Rathaus-Bebauung in Hamminkeln: Kirche macht Rückzieher

Pläne für Hamminkeln : Kirche macht bei der Rathaus-Bebauung Rückzieher

Das Presbyterium sieht die Größenordnung der ITG-Pläne sehr kritisch. Sie will das Grundstück nur hergeben, wenn das Konzept erheblich verändert wird. Die Stadtverwaltung zeigt sich verwundert. Weitere Umplanungen sind nun in der Mache.

In seiner jüngsten Sitzung hat das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Hamminkeln die Pläne von Investor ITG zur Bebauung am Rathaus verworfen. In einem Brief an den Projekt­entwickler hat Pfarrer Stefan Schulz die Botschaft überbracht. Die Kirchengemeinde ist von dem Projekt betroffen, weil ihr Grundstück mit Pfarrhaus und Gemeindeamt in die Planung einbezogen werden könnte. Ähnlich den Kritikern bei der Grünen-Debatte zur Bebauung am Rathaus, die das Presbyterium abgewartet hat, argumentiert es, dass der Gebäudekomplex zu „wuchtig“ sei. Das Schreiben will die Kirchengemeinde zunächst nicht als grundsätzliche Ablehnung verstanden wissen. Sie sei offen für Gespräche, heißt es. Man könne sich eine Lösung mit mehreren Gebäuden aufgelockert vorstellen. Kommt dies nicht, kündigt sie an, den Grundstücksverkauf abzublasen.

Die Vorstellungen der Gemeinde gehen in die Richtung „Wohnungen im Niedrigpreissegment, Kleingewerbe, Café und Grünflächen“ – also eine erheblich andere Ausrichtung als die vorgestellten ITG-Pläne mit Discounter, Getränkemarkt, Fachmärkten, Wohnungen und bis zu 189 Stellplätzen. Spielraum ist offensichtlich nicht vorgesehen. Denn: Kann das Konzept nicht in dieser Art verändert werden, „betrachten Sie dies Schreiben als Absage bezüglich Ihrer Anfrage, das gemeindeeigene Grundstück nebst Pfarrhaus in Ihre Planungen einzubeziehen“, so Schulz.

Das Presbyterium begründet dies damit, dass der Gebäudekomplex nicht ins Ortsbild passe. Punkt zwei ist, dass der geplante neue Einzelhandel die ohnehin angespannte Verkehrssituation verschärft. Der dritte Kritikpunkt betrifft die erhebliche Flächenversiegelung, so dass das Presbyterium den alten Baumbestand am Pfarrhaus bangt.

In dieser Variante bleibt der Komplex erhalten, dazu gibt es eine Variante mit Wohnbebauung und Imbiss. Foto: Rat Hamminkeln

Bei der Stadt wundert man sich. „Ich bin irritiert, dass die Kirche hier Planungsvorgaben macht. Ich dachte immer, die Planungshoheit liegt bei der Stadt und dem Ausschuss“, sagt Bürgermeister Bernd Romanski (SPD). Sicher ist, dass der Planungsausschuss sich am 29. März mit einer überarbeiteten Variante und der Aufnahme von Änderungsvorschlägen beschäftigt. So geht es um den Erhalt des Pfarrhauses (in zwei der vorliegenden Plan-Varianten bleibt es das schon, andernfalls soll es einen Ersatzstandort in Ortskernbereich geben), eine Veränderung des bisher L-förmig um das Rathaus gelegten Projekts sowie kleinteiligere Gebäude. Ein Architekt ist für ITG schon am Werk. Geschäftsleitungsmitglied Klaus-Dietrich Boldt bestätigt dies.

In dieser Variante ist das Pfarrheim verschwunden, nur noch Baumbestand steht dort. Foto: Rat Hamminkeln

Der Projektentwickler könnte das Vorhaben auch ohne kirchliche Fläche realisieren, sagt er. Man nehme die Kritik auf, könne sich auch einen Fassadenbeirat vorstellen oder zur Auflockerung eine Durchwegung zwischen Gebäuden. Boldt verweist auch auf die schon bei gemachten Veränderungen gezeigte Bereitschaft von ITG, noch sei „nichts in Beton gegossen“. Die Kirchen-Kritik nennt er „Ideenpool“, auch wenn er sich über „bauamtsartige Vorgaben“ wundert. Am Ende zählt, ob sich der Standort Rathaus für den Investor rechnet. Kleingewerbeansiedlung gehört eher zu den schwierigen Faktoren.

Mehr von RP ONLINE