RP-Serie "Engel im Alltag" (Teil 18): Einsatz für strahlende Kinderaugen

RP-Serie "Engel im Alltag" (Teil 18) : Einsatz für leuchtende Kinderaugen

Familie Rumi ist dankbar: Seit fast zwei Jahren unterstützt und entlastet Ursula Menzel die junge, bald fünfköpfige Familie im Alltag. Möglich wird das durch das Familienpaten-Projekt der Caritas in Wesel.

„Es wird ein Christkind“, sagt Ursula Menzel und strahlt über beide Wangen. Die Geburt des Kindes steht kurz bevor – um Weihnachten herum soll es so weit sein – und Menzel kann ihre Freude über den Zuwachs nicht verbergen. Doch am meisten freut sie sich für Theresa Rumi, die junge – jetzt hochschwangere – Mutter aus Ghana. Vier strahlende, glückliche Kinderaugen schauen sie bereits täglich an, nun kommen zwei weitere hinzu – für die junge ghanaische Mutter allerdings ein Vollzeit-Job. Doch sie weiß: Sie ist nicht alleine, denn „Tante Ursula“ hilft kräftig mit.

Seit knapp zwei Jahren unterstützt Ursula Menzel Theresa Rumi, ihren deutschen Mann Dirk und deren zwei kleine Kinder im Alltag. Denn Ursula Menzel ist Patin der Familie Rumi – und engagiert sich damit ehrenamtlich beim Familienpaten-Projekt der Caritas in Wesel. Anfangs ist Menzel noch zwei- bis dreimal die Woche vorbeigekommen, mittlerweile ist sie einmal in der Woche für einige Stunden bei der Familie zu Hause und kümmert sich liebevoll um Theresas und Dirks dreijährigen Sohn und ihre zweijährige Tochter.

„Wenn ich komme, werden immer schon direkt die Schuhe angezogen, und dann geht es los auf den Spielplatz“, sagt Menzel als sie beschreibt, wie sie ihre Zeit mit Theresas Kindern verbringt. Der Spielplatz gehöre für die aufgeweckten Kinder zum Pflichtprogramm – doch das ist nicht das einzige, was Menzel für die junge Familie macht. Den Ältesten vom Kindergarten abzuholen, mit den Kindern zur Weihnachtszeit Plätzchen zu backen oder auch in besonderen, schwierigeren Situationen für die Familie da zu sein, gehört für Menzel einfach dazu. Als die Rumis im letzten Jahr in den Urlaub nach Ghana geflogen seien, habe es beim Anschlussflug große Probleme mit den Koffern gegeben. „Das habe ich dann für sie geregelt“, sagt Menzel, die lange Zeit als Chefarzt-Sekretärin in einer Klinik tätig war.

Doch all das ist nur möglich, weil die beiden Frauen sich gegenseitig vollstens vertrauen. „Es ist wichtig für mich, dass ich integriert bin“, sagt Menzel. Nur so sei es möglich, dass sie mit den Kindern auch alleine bleiben kann. In der Familie werde sie mittlerweile nur noch „Tante Ursula“ genannt, von Theresa Rumi werde sie als Zeichen ihrer Dankbarkeit ganz oft herzlich gedrückt und umarmt. „Da ist ein ganz tiefgreifendes Vertrauen da“, sagt auch Anja Kemperdiek-Magyar, die das Familienpaten-Projekt der Caritas in Wesel koordiniert. Sie ist, genau wie Familie Rumi, unheimlich dankbar für Ursula Menzels Einsatz. „Sie ist eine sehr einfühlsame Frau, ganz vorsichtig und wertschätzend – und, wie ich finde, hochkompetent“, sagt Kemperdiek-Magyar. „Ich weiß, die Familie ist bei ihr in sehr guten Händen.“

Und tatsächlich mache ihr die Arbeit mit Kindern besonders große Freude, sagt Menzel, die selbst zwei erwachsene Töchter hat. Das sei für sie auch der Hauptgrund gewesen, überhaupt beim Familienpaten-Projekt einzusteigen und dafür ihre vorherige ehrenamtliche Tätigkeit aufzugeben. „Ich hatte etwa zwei Jahre Deutschunterricht für Flüchtlinge gegeben“, sagt die 62-Jährige. Mit der neuen Tätigkeit sei sie aber jetzt auch sehr glücklich. Begeistert schwärmt sie immer wieder von den beiden kleinen Kindern und ihrer jungen ghanaischen Mutter, die „immer ganz tolle afrikanische Kleidung trägt“. „Theresa ist eine so gastfreundliche Frau“, sagt Ursula Menzel. Oft werde sie von ihr eingeladen, dann gebe es ghanaisches Essen. „Das ist total schön“, beschreibt Ursula Menzel die gemeinsame Zeit, in der auch Theresa Rumi versucht, ihrer Unterstützerin etwas zurück zu geben.

Die 34-Jährige Ghanerin kam der Liebe wegen nach Deutschland – ihren Mann Dirk hat sie vor einigen Jahren in Ghana kennengelernt. Hier in Deutschland fühlt sich Theresa zwar sehr wohl, doch für die junge Mutter ist es oft nicht einfach, Anschluss zu finden. Freunde, Famile und Verwandte würden entweder in ihrer Heimat Ghana oder in der ganzen Welt verstreut leben, sagt Menzel, und zwei Kinder großzuziehen, bald sogar drei, das nehme ganz schön viel Zeit in Anspruch, weiß auch Ursula Menzel. Deshalb ist die 62-Jährige nicht nur für Theresas Kinder da, sondern immer auch für Theresa selbst. „Wir reden immer viel über ihre Familie, aber sie fragt auch ganz viel über meine“, sagt Menzel.

Ein tiefes, gegenseitiges Vertrauen – das ist es, was die beiden Frauen verbindet. Und bedingungslose Akzeptanz. „Sie nimmt mich so an, wie ich bin, und das ist ein gutes Gefühl“, sagt Menzel. Und schon jetzt freut sie sich auf ihren nächsten Besuch bei Familie Rumi. Ihr Highlight? „Wenn ich zur Tür reinkomme, die beiden Kleinen auf mich zurennen, ,Tante Ursula’ rufen und ich sie auf den Arm nehmen kann.“

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