Wesel Rauchen ist in Wesel noch jeck

Wesel · Das angekündigte absolute Rauchverbot der rot-grünen Landesregierung findet im Weseler Karneval kaum Beachtung. Einzig beim heutigen Rathaussturm und bei der Altweiber-Feier im Kasino darf nicht gequalmt werden.

 Zigarren erlaubt: Im Weseler Saalkarneval darf bisher immer noch geraucht werden. In anderen Städten sieht das schon anders aus. Die hiesigen Vereine denken jedoch über Veränderungen nach.

Zigarren erlaubt: Im Weseler Saalkarneval darf bisher immer noch geraucht werden. In anderen Städten sieht das schon anders aus. Die hiesigen Vereine denken jedoch über Veränderungen nach.

Foto: Markus van Offern

Marcus Sascha Uhlemann ist die große Ausnahme. Der Oberstleutnant der Bundeswehr in Wesel hat als Einziger den Weseler Karnevalisten verboten, zu rauchen. "Damit ist die Altweiberfete im Kasino der Schill-Kaserne rauchfrei. Hier darf nur noch draußen gequalmt werden. Entsprechende Aschenbecher werden aufgestellt", sagt auch Karl-Friedrich Moshövel.

In Rees sieht das anders aus

Der Präsident des Carnevals-Ausschusses Wesel (CAW) ist selbst bekennender Raucher und weiß, dass das angekündigte absolute Rauchverbot der rot-grünen Landesregierung in der Hansestadt bislang kaum Beachtung findet. "Mir ist, ehrlich gesagt, keine rauchfreie Veranstaltung in Wesel bekannt", sagt Moshövel. Anders sieht das in benachbarten Städten aus. Beispiel Rees: Dort darf im Bürgerhaus überhaupt nicht mehr geraucht werden, bei Tepferdt in Haldern waren in diesem Jahr die Sonntags-Sitzungen qualmfrei. Richtig gut durchatmen konnte man auch bei den Millinger Narren.

Hängt Wesel also, zumindest was das Rauchverbot betrifft, hinterher? "Nein", meint Moshövel und verweist auf die Infrastruktur. Genauer gesagt stellt sich seiner Meinung die Frage "Rauchfrei oder nicht?" erst einmal nicht, weil die großen Gebäude in der Stadt, zum Beispiel die Niederrheinhalle, über entsprechende Lüftungsanlagen verfügen. Auf dieses Argument verweist auch Jürgen Göbeler, Präsident des Elferrats der Kolpingsfamilie.

Zudem gäbe es bei den Kolping-Sitzungen bestimmte Tischbelegungen. "Man kennt sich untereinander und weiß, wo die Raucher sitzen", sagt Göbeler. Nichtsdestotrotz möchte er das Thema "absolutes Rauchverbot" auf die Tagesordnung setzen. "Damit werden wir uns künftig beschäftigen müssen." Das sieht Monika Krebbing genauso: "Im eigenen Haus rauche ich schließlich auch nicht."

Die Präsidentin vom Feldmarker Karnevals Komitee (FKK) befürchtet allerdings auch Probleme. "Wir hatten dieses Jahr schon Schwierigkeiten, die Halle zu füllen. Wenn dann demnächst noch nicht einmal mehr geraucht werden darf, könnten weitere Besucher ausbleiben. Das ist ein ganz sensibles Thema."

Ausweg Raucherpausen? Davon hält Gabriele Gockeln, ab und an Nichtraucherin, nichts: "Es ist schon schwierig genug, einen Spannungsbogen aufzubauen. Wenn dieser dann auch noch durch Raucherpausen gestört wird, könnte die Stimmung kippen." Die Präsidentin der Kleinen Karnevalsgesellschaft Büderich (KKG) weiß zwar, dass es immer weniger Raucher gibt. "Doch auch bei uns gibt es die hartnäckigen Raucher. Für viele gehört das Rauchen einfach zur Gemütlich- und Geselligkeit dazu."

(jul)
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