensjahrzehnts heiratete er. Mit Ehefrau Barbara schloss er im Juli 1987 vor dem Standesamt im alten Rathaus den Bund fürs Leben.

Auf die Einbindung ins Vereinsleben hat Ernst-Christoph Grüter stets besonderen Wert gelegt. Er war 1982 als Mitglied der „Glorreichen Sieben“, zu denen auch sein Bruder Michael, Manfred Dahlhaus, Armin Stadler, Norbert Dahlhaus, Gregor Stiebels und Wolfgang Althaus gehörten, Mitbegründer der Fähnchenschützengilde Buschhausen. In Grüters Garten wurde 1982 das erste Fähnchenschützenfest gefeiert. Im selben Jahr regierte er als erster König mit Marlies Busskamp im Königreich der Buschhausner Fähnchenschützen. Von Grüter stammte im Jahre 2010 die Idee, einen Legendenclub zu gründen. Dazu gehörte die inzwischen auf vier Personen angewachsene Gruppe jener Personen, die sowohl König der Kiliangilde Altschermbeck als auch der Fähnchenschützen waren: Ernst-Christoph Grüter, Christopher Timmermann, Jürgen Rößmann und Thomas Bienbeck. Grüter war auch Mitglied des seit Anfang 2017 bestehenden Fähnchenschützen-Präsidentenclubs (FSPC) Buschhausen.

Seit 1988 war Grüter aktives Mitglied der Kiliangilde Altschermbeck, zunächst von 1988 bis 1989 als Schatzmeister, von 1990 bis 1997 als Vizepräsident und in den Jahren 1997 bis 2004 als Präsident in der Nachfolge von Hubert Timmermann. In die Zeit seiner Präsidentschaft fiel die 125-Jahrfeier der Altschermbecker Kiliangilde im Jahre 2002. Für die damals erschienene Festschrift beider Gilden übernahm Grüter die redaktionelle Betreuung des Altschermbecker Teiles und untersuchte in einem 19-seitigen Aufsatz das Verhältnis zwischen Kilian und der Obrigkeit. Im Juli 2005 wurde Grüter zum Ehren-Vorsitzenden ernannt und wegen seiner besonderen Verdienste von seinem Amtsnachfolger Andreas Hülsdünker geehrt.

Grüter war nicht nur dem Schützenwesen verbunden. Einen Teil seiner Freizeit widmete er der Musik. Er gehörte der im Jahre 1996 gegründeten A-Cappella-Gruppe „Quodlibet“ ebenso an wie als zweiter Bass dem Männergesangvereine „Eintracht“. Er war Posaunist der Blaskapelle „Einklang“. Als im September 2015 die Blasmusikergruppe „Let´s play“ vom ehemaligen „Einklang“-Dirigenten Hubert Dahlhaus gegründet wurde mit dem Ziel, auch Spätberufene zu aktiven Blasmusikern auszubilden, da fand Grüter eine weitere Freizeitbeschäftigung. Im Kegelclub „Vorsicht, Kugel kommt“ ging Grüter gerne zur Jagd auf alle Neune.

Zur Politik fand Ernst-Christoph Grüter relativ spät. Obwohl er zuvor kein Funktionsträger in der Schermbecker CDU und im Gemeinderat war, beschloss der von Rainer Rexforth geleitete CDU-Gemeindeverband am 19. November 2003 einstimmig, der im November 2003 tagenden CDU-Mitgliederversammlung vorzuschlagen, den 45-jährigen Diplom-Ingenieur der Nachrichtentechnik als Kandidaten für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters vorzuschlagen. „Er ist Werksleiter in einem mittelständischen Betrieb in Haan und bringt dadurch die Voraussetzung mit, die Spitze der Gemeinde Schermbeck mit einem erfahrenen Unternehmer zu besetzen“, begründete Rexforth den Vorschlag. Am 13. November wurde Grüter ohne einen Gegenkandidaten in der Gaststätte Overkämping bei einer Gegenstimme zum Bürgermeisterkandidaten gewählt.

Mit der vielfach wiederholten Aussage „Ich bin sicher, dass man mit gesundem Menschenverstand und langjähriger Erfahrung als Unternehmer einiges für die Schermbecker Bürger bewegen kann“ zog Grüter in den Wahlkampf. Der Einsatz lohnte sich. Bei der Bürgermeisterwahl am 26. September 2004 erreichte Grüter im ersten Wahlgang 54,5 Prozent der Stimmen, während sein stärkster Gegenkandidat, der von der SPD und den Grünen unterstützte Verwaltungsbeamte Günter Hoppius, nur 29,6 Prozent der Stimmen erhielt. Ein zweiter Wahlgang konnte entfallen. In der Ratssitzung am 13. Oktober 2004 wurde Grüter als sechster Bürgermeister der Großgemeinde Schermbeck nach Heinz Lutter, Ernst Grüter, Bernhard Krass, Bernhard Redeker und Wilhelm Cappell verpflichtet.

Im September 2008 wurde Ernst-Christoph Grüter vom CDU-Gemeindeverband – diesmal einstimmig – zum Bürgermeisterkandidaten gewählt. Grüter habe, so der CDU-Vorsitzende Christian Hötting, eine Politik aus der Sicht eines Unternehmers versprochen und diese unternehmerischen Fähigkeiten seither unter Beweis gestellt. Die Wähler honorierten Grüters politisches Wirken; mit 84,7 Prozent der Stimmen wurde er im Amt bestätigt.

