Hamminkeln: Praktikantin fährt per Rad 500 km nach Dingden

Hamminkeln: Praktikantin fährt per Rad 500 km nach Dingden

Französische Praktikantin im Café Crème mit dem französischen Flair: Dafür trat Elisa (24) 500 Kilometer lang mächtig in die Pedale.

Eine neue französische Praktikantin gibt es im Café Crème mit dem französischen Flair: Dafür trat Elisa (24) lang mächtig in die Pedale..

Sie radelt und radelt und radelt. Die 24-jährige Elisa hat mächtigen Einsatz gezeigt, um ihre Praktikumsstelle in Dingden anzutreten. Bei vorwiegend schönstem Sonnenwetter war sie vom französischen Straßburg seit Montag voriger Woche unterwegs, immer das Ziel, Le Café Crème am Lüdgenfelder Weg 2, im Blick. Erst auf den letzten Kilometern wurde sie vom heftigen Regen am Sonntag gestoppt. Im Düsseldorfer Bahnhof wechselte sie das Verkehrsmittel, dachte im unbekannten Bahnhof Hamminkeln, sie sei angekommen. Um dann flott über Ringenberg mit der Fiets nach Dingden weiterzustrampeln. Ein Klacks angesichts der rund 500 Kilometer, die die gut trainierte Elisa zuvor in sportlicher Manier zurückgelegt hatte. Eine junge Französin macht ihr Praktikum im Café mit dem französischen Flair auf dem Dorf - das ist eine schöne Geschichte.

Sylvie-Anne Valambert und Reinhard Pohle, die das Café Crème betreiben und mit Liebe sowie originalen Spezialitäten zu einer festen Größe mit vielen Stammkunden gemacht haben, waren über Whats-App über die frühe, eigentlich erst gestern oder heute erwartete Ankunft informiert. Kein Problem, sie disponierten kurzfristig um. Elisa hatten sie über das deutsch-französische Jugendwerk kontaktiert, über die Organisation wurde auch ein Praktikumsvertrag als Fortbildungsbetrieb geschlossen. Dann überraschte die Studentin, die in Rouen ihr Studium der Kulturwissenschaften absolviert hat, sie mit der Absicht, per Rad ins beschauliche Dingden zu kommen. Eine eher anstrengende Reiseform, aber für die 24-Jährige nicht ungewöhnlich. Sie ist so schon durch Frankreich, Belgien und Spanien getourt. Pro Tag 80 Kilometer auf ihrem stabilen Touringrad der bekannten Freiburger Fahrradmanufaktur hatte sie eingeplant, zehn Stunden pro Tag mit Sightseeing-Pausen, Rast und genug Zeit, um Anstiege unterwegs zu bewältigen.

Die traut sich was, denkt man unwillkürlich, wenn Elisa auf Deutsch - sie hat die Sprache in der Schule gelernt - berichtet. Sie hat nicht nur eher abseitige Radwege ausgesucht, weil ihr Standardstrecken, etwa am Rhein entlang, zu sauber und zu einfach vorkamen. Sie hat auch im Freien genächtigt. Immer im Wald und immer in der Hängematte, eingemümmelt in Schlafsack, auf Isomatte und geschützt von einer Art Militärponcho. Meistens in 2,50 bis drei Meter Höhe, aber auch fünf Meter über dem Erdboden zwischen zwei festen Ästen eines hochstammigen Baums. "Angst hatte ich nie. Auch wenn mal ein Wildschwein in der Nacht unter meiner Hängematte durchlief", sagt sie schmunzelnd.

Gefallen hat ihr die Tour nicht nur wegen der Freiheit, sondern auch wegen schöner Sichtweisen. Die Bürgen bei Bingen und am Rhein entlang fand Elisa faszinierend. Und: "Deutsche nehmen viel mehr Rücksicht auf Radler als Franzosen", sagt sie. Auch die Sicherheit und manche beschilderte Warnungen, Landstraßen besser zu meiden, fand sie gut. Nur mit der Orientierung sei es wegen unklarer Beschilderung an deutschen Radwegen nicht so gut. "Dann frage ich halt jemanden", nimmt sie es gelassen. Dingden ist in dieser Frage überschaubar. Dort wird Elisa vier Wochen lang Praktikum machen, ihr Deutsch verbessern und nach einem Studienplatz für Physiotherapie suchen.

"Wir haben immer mal überlegt, wer uns unterstützen kann, und jemanden gesucht, der unser Konzept und die französische Ausrichtung authentisch mitträgt", sagt Reinhard Pohle.

Als ehemaliger Jugendreferent der Diakonie kam er auf das Jugendwerk und deren Internet-Plattform, um Kontakt zwischen Jugendlichen und Anbieter herzustellen. "Es ist toll für junge Leute, wenn sie Erfahrungen machen wollen", freut sich Sylvie-Anne Valambert über den Weg, der Elisa am Ende nach Dingden führte.

(RP)