Schermbeck: Ärger um den Wolf

Schermbeck : „Man macht sich halt Sorgen“

Beim Them Wölfe hat der Heimatverein nun die Initiative ergriffen und die Anwohner über die Vorfälle in Kenntnis gesetzt. Gleichzeitig ist der Ärger über das Lanuv groß.

In Gahlen nimmt die Nervosität zu: In den vergangenen Wochen häufen sich Angriffe auf Schafe in der Umgebung – bei sechs der siebzehn Vorfälle steht mittlerweile fest, dass es ein Wolf war. „Man macht sich halt Sorgen“, erklärte der Vorsitzende des Heimatvereins Gahlen, Jürgen Höchst, der für Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung geladen hatte. Dass es nun der Heimatverein ist, der die Gahlener über die Zahl, Art und Verteilung der Wolfsangriffe aufklärt, verärgert die Betroffenen, die hier vor allem das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) in der Pflicht sehen.

Treffpunkt war der Spielplatz Niewerth. Nur wenige Meter daneben gab es bereits zwei Angriffe auf Schafe. Mittlerweile haben die Bürger eine Liste zur Dokumentation angelegt. Damit wollen sie insgesamt siebzehn Vorfälle zwischen Ende April und Mitte September belegen. Es seien 36 Tiere gerissen worden, 33 davon Schafe, ein Huhn, ein Reh und ein Hirschkalb. Dabei scheint Gahlen Zentrum der Angriffe zu sein: Neun sind hier verzeichnet, weitere gab es in Damm, Bricht, Hünxe und Bottrop-Kirchellen. „Es wird immer häufiger und es kommt immer näher“, fasste Höchst zusammen. Auch andere Betroffene meldeten sich bei dem Treffen: Christiane Rittmann züchtet hobbymäßig Milchschafe, bei ihr hat der Wolf fünf Tiere gerissen, zwei verletzt. Dass es ein Wolf war, habe mittlerweile eine Untersuchung der Bissspuren ergeben. Was sie jedoch ärgert: Noch bevor ihr das Ergebnis mitgeteilt worden war, habe das Lanuv bekanntgegeben, dass es der Angriff eines Hundes gewesen sei. Begründung: Ein Wolf reißt nur so viel, wie er fressen kann.

Eine weitere Frau aus Damm berichtete bei dem Treffen, dass sie den Wolf während der Gassi-Runde mit den Hunden gesehen habe. „Er hat nichts gemacht, er ist auf mich zugekommen“, berichtete sie. Weil sie nicht wusste, wie sie sich zu verhalten habe, sei sie schnell abgebogen und das Tier sei ihr nicht gefolgt. Beim zweiten Mal habe er sie nur aus der Ferne angesehen und sich dann von selbst entfernt.

Das sei für den Wolf ein ganz typisches Verhalten, urteilt Berufsschäfer Jens Holtkamp, der ebenfalls bei der Informationsveranstaltung zu Wort kam. Der Rat des Lanuv, das Tier mit Trillerpfeifen zu vertreiben, sei außerdem nicht praktikabel. „Der hat keine Angst! Warum sollte er?“, erklärte er weiter. Schließlich stelle der Mensch erst mal keine Gefahr für den Wolf dar, wahrscheinlicher sei es noch, dass er zunächst Hunde angreifen würde, da er in ihnen Konkurrenten sehe. Vielmehr sieht der Schäfer Versicherungsprobleme für die Tierhalter, die mit der Ansiedlung eines Wolfes oder einer Wölfin einhergehen.

(Meko)
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