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Rainer Hegmann von Innogy wird neuer Chef der Stadtwerke in Wesel

Weseler Stadtwerke : Die Doppelrollen des Stadtwerke-Chefs

Der neue Chef der Stadtwerke wird Rainer Hegmann heißen. Zum 1. Oktober startet er, zunächst im Gespann mit dem amtierenden Chef Franz Michelbrink. Hegmann hat auch Ambitionen, Chef eines zweiten Unternehmens zu werden.

Und dann dauerte es bis zur Vertragsunterschrift doch länger als gedacht. Für 17.30 Uhr war die Presse eingeladen, um den künftigen Stadtwerke-Chef Rainer Hegmann nach der Wahl im Stadtwerke-Gesellschafterausschuss kennenzulernen. Alles sei nur noch Formsache, hatte es vorher geheißen. Tatsächlich saß das Gremium, in dem neben Verwaltung und Politik auch die Vertreter der Gesellschafter Sparkasse und Gelsenwasser saßen, doch länger zusammen.

Erst um 17.58 Uhr begann die Pressekonferenz. Was zeigt: Die Personalie Rainer Hegmann, der vom Stromkonzern Innogy zur Konkurrenz Stadtwerke wechselt, ist eben keine ganz normale. Da muss auch jemand gegen den Ruf kämpfen, mit der Vorbereitung der Gründung einer Stromtochter von Innogy und Wesel im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung Geschäfte mit dem künftigen Arbeitgeber vorbereitet zu haben.

„Ich bin froh, dass nun alles geschafft ist“, sagte ein sichtlich erschöpfter Aufsichtsratschef Wolfgang Lingk (CDU) nach einer stundenlangen Sitzung. „Wir haben den ganzen Tag über an Passagen gefeilt.“ Am Ende stehe ein einstimmiges Votum der Gesellschafter für Hegmann und ein gutes Ergebnis für Wesel, betonte Lingk. Eine „exzellente Vorstellung“ habe Hegmann bei seiner Vorstellung im Aufsichtsrat abgeliefert.

Rainer Hegmann (53, verheiratet, drei Kinder, gebürtiger Weseler) wird zum 1. Oktober neuer Stadtwerkechef, zunächst an der Seite von Franz Michelbrink, ab dem Jahr 2020 dann in Alleinverantwortung. Er bringe Expertise auf dem Feld der Stromwirtschaft mit, betonte der hochaufgeschossene Hegmann, der seine Gesellschafter, auch den jetzigen Stadtwerkechef, um einen Kopf überragt.

„Ich habe schon einige Gespräche mit Franz Michelbrink geführt“, bemühte sich Hegmann zu betonen. Und Lingk beeilte sich zu sagen: „Franz Michelbrink wird bis zum 31. Dezember motiviert seinen Dienst versehen.“ Einarbeitung kann man das auch nennen. Ungewöhnlich? Mitnichten, meint Hegmann. „Ich will auch in den betrieblichen Bereich reinschauen“, sagt der 52-Jährige, der zunächst eine technische Ausbildung absolvierte, dann mit Unterbrechung durch Ausbildung und Studium 30 Jahre bei RWE tätig war, zuletzt eben bei Innogy.

Seine im Berufsleben gesammelte Erfahrung – Stromvertrieb, Aufbau und Betrieb von Stromnetzen sowie Verhandlungen mit Kommunen – könne er bei den Stadtwerken nun vereinen. Hegmann wohnt nur Minuten vom Stadtwerke-Sitz entfernt. Auch bisher muss er zu seinem Arbeitgeber Innogy an der Reeser Landstraße nur wenige Minuten fahren.

Die Nähe zu seinen Arbeitgebern – dieses Thema spielte in der Pressekonferenz auch auf andere Art eine Rolle. Da ist eben diese Vorgeschichte der geplanten Gründung einer Stromtochter von Innogy mit der Stadt Wesel. Die Stadt soll Mehrheitsgesellschafter werden. Für die Nutzung dieser Netze werden die Stromlieferanten Geld an Wesel geben müssen. SPD und CDU im Rat glauben daran, dass dies dem Haushalt von Wesel hilft. „Irgendwo muss ja das Geld für die Investitionen herkommen“, sagte Aufsichtsratschef Lingk.

Hegmann hat die Politiker, vor allem CDU-Fraktionschef Jürgen Linz, auf dem Weg zu diesem Konstrukt begleitet. Und auch am Donnerstag betonte er: „Dieses Modell macht für alle Beteiligten Sinn.“ Mit 70 Kommunen habe Innogy schon eine solche Partnerschaft. Hegmann selbst ist Geschäftsführer solcher Stromnetztöchter in Kranenburg, Goch und Kevelaer. Er sagte offen, dass er es begrüßen würde, wenn er in Wesel zusätzlich Chef der Stromnetztochter würde. Derzeit, so Wolfgang Lingk, müssten erst einmal Gutachten zeigen, wie das Konstrukt sinnvoll wird. Dass Innogy auf Eon übergeht, ist aus Sicht von Hegmann keine Hürde. Dann würde die Netztochter eben mit Eon weitergeführt. Entgegen der Aussage so manchen Oppositionspolitikers in Wesel werde die Stromnetztochter den Preis des Stroms nicht ursächlich verteuern.

Gleichwohl machte Hegmann deutlich: Beim Strompreis sollten die Stadtwerke Wesel perspektivisch nicht das Rennen um den letzten Cent mitmachen. „Das Strom- und Gasgeschäft wird schwieriger.“ Die Stadtwerke müssten deutlich machen, dass sie als regionaler Versorger einen Mehrwert für die Region liefern. „Sponsoring, Verantwortung in der Stadt, das gehört für mich dazu.“ Auch beim Programm, CO2-Emissionen in der Stadt zu reduzieren, könnten die Stadtwerke hilfreich sein. „Da sehe ich Verbesserungspotenzial.“ Das sind Sätze, die Politiker gerne hören, wissen sie dann doch: Mit Hegmann ist da ein Stadtwerkechef, der die Schatulle auch einmal für Projekte öffnet.

Dass er seinen neuen Arbeitgeber schon im Herzen trägt, machte er beim Getränk deutlich. Als Getränk wählte er aufgesprudeltes Weseler Wasser, von den Stadtwerken. Wer sein alter Arbeitgeber ist, machte er derweil mit der Wahl seiner Umhängetasche deutlich: knallgrün, als Zeichen für das grüne Stromunternehmen Innogy.

(sep)