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Wesel: Rheinstübchen wird saniert, statt ersetzt

Wesel : Rheinstübchen wird saniert, statt ersetzt

Aus schönen Plänen wird nichts, weil das Tanklager zu nah am Lokal liegt. Deshalb wird aufgefrischt.

"Rettet das Rheinstübchen" - so hatte die SPD-Fraktion im Dezember 2016 plakativ auf nötige Veränderungen fürs kleine Lokal am Ende der Fischertorstraße hingewiesen. Denn die Gaststätte am Strom ist zwar sehr beliebt, aber in die Jahre gekommen und dringend sanierungsbedürftig. Das Häuschen wurde 1960 als Steigerhaus an der Dampferanlegestelle gebaut. Früher erfolgte hier der Verkauf von Karten für die Dampferfahrt.

Seit 2009 sitzen vor allem ältere Menschen unweit des Weseler Stadthafens auf den Stühlen und genießen den schönen Blick auf den Fluss sowie Kuchen, Speisen und Getränke. Ilona Amerkamp ist hier die Chefin. Sie hat das Gebäude 2008 gepachtet. Der Vertrag mit dem Eigentümer Stadtwerke, läuft noch bis 2021, sagt deren Geschäftsführer Franz Michelbrink. Für ihn stand vor weit über einem Jahr schon fest: "Ein Neubau wäre die vernünftigste Lösung." Ein Architekt wurde damit beauftragt, Pläne für das Areal an der Rheinpromenade zu entwerfen. "Es waren schöne Pläne", schwärmt Michelbrink heute. "Waren" deshalb, weil sie mittlerweile wieder vom Tisch sind. "Wir hatten uns einiges vorgenommen." Doch die Störfallverordnung machte dem einen Strich durch die Rechnung, die sogenannte Seveso-Richtlinie. Auslöser ist das benachbarte Garant-Tanklager. Es macht einen Neubau in gewissem Umkreis unmöglich, die Pläne konnten hier nicht verwirklicht werden.

Was nun? "Jetzt setzen wir auf den Bestandsschutz", sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer, "Und wir überlegen, wie wir aus dem bestehenden Gebäude etwas zaubern können." Denn eines ist unumstritten: Die Lage könnte nicht besser sein. Deshalb soll eine gute Lösung her, das Haus grundsaniert und innen einiges verändert werden. So wird der Wintergarten weichen müssen und vernünftige Sanitäranlagen sollen installiert werden. Momentan ist der Weseler Architekt Arnd Spelmanns dabei, neue Pläne zu entwickeln. Stadtplaner Martin Prior stellt dabei klar, dass die Größe bleiben soll: 40 Sitzplätze drinnen plus Außenterrasse. Wo jetzt noch eine Wohnung ist, die die Pächterin nutzt, ist eine Küche vorgesehen, plus Gasträume. Das Erdgeschoss bleibt komplett Gästen vorbehalten.

Die Seveso-Richtlinie - in Anlehnung an die Chemiekatastrophe 1976 in Italien - hatte beim Ortstermin niemand im Blick. Stattdessen sah man den alten Bebauungsplan als Problem, der das Areal als öffentliche Grünfläche ausweist. Auch das Thema Hochwasser spielte eine Rolle, wobei man damals noch positive Signale für den Bau eines Kombibades am Rheinbad sah und damit auch für Veränderungen am Rheinstübchen.

(P.H.)