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RP-Serie „Engel im Alltag“ (Teil 12): Karl-Heinz Peschen und Peter Malzbender

RP-Serie „Engel im Alltag“ (Teil 12) : Zwei ganz besondere Vögel

Karl-Heinz Peschen und Peter Malzbender leiten seit 34 Jahren die Greifvogelstation auf dem Gelände der Schill-Kaserne in Wesel. Dort sind sie 365 Tage im Jahr für ihre gefiederten Freunde im Einsatz.

„Wir müssen morgen den Reiher rauslassen“, sagt Karl-Heinz Peschen und erinnert damit seinen Freund Peter Malzbender an die bevorstehende Freilassungs-Aktion. Auf den ersten Blick sind der gelernte Falkner und ehemalige Berufssoldat und der Vorsitzende der Naturschutzbund-Kreisgruppe Wesel ein ungleiches Paar. Der eine groß, der andere klein, der eine eher ruhig, der andere ständig auf den Beinen. Doch die beiden Männer verbindet so einiges. Und das sind nicht nur die gelegentliche gemeinsame Zigarette und ein paar gute Gespräche, sondern vor allem ihr selbstloses, ehrenamtliches Engagement für Tiere und die Liebe zur Natur.

Und: der Fußball. „Zu jeder möglichen Zeit fahren wir gemeinsam nach Gladbach ins Stadion“, erzählt Peter Malzbender mit großer Freude, „das ist für uns aufregende Entspannung pur.“ Da muss Karl-Heinz Peschen zustimmend lachen. Der gebürtige Mönchengladbacher ist glücklich, dass sein Verein momentan in der Bundesliga-Tabelle ganz weit oben steht – der 3:0-Sieg gegen Stuttgart bringt die beiden befreundeten Naturliebhaber immer noch in beste Stimmung. Doch wahrscheinlich macht Peschen kaum etwas glücklicher als seine Arbeit in der Greifvogelstation.

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Dieser geht er – gemeinsam mitPeter Malzbender – schon seit 34 Jahren nach. 1984 hat Peschen die Station auf dem Gelände der Weseler Schill-Kaserne aufgebaut. „Alles, was hier steht, habe ich mit meinen Soldaten gebaut“, erzählt der 78-Jährige, der 37 Jahre lang Berufssoldat und unter anderem in Wesel stationiert war. Schon 1969 habe er seinen Falknerschein gemacht. „Das hat mich einfach fasziniert“, sagt er.

 Schleiereule Hedwig gehört zu den Dauergästen in der Auffangstation. Sie wird für Lehrzwecke dort gehalten und kommt nicht aus der Wildnis, sondern aus der Zucht.
Schleiereule Hedwig gehört zu den Dauergästen in der Auffangstation. Sie wird für Lehrzwecke dort gehalten und kommt nicht aus der Wildnis, sondern aus der Zucht. Foto: Maren Könemann

Jeden Tag ist Peschen hier, 365 Tage im Jahr. Auch Malzbender versucht – neben seinen Aufgaben und Pflichten als Nabu-Kreisvorsitzender – täglich vorbeizuschauen. Auch an Weihnachten. „Ja natürlich“, rufen Peschen und Malzbender im Chor, als sie danach gefragt werden. Selbst die Hochzeit der eigenen Tochter kann Peschen nicht davon abhalten, für seine gefiederten Patienten da zu sein. „Ich stand gerade vor der Kirche, da bekomme ich einen Anruf. Ich musste los“, erzählt Peschen. Ein Vogel habe sich damals in Schermbeck verletzt, sagt er. Und natürlich ist Peschen bei so einem Notfall zur Stelle. Zur Trauung habe er es aber trotzdem noch pünktlich geschafft. „Und die beiden sind auch immer noch verheiratet“, fügt Peter Malzbender ironisch hinzu. Na Gott sei Dank. Wenn Malzbender und Peschen davon erzählen, was sie in 34 Jahren Greifvogelstation schon alles erlebt haben, dann ist zuhören angesagt. Unzählige spannende Geschichten haben die beiden Engel im Greifvogel-Alltag parat: von skurrilen, nächtlichen Rettungsaktionen, von kranken Graureihern, verkehrsverletzten Mäusebussarden oder seltenen Stations-Gästen wie Höckerschwänen, Kornweihen, Sumpfohreulen oder sieben vom Zoll beschlagnahmten Zwergadlern. Selbst Eichhörnchen haben Malzbender und Peschen schon aufgezogen – mit der Pipette. „Wir machen alles, was wir können, auch operieren“, sagt Malzbender. Dass er jemanden wie Karl-Heinz Peschen an seiner Seite hat, ist für ihn ein Gewinn. „Es gibt kaum jemanden, der so schnell eine richtige Diagnose stellen kann“, sagt der 66-Jährige.

Doch manchmal sei es auch zu spät, manchmal könne man für einen Vogel nichts mehr tun, und dann würde das Tier eingeschläfert. „Das tut jedes Mal im Herzen weh, furchtbar“, sagt Peschen. Damit das nicht allzu oft passiert, werden die beiden weiterhin für ihre gefiederten Patienten da sein. Zu schön ist das für Malzbender unbeschreibliche Gefühl, einen gesund gepflegten Vogel wieder in die Freiheit zu entlassen: „Das ist ein unglaublicher Moment. Wenn sie die Flügel aufschlagen macht es nur noch ,Wuusch’ und weg sind sie“, sagt Malzbender und schaut dabei hinauf in den Himmel.

Kennen Sie auch einen Engel im Alltag? Wer ist Ihnen eine besondere Hilfe, wem sind Sie für seinen Beistand dankbar? Unsere Adventsreporterin Maren Könemann wird Sie (und Ihren Engel) gerne besuchen. Kontakt: adventsreporterin@rheinische-post.de; Tel. 0281 14340.