Protestbewegung: Wie die „Fridays for future“ am Niederrhein polarisieren

Analyse : Die Jugend und das Klima

Wie die „Fridays for future“ am Niederrhein polarisieren. Die Jungen Liberalen kritisieren die Schulschwänzer. Die Jusos loben die Jugend. Die Linke will einen Klimakongress und will gar Parallelen zu G20-Protesten erkennen.

Eine Woche liegt die Großdemonstration von Schülern für Klimaschutz in Wesel nun zurück. Die Debatten sind seitdem schärfer geworden. Für Irritationen sorgte etwa der Umstand, dass sich dem Protestzug der Jugend in Wesel auch Ratsmitglieder von Grünen und Linke angeschlossen hatten.

Die Frage muss erlaubt sein: Soll man allein der Jugend den Protest überlassen? Wäre es nicht an den gewählten Parlamentariern, den Protest der Jugend in Klimapolitik umzuwandeln? Linken-Kreisfraktionschef Sascha Wagner versucht die Bewegung jetzt sogar für seine Parteilinie zu instrumentalisieren und rückt den Protest in eine ideologische Nähe zu den G 20-Protesten in Hamburg. „Die breite Beteiligung an den ,Fridays for future’-Protesten zeigt erneut auf, dass Jugendliche und junge Erwachsene ihre politischen Interessen selbstbestimmt und selbstbewusst vertreten. Ähnliches ist bei den Protesten gegen die rechtsextremistische AfD und gegen Neonazistrukturen und bei den Protesten gegen den G 20-Gipfel in Hamburg zu sehen gewesen.“

Die Jugendorganisationen der Parteien jedenfalls, das zeigt die Debatte der vergangenen Tage, haben plötzlich wieder ein Streitthema. Auffällig ist, dass sich die Kritik dabei auf den Randaspekt Schulschwänzen bezieht. Das eigentliche Thema wird von den Kritikern der Demonstrationen damit geschickt beiseite gepackt.

In ungewöhnlicher Deutlichkeit kritisierten in dieser Woche die Jungen Liberalen (Julis) im Kreis Wesel die Idee der „Fridays for future“. Ungeachtet der Tatsache, dass in Wesel schon zuletzt am Nachmittag demonstriert wurde, appellieren die Julis nun direkt an alle „Future“-Protestler, per se nur noch am Wochenende zu demonstrieren und sich zudem mit jenen an einen Tisch zu setzen, die klimapolitisch etwas zu ändern imstande sind. „Gestreikt, geschrien und gezankt wurde genug“, heißt es in einer Mitteilung von Maarten Oversteegen, stellvertretender Vorsitzender der Jungen Liberalen. Er mutmaßt gar, dass die Jugendlichen eher aus „opportunistischer Bequemlichkeit“ auf die Straße gingen. Wenn weiterhin freitags gestreikt wird, würde die Bewegung auslaufen, glaubt er. Zudem stünde das Ende der Osterferien vor der Tür – dann drohten die Streiks sowieso im Sande zu verlaufen. „So verliert die Öffentlichkeit langfristig das Interesse an der Bewegung“, sagt Maarten Oversteegen. Er empfiehlt den Schulbesuch, und dass die Schüler „später eine berufliche Laufbahn im Bereich Umwelt- und Klimaschutz einschlagen. Mit einem Mehr an Wissen können sie Probleme in der Zukunft nachhaltig lösen.“ Er kritisiert zudem Politiker wie Angela Merkel (CDU), Heiko Maas (SPD) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Sie erinnern nur vorsichtig an die Schulpflicht und heißen die Protestzüge gut. Das ist absurd.“

Die Jungsozialisten (Jusos) im Kreis Wesel unterstützen hingegen die Demos. „Wir stehen hinter den Schülerinnen und Schülern, die im Kreis Wesel für mehr Klimaschutz demonstrieren. Wir weisen die Vorwürfe zurück, dass die Schüler nur die Schule schwänzen wollen. Diese ständige Scheindebatte geht völlig am Thema vorbei, für das weltweit junge Menschen auf die Straße gehen. Hier geht eine Jugend auf die Straße, die die Welt verändern will, solange es noch möglich ist“, sagt der Hünxer Benedikt Lechtenberg, Vorsitzender der Jusos Kreis Wesel. Auf der politischen Ebene sehen die Jusos bereits wichtige Initiativen. Verwiesen wird etwa auf das Wahlprogramm der SPD, das ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und die Anhebung des europäischen Klimaschutzziels auf 45 Prozent Treibhausgasminderung bis 2030 vorsehe.

Die Linke stellte im Kreistag sogar den Antrag, zwei jugendpolitische Kongresse zur Klimapolitik zu veranstalten. 7000 Euro sollten dafür jeweils in den Jahren 2019 und 2020 eingestellt werden, fordert Sascha Wagner, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreis. Vergleichbares sei etwa im Bundesland Bremen geschehen.