Wesel: "Prachtboulevard" polarisiert

Wesel : "Prachtboulevard" polarisiert

Die neue Fußgängerzone im Bereich Viehtor ist so gut wie fertig. Die Reaktion der Weseler auf den "Prachtboulevard" ist geteilt: Während sich die einen freuen, zeigen sich andere entsetzt. Die RP hat sich umgehört.

Bislang war von Wesels "Prachtboulevard", wie die neue, rund 3,5 Millionen Euro teure Fußgängerzone von WeselMarketing betitelt wird, noch nicht viel zu sehen. Doch seit die Bauzäune im Bereich Viehtor zur Seite gerückt wurden, bekommt man langsam eine Vorstellung, wie die neue Flaniermeile in der Innenstadt einmal aussehen soll — auch wenn die amerikanischen Eschen erst im Herbst gepflanzt werden, Sitzbänke und Spielgeräte noch fehlen.

Die RP wollte wissen, wie Besuchern und Geschäftsleuten das neue Aushängeschild der Stadt gefällt. Fazit: Die Meinungen können unterschiedlicher kaum sein und reichen von großer Vorfreude bis hin zu blankem Entsetzen.

Verdreckt mit Kot und Kaugummi

"Das wird sicher sehr schön werden", sagt Frank Iserloh vom gleichnamigen Optik- und Hörgeräte-Fachgeschäft. Auch wenn er gerne zugibt, dass die hellen Steine "bei Sonnenschein sehr gleißend sind". Er ist jedoch davon überzeugt, dass die neuen Bäume für genügend Schatten sorgen werden.

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Was ihn eher ärgert, ist der "doch schleppende Baufortschritt". Vor allem älteren Kunden ist die Gestaltung einfach zu modern. Und viele, sagt Iserloh, "können nicht verstehen, woher die Stadt das Geld hat. Da muss ich immer wieder erklären, dass die alte Fußgängerzone marode war und reichlich Fördermittel fließen".

Schräg gegenüber von Iserloh befindet sich das Uhrenfachgeschäft Winckels. Auch dort beklagen sich viele Kunden über die hellen Steine, die zum Teil schon durch Tauben- und Hundekot verdreckt sind. Gleichwohl ist Geschäftsinhaberin Heidrun Winckels zuversichtlich, "dass alles noch schön wird". Sie hofft, dass die Stadtwacht künftig mehr Präsenz zeigt und dafür sorgt, dass Verursacher von Schmutz und Dreck verstärkt zur Kasse gebeten werden.

Geradezu "erschüttert" über die neue Fußgängerzone ist Margrit Meiners, die mit ihrem Mann in der Innenstadt unterwegs ist. "Das sieht ja unmöglich aus. Die Steine sind ja total empfindlich. Warum hat man eigentlich nicht im Vorfeld die Bürger gefragt, in welchen Städten ihnen denn das Pflaster gut gefällt." Sie selbst war jüngst in Borken und berichtet begeistert von den dort verlegten rötlich-grauen, absolut unempfindlichen und vor allem zeitlosen Steinen. "Ich möchte nicht wissen, wie das hier in 20 Jahren aussieht."

In einer Freistunde sind Muriel Gastberg (16) und ihre Klassenkameradin Denise Hofeditz im Bereich Viehtor unterwegs. Ihnen gefällt das moderne Design — auch wenn die hellen Steine blenden. "Was uns fehlt ist ein Bauschild. Wir wissen nicht wirklich, was los ist."

(RP)
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