Polizei: Taucher bergen Tresore aus Datteln-Kanal

Wesel : Polizei zieht drei Tresore aus dem Kanal

Zwei Taucher der Wuppertaler Polizei-Spezialeinheit haben in Schermbeck unweit der Brücke Maassenstraße drei Wand-Tresore entdeckt. Einer war verschlossen, die anderen leer. Metallangler hatten der Polizei Hinweise gegeben.

Von Erfolg gekrönt war am Montagvormittag eine aufwendige Bergungsaktion der Kreispolizeibehörde Wesel. Mit Hilfe der Technischen Einsatzeinheit der Wuppertaler Polizei wurden im Wesel-Dattel-Kanal unweit der Gahlener Brücke Maassenstraße an der Straße Im Aap drei Wandtresore aus dem Wasser gezogen. Zwei Polizeitaucher hatten die Geldschränke, von denen nur einer verschlossen war, entdeckt. Allem Anschein nach müssen sie dort schon mehrere Jahre nahe der Spundwand auf Grund gelegen haben.

Metallangler, die am 6. Juni bereits einen Tresor aus dem Kanal gezogen hatten, informierten die Polizei und wiesen darauf hin, dass sich ein weiterer, großer Gegenstand aus Metall im Wasser befinden müsse. Um zu klären, ob es sich dabei womöglich um einen weiteren Tresor oder etwa um einen ausgedienten Kühlschrank oder einen dort entsorgten Spielautomaten handelt, forderte die zuständige Kreispolizeibehörde in Wesel die Taucher aus Wuppertal an.

Der Anfang Juni entdeckte Tresor stammt aus einem Einbruch in das ÖTV-Gewerkschaftsbüro in Bottrop Ende der 80er Jahre. Inhalt: ÖTV-Ehrenadeln und zwei Metro-Einkaufsausweise. Die Frau, deren Lichtbild auf dem Ausweis zu sehen ist, lebt mittlerweile im Ausland, heißt es, komme also als Zeugin nicht mehr in Frage. Die Tat muss auf jeden Fall 25 Jahre zurückliegen. „Denn“, so Kriminalhauptkommissar Dietmar Verheyden vom Kriminalkommissariat 13 in Wesel, „Bottrop hatte auf dem Ausweis noch eine vierstellige Postleitzahl.“

Zu Beginn der Bergungsaktion stellte sich Polizeisprecher Timm Wandel den Fragen der zahlreichen Pressevertreter. „Wir wissen überhaupt nicht, was uns da erwartet - eine echte Wundertüte.“

Derweil bereiten sich Christian Jung und Michael Hahnett auf den Tauchgang vor. Unweit der Kanalbrücke steigen die beiden Wuppertaler Polizisten in das smaragdgrüne Wasser. Die Sicht beträgt knapp einen Meter. „Das ist ungewöhnlich viel. Sonst sind es 30 Zentimeter. Das liegt an dem guten Wetter und daran, dass kaum Schiffe unterwegs sind“, sagt Michael Hahnett. Eine am nahen Geländer befestigte blau-weiße Flagge zeigt den Binnenschiffern, dass hier Taucher im Wasser sind und sie Sicherheitsabstand halten müssen.

Jung und Hahnett sind durch Seile gesichert. Schon nach wenigen Minuten geben sie ihren Kollegen am Rand des Kanals ein Zeichen, dass sie etwas entdeckt haben. Mit vereinten Kräften ziehen sie wenig später einen kleinen Tresor aus dem Wasser. Inhalt: nichts außer breiigem Schlamm. „Ein Zufallsfund“, sagt Dietmar Verheyden. „Die Stelle, die uns die Metallangler genannt haben, liegt noch ein paar Meter weiter Richtung Dorsten.“

Kurz nach dem ersten Fund gibt es für die Fotografen erneut ein Motiv: Diesmal ist der metallene Gegenstand so schwer, dass er nicht mit vereinter Muskelkraft, sondern nur mit Hilfe eines Kranwagens aus der Tiefe geborgen werden kann. Am Haken hängt auch diesmal ein Tresor. Der ist allerdings verschlossen und wird wenig später zur Polizei nach Wesel gebracht, wo er in den nächsten Tagen von Spezialisten der Wuppertaler Technik-Einheit geöffnet werden soll. Und schließlich werden die Polizisten in den schwarzen Neoprenanzügen noch einmal fündig: Wieder ist es ein Wandtresor, der vielen kleinen Muscheln als Heimat gedient hat. Aus dem Inneren quillt der Schlick hervor. Tresor eins (ohne Tür) und Tresor drei (mit Tür) werden auf Wunsch der Polizei von Mitarbeitern des Schermbecker Bauhofes abgeholt und entsorgt.

Um den zweiten Tresor zu bergen, war dieser Spezialkranwagen der Wuppertaler Polizei nötig. Foto: Klaus Nikolei
Mit nichts als Schlick ist dieser Tresor gefüllt, der vielen kleinen Muscheln als Heimat gedient hat. Foto: Klaus Nikolei

Nach nicht einmal einer Stunde ist der Einsatz offiziell beendet. Dietmar Verheyden ist zufrieden. „Man ist den Zeugenhinweisen nachgegangen. Ein Zeichen dafür, dass diese Hinweise ernst genommen werden.“ Ob nach Öffnung von Tresor Nummer zwei womöglich ein mehrere Jahre zurückliegendes Verbrechen aufgeklärt werden kann, mag der Kriminalhauptkommissar nicht sagen. „Das weiß noch niemand.“

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