1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Schermback: In Gahlen steht ein Grabstein mit 200-jähriger Geschichte

Monument in Gahlen : Ein Grabmal mit 200 Jahren Geschichte

Im Jahre 1820 wurde das Monument aus Sandstein unweit von Gahlen errichtet. Seitdem wechselte es mehrfach den Standort und wurde restauriert. Heute steht es auf dem nördlichen Vorplatz der Gahlener Dorfkirche.

Im Zentrum Gahlens steht ein Monument mit einer mittlerweile 200-jährigen Geschichte. Dieses aus Sandstein errichtete Grabmal des Generals Crause hat bereits mehrfach seinen Standort verändert, bevor es 1989 seine Heimat gefunden hat – vor der Gahlener Dorfkirche, wo es für die Bürger ein Stück Identifikation mit der Ortsgeschichte symbolisiert. Der Kunst- und Kulturhistoriker Roland Günter kategorisiert den Stil als „seltener Grabmonumententypus“.

Errichtet wurde das Grabmal 1820 für die Eheleute Crause auf dem Privatfriedhof des Hauses Galen, nördlich des heutigen Wesel-Datteln-Kanals. Es ist 2,33 Meter hoch. Die Säule mit ionischen Kanneluren steht auf einer achteckigen Plinthe sowie einem gekehlten runden Sockel. Der die Säule unterbrechende Zylinder weist eine abgewitterte Schrift auf. Seitlich zieren zwei nach unten gekehrte und verqualmte Fackeln den Grabstein. Gekrönt wird er von Flachgiebeln.

Erinnert wird nicht nur an die Eheleute Johann Theodor Philipp Crause, ein königlich-niederländischer General, und Margarethe Katharina von Sevenaer, die einzige Tochter und Erbin des Herrn Barchand von Sevenaer, Besitzer des großen klevischen Lehnshofes Galen, sondern auch an deren Tochter. Da die Ehe kinderlos blieb, adoptierten sie Anna Maria Christiane von Frenz. Sie heiratete später Georg Friedrich Schmidt, der Amtsbürgermeister von Gahlen werden sollte. Nach dem Tod des Bürgermeisters verfiel das Haus Galen. Im 20. Jahrhundert drohte dem Grabstein das gleiche Schicksal.

Im Einvernehmen mit dem Gahlener Gemeinderat wurde der Grabstein nach Dinslaken transportiert, wo er von einem Bildhauer restauriert wurde. Dieser härtete den Stein und besserte ihn an wesentlichen Stellen aus. An der Finanzierung dieser Arbeiten beteiligten sich der Landeskonservator, der Kreis, der Verein für Heimatkunde und Verkehr Kreis Dinslaken und das Amt Gahlen. Fast zwei Jahrzehnte blieb das Grabmal vor dem „Haus der Heimat“ stehen, bevor der Gahlener Heimatverein 1987 die Rückführung nach Gahlen beantragte. Dort sollte es entweder auf dem neu zu gestaltenden Dorfplatz oder in der Nähe der Kirche aufgestellt werden. Diesem Wunsch begegnete die Gemeindeverwaltung mit Wohlwollen. Am 27. November 1987 meldete der Dinslakener Stadtdirektor Josef Schmitz die Bereitschaft seiner Stadt zur Abgabe des Grabmals.

Die Gahlenerin Lisa Endemann im Oktober 1995 vor dem Grabmal des Generals Crause. Dieser ist 200 Jahre alt und steht seit 1989 auf dem nördlichen Vorplatz der Gahlener Dorfkirche. Foto: Helmut Scheffler

Doch dabei gab es einen kleinen Haken: Da bei der Übergabe des Museums „Haus der Heimat“ an die Stadt Dinslaken der Grabstein nicht in das Sammlungsgut der Stadt übernommen wurde, war der Kreis Wesel als Rechtsnachfolger des ehemaligen Kreises Dinslaken Eigentümer des Monuments geworden. Allerdings erhobt der Kreis keinen Einwand gegen die Rückführung. Und doch stand bald das nächste Problem im Raum: Mit der Verlegung war mit erheblichen Kosten zu rechnen, sodass sich die Politik der Gemeinde Schermbeck einschaltete. Erst erklärte sich der Bau- und Denkmalausschuss im Januar 1988 mit der Wiederaufstellung des Steins einverstanden, dann bezifferte die Verwaltung die Kosten auf 8000 Deutsche Mark. Schließlich galt es die Standortfrage zu klären, deren Beantwortung unter Mitwirkung des Heimatvereins Gahlen sowie des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege und dank des Einverständnisses der Evangelischen Kirchengemeinde Gahlen gelang.

Im Frühjahr 1989 wurde das Grabmal erneut restauriert – dieses Mal vom Raesfelder Bildhauer und Steinmetzmeister Ferdi Löchteken. Er und seine Mitarbeiter behoben den größten Schaden, der primär unterhalb der Verdachung entstanden war. Alle vier Teile, in die das Grabmal zerlegt wurde, mussten vorab mit Wasser von Algen und Flechten befreit werden. Nach dem Abtrocknen verfestigten die Restauratoren die Oberfläche mit Kieselsäureesther und verklebten Risse und lose Stellen mit Epoxydharzen. Fehlstellen wurden mit Steinersatzmasse angetragen. In Absprache mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege wurde auf eine Nacharbeitung der weitgehend verwitterten Inschrift verzichtet.

Mitte Mai 1989 wurde das restaurierte Grabmal auf dem nördlichen Vorplatz der Gahlener Kirche aufgestellt. Von der Bereisungskommission, die anlässlich des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ wenig später das Lippedorf Gahlen besichtigte, wurde das Grabmal des Generals Crause als ein wertvolles Zeugnis der Kulturgeschichte Gahlens gewürdigt und seine Rückführung als ein beispielhafter Akt zur Stärkung der Eigenprägung eines Dorfes bezeichnet. Heute fügt sich der Stein harmonisch in ein bauliches Ensemble ein, das Fremden zur Erholung und der Dorfbevölkerung zur Identifikation verhilft. Es gibt so manchem Gahlener das Gefühl von Heimat.