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Politik in Wesel: CDU will Pflegeberatung umbauen

Politik in Wesel : CDU will Pflegeberatung umbauen

Die Partei fordert, dass Ansprechpartner beim Kreis Wesel angesiedelt sein sollen. So sollen neue Standards gesetzt werden. Andere Parteien sehen die Idee skeptisch.

Die Jahrgänge der Babyboomer kommen auf das System der Senioren- und Pflegeberatung im Kreis Wesel zu. Nach Ansicht der CDU ist es darauf nur unzureichend vorbereitet: Sie plant den Ausbau einer trägerunabhängigen Pflegeberatung, angesiedelt beim Kreis. Im jüngsten Kreisausschuss – der coronabedingt den Kreistag vertrat – beantragte sie, dass die Verwaltung ein entscheidungsreifes Konzept zur Umsetzung vorlegt und bekam dafür eine Mehrheit.

„Zusätzlich zu den Verbänden und Kommunen soll Pflegeberatung beim Kreis Wesel angesiedelt sein, und zwar auf hohem Qualitätsniveau“, erläutert CDU-Fraktionschef Frank Berger auf Anfrage. Eine Neuausrichtung der Pflegeberatung ist das erklärte Ziel: Die Beratungsstellen seien schon jetzt teils überlastet, zudem sei man nicht überall mit dem Niveau zufrieden. Qualifiziertes Kreispersonal könnte Standards setzen, so die CDU.

„In dem komplexen und für Betroffene oftmals undurchsichtigen Versorgungssystem für pflegebedürftige Menschen ist es wichtig, einen verlässlichen und kompetenten Ansprechpartner zu haben. Vor allem in einer akuten Bedarfssituation ist es unerlässlich, ein umfassendes und bedarfsgerechtes Beratungsangebot nutzen zu können“, heißt es in dem Antrag.

Wohnortnah soll das Angebot sein. Rat und Unterstützung sollte aus einer Hand kommen, so die Vorgabe. Trägerunabhängig, das habe den Vorteil, dass Ratsuchende nicht lediglich Angebote des beratenden Verbandes, sondern die verschiedensten Möglichkeiten kennenlernen.

Die Pflegeberatung durch den Kreis Wesel würde damit nicht komplett neu erfunden: Die CDU will den Bereich „Hilfen für ältere Menschen“ in der Kreisverwaltung ausbauen und vernetzen, außerdem das Kooperationsbüro „Hilfe zur Pflege“ des Kreises einbeziehen.

„Eine Fortführung der Pflegeberatung in der bisherigen Form ist nicht zielführend, da ein Einfluss auf den Beratungsinhalt sowie die Beratungsqualität bei dem derzeitigen dezentralen Ansatz (Beratung durch die kreisangehörigen Kommunen) nur bedingt möglich ist“, argumentiert die CDU in ihrem Antrag.

Die SPD sieht eine solche Neuausrichtung mindestens skeptisch und hat Beratungsbedarf angemeldet. „Das ist ein Paradigmenwechsel: Früher hieß es immer ‚weniger Kreis, mehr Kommune‘ jetzt will man die Pflegeberatung abziehen, ohne vorher mit den Kommunen zu sprechen“, so Garbriele Gerber-Weichelt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. SPD-Fraktionschef Gerd Drüten forderte eine enge Kommunikation mit den Kommunen, die ergebnisoffen sein müsse. Und die FDP beantragte eine Auflistung der bereits bestehenden Angebote.

Die Verwaltung wird nun ein solches Konzept erarbeiten und im kommenden Sitzungszyklus des Kreistages vorstellen. SPD und Linke enthielten sich, die übrigen Fraktionen stimmten dem zu.

(sz)