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Schermbeck: 270 verwahrloste Hunde beschlagnahmt

Hundezucht in Schermbeck : 270 verwahrloste Hunde beschlagnahmt

Das Veterinäramt hat am vergangenen Donnerstag über 270 Hunde, überwiegend kleine Malteser, in einer Hundezucht in Schermbeck beschlagnahmt. Die Tiere lebten unter "sehr schlechten Verhältnissen" und wurden versteckt gehalten.

Seit 23 Jahren ist Antonius Dicke als Tierarzt beim Kreis Wesel beschäftigt. Doch das, was er jetzt bei einer unangekündigten Kontrolle erlebt hat, gehört zu den schlimmsten Erfahrungen seiner beruflichen Tätigkeit: Im Haus einer Züchterin in Schermbeck entdeckten er und 16 Mitarbeiter des Fachdienstes Veterinär- und Lebensmittelüberwachung, begleitet von der Polizei, bereits vergangenen Donnerstag 270 Hunde. Die meisten davon waren Malteser, einige Yorkshire Terrier und Chinzu-Hunde. Platz war in dem Haus eigentlich nur für 70 Tiere.

"Es herrschten dort untragbare Zustände", erklärte Dicke im Gespräch mit unserer Redaktion. "Das Fell vieler Tiere, die in Gruppen gehalten wurden, war verklebt und verfilzt. Ein Teil der Hunde hatte ungepflegte und teilweise ausgefallene Zähne, die Krallen waren auch oft zu lang, was den Tieren Schmerzen bereitet." Zudem hätten die "Platzverhältnisse" nicht gestimmt. Mittlerweile sind alle Hunde untersucht, tierärztlich versorgt und in den drei Tierheimen in Wesel, Kamp-Lintfort und Straelen untergebracht worden.

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Vor einigen Wochen hatte der Kreis Hinweise erhalten, dass die Schermbecker Züchterin deutlich mehr Tiere hält als erlaubt und diese unter sehr schlechten Verhältnissen und versteckt vor Kontrollen leben würden. "Wir haben uns dann beim Amtsgericht in Wesel einen Durchsuchungsbeschluss geholt, um anschließend diese unangemeldete Kontrolle durchzuführen", so Dicke. Die Züchterin, die in regelmäßigen Abständen von Mitarbeitern des Fachdienstes Besuch erhalten hat, öffnete den Tierärzten und Verwaltungsmitarbeitern nach kurzer Diskussion sämtliche Türen.

"Wir machen uns jetzt ein Gesamtbild und werden dann ein Gutachten erstellen", so Dicke. "Außerdem streben wir ein Zucht-, ein Haltungs- und Betreuungsverbot an. Und dann werden wir prüfen, ob es sich hier um ein Vergehen im strafrechtlichen Bereich handelt." Liegt nach Einschätzung des Kreises der Verdacht nahe, dass es sich in diesem Fall um Verstöße gegen das Tierschutzrecht handelt, würde die Staatsanwaltschaft in Duisburg eingeschaltet.