Eigentlich hätte Grüter bis 2015 im Amt bleiben können, aber er machte von dem Niederlegungsrecht Gebrauch, das der nordrhein-westfälische Landtag am 20. März 2013 beschlossen hatte. Bis dahin galt der schwarz-gelbe Beschluss, die Wahlen für Bürgermeister und fürs Kommunalparlament zu trennen. „Ich war immer dagegen“, stellte Grüter im August 2013 im Gespräch mit unserer Zeitung fest und begrüßte die neue gesetzliche Regelung. Danach konnten Bürgermeister und Landräte durch eine vorzeitige Niederlegung ihres Amtes dafür sorgen, dass bereits bei der nächsten Kommunalwahl im Jahre 2014 Bürgermeister und Gemeinderat gemeinsam gewählt werden konnten.

Am 25. Mai 2014 trat Grüter nicht mehr als Bürgermeisterkandidat an. Sein Nachfolger wurde im ersten Wahlgang Mike Rexforth mit 57,2 Prozent der Stimmen. Im Rahmen der ersten Ratssitzung am 24. Juni 2014 überreichte der neue Bürgermeister Rexforth seinem Amtsvorgänger den Siegelring der Gemeinde Schermbeck. In seiner Laudatio bescheinigte Rexforth Grüter, ein „Mann der stillen Taten und leisen Töne“ gewesen zu sein. „Es lohnt sich, sich für die Kommunalpolitik zu engagieren“, zog Grüter sein ganz persönliches Fazit, bevor er sich mit den Worten „Ich bin dann mal weg“ verabschiedete. Vor dem Rathaus wartete ein großer Zapfenstreich.

Schaut man auf die zehnjährige Amtstätigkeit des ehemaligen Bürgermeisters Grüter zurück, so kann man ihm bescheinigen, eine ganze Menge für Schermbeck bewegt zu haben. Ein Blick in die „Grußworte zum Jahreswechsel“ beweist: Die Vermarktung gewerblicher Bauflächen gelang ebenso wie die Erweiterung der Wohnbauflächen, die bauplanerische Umsetzung der Vorausssetzungen für die Tankstelle am Freudenberg. Schermbeck bewarb sich erfolgreich um Fördermittel zur Verbesserung der regionalen Entwicklung im ländlichen Raum sowie um die Durchführung der Regionale 2016. Als Flop erwies sich der inzwischen wieder aufgelöste Kommunalbetrieb Schermbeck. Erfolgreicher waren die Entwicklung einer optimierten Grünschnittverwertung und die Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes. Im Rückblick auf seine Amtszeit nannte Grüter im Herbst 2013 die Sanierung der Feuerwehrgerätehäuser und die energetische Sanierung der Schulen, den Bau der Rettungswache und des Dorfgemeinschaftshauses, die gute Lösung für das Hallenbad durch die Übergabe an einen privaten Trägerverein und die verstärkte Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen. Grüter verwies auf die mit der Stadt Hamminkeln begonnene gemeinsam organisierte Kassenführung, den Beitritt zur Kommunalen Dienstleistungsgesellschaft und die Zusammenarbeit mit den Kommunen der Leader Region Lippe/Issel/Niederhein und der Regionale. Ein Projekt mit einem Alleinstellungsmerkmal in NRW hat Grüter während seiner gesamten Amtzeit unterstützt: die Gründung und Umsetzung der Nachbarschaftsbetreuung (später Nachbarschaftsberatung), um den demografischen Wandel als Schlüsselproblem der Schermbecker Zukunft bewältigen zu können. Die Stärkung des Ehrenamtes war ihm ein besonderes Anliegen, Lange Zeit hindurch hing wöchentlich im Eingangsbereich des Rathauses das Porträt eines Schermbecker Ehrenamtlers. Die Einführung der Verleihung der gemeindlichen Ehrenamtsmedaille fiel in seine Amtszeit. Das Bemühen, Schermbeck am Ende seiner Amtszeit schuldenfrei zu hinterlassen, führte trotz seiner intensiven Sparbestrebungen nicht zum Erfolg. Kritisch wird noch heute die Vermarktung von Grundstücken durch die Schermbecker Boden GmbH & Co. KG bewertet. Auch Grüters Bemühen, die Flächen des Gewerbeparks Idunahall einer Nutzung durch passende Firmen zuzuführen, blieb erfolglos.

Mit Blick auf Grüters Gesamtleistung bilanzierte Bürgermeister Rexforth am Samstag: „Mit all seiner Kraft und Überzeugungsarbeit hat er ein Jahrzehnt Großartiges zum Wohl und zur Entwicklung Schermbecks beigetragen.”

Optimistisch schaute Grüter im Mai 2014 in die Zukunft, als er das Aussehen Schermbecks in 20 Jahren beschreiben sollte:„Das hängt von uns selbst ab. Die Voraussetzungen sind gut. Die Menschen sind bereit, sich vielseitig zu engagieren. Die Lage Schermbecks zwischen dem Münsterland und dem Niederhein mit guten Verkehrsanbindungen ins Ruhrgebiet ist ideal.”

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