1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Schermbeck: Alles für die Abifeier - Abiturienten produzieren Aktkalender

Finanzierung der Abifeier : Abiturienten aus Schermbeck verkaufen selbstproduzierten Aktkalender

Um ihre Abschlussfeier zu finanzieren, ließen sich die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Schermbeck nackt fotografieren - für einen Aktkalender. Das Vorgehen hat an der Schule Tradition.

Sie sind jung und brauchen Geld. Geld für die Finanzierung ihrer Abi-Feier im Sommer. Normalerweise übernehmen die Schüler der Jahrgangsstufe 13 der Gesamtschule Schermbeck das Catering bei den Schulmusicals und -konzerten und helfen bei Aktionen der Schermbecker Werbegemeinschaften mit, um sich so einige Tausende Euro zu verdienen. Aber in Zeiten der Corona-Pandemie sind die meisten Einnahmequellen weggebrochen. Woher aber das Geld nehmen?

„Wir haben natürlich über das Thema heiß diskutiert und sind dabei auf die Idee gekommen, ebenfalls einen Aktkalender zu produzieren, wie das schon zwei Jahrgänge vor uns mal gemacht haben“, sagt Mitorganisatorin Paula Lensing.

Schulleiter Norbert Hohmann war nicht wirklich überrascht, als ihm die Schüler kürzlich von dem zweifelsohne Aufmerksamkeit erregenden Projekt berichtet haben. „Der erste Aktkalender wurde vor meiner Zeit – ich bin seit 2006 an der Schule – produziert, der zweite 2009. Und weil das immer alles sehr professionelle und niveauvolle Bilder waren und kein Schund, habe ich gesagt: Aller guten Dinge sind drei.“ Zumal die Sache ja eigentlich auch eine Privatangelegenheit der Schüler ist. „Aber ich finde es gut, dass sie gefragt haben, was ich davon halte. Die Abiturienten möchten natürlich auch, dass die Schule in einem guten Licht dasteht.“

 Das Kalenderblatt für Januar.
Das Kalenderblatt für Januar. Foto: Repro: Lensing
  • Infizierte sind Krefelder Reiserückkehrer aus einem Hochinzidenzgebiet : Jugendgruppe lässt Coronazahlen explodieren
  • Das Wasser hat auch vor Stahltüren
    Stadt führt Videoüberwachung ein : Diebe stehlen Kupfer und Baumaterial in Realschule
  • Junge IT-Spezialisten sind in vielen Unternehmen
    Neue IW-Studie : Zwei Drittel der größeren Unternehmen suchen händeringend nach IT-Spezialisten für mehr Klimaschutz

Insgesamt 85 potenzielle Models machen demnächst ihr Abitur. Der Fotokalender selbst hat aber nur zwölf Blätter. Gab es womöglich ein Casting? „Nein“, sagt Paula Lensing. „Es haben sich am Ende fünf Freiwillige gemeldet, die dann im Januar zum Dinslakener Fotografen Alexander Boehme ins Studio gefahren sind. Wegen Corona natürlich alle zeitversetzt.“ Ob sie selbst dabei war, will sie nicht verraten. „Das soll ein Geheimnis bleiben. Auf den tollen Schwarz-Weiß-Bildern ist kein Gesicht zu sehen. Es darf also gerätselt werden“, sagt sie.

Auf zehn Bildern sind Einzelpersonen zu sehen, auf zwei weiteren ein Pärchen. „Die sind aber nicht zusammen, das kann ich schon mal verraten“, sagt Paula Lensing. Den Kontakt zum Fotografen und zu Grafikdesignerin Stephanie Renelt (Hünxe), denen ein wirklich ästhetischer Kalender gelungen ist, stellte Alina Masznyik her. Die Schülerin hatte auch die Termine mit den Models koordiniert.

Gestern wurden die Kalender erstmals zum Kauf angeboten. Und zwar für 19,95 Euro pro Stück in der ersten großen Pause im Foyer der Schule, den gesamten Vormittag über im Sekretariat und während der normalen Öffnungszeiten in der Volksbank Schermbeck an der Mittelstraße. Die ersten zehn Exemplare hatten sich am Donnerstag bereits Mitglieder der Schul- und Stufenleitung gesichert. Die Nachfrage am ersten Verkaufstag war riesig. Doch nicht alle 250 Kalender sind vergriffen. So kann man sein Glück noch in der Volksbank oder nach den Ferien im Schulsekretariat versuchen. Am Ende werden sich die Schüler über 4000 Euro freuen.

Auch wenn die 85 Abiturienten nicht wissen, welche Kontaktsperren es durch Corona auch im Sommer noch geben wird, hoffen sie inständig, dass sie ihren Schulabschluss gemeinsam mit ihren Familien feiern können. „Wir haben den Vennhof in Borken gemietet. Wenn die Feier dort nicht stattfinden darf, planen wir eine Open-Air-Veranstaltung auf dem Schermbecker Schützenplatz“, sagt Paula Lensing. Und wenn auch das nicht erlaubt sein sollten? „Dann würden wir das Geld für irgendeinen guten Zweck spenden.“

(kwn)