Pfarrer Brödenfeld: Was die Konfirmation in Wesel bedeutet

Himmel & Erde : Konfirmation: Bestärken, bestätigen, befestigen

Mit der Konfirmation bestätigen die Jugendlichen ihre eigene Entscheidung für den christlichen Glauben, die viele Jahre zuvor in der Taufe zunächst stellvertretend von den Eltern und Paten getroffen wurde.

Mit einem besonderen Gottesdienst in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten wird in der evangelischen Kirche das Fest der Konfirmation gefeiert. An diesem Tag stehen die Konfirmanden, Jugendliche im Alter von etwa 14 Jahren, im Mittelpunkt der Gemeinden und Familien. Auch in den evangelischen Kirchen in Wesel werden in den kommenden Wochen wieder zahlreiche Jugendliche eingesegnet.

Obwohl dieses Fest eine alte protestantische Tradition ist, wird die Konfirmation weder in den reformatorischen Bekenntnisschriften, noch in der Bibel erwähnt – und weder Jesus noch Luther sind konfirmiert worden. Wie hat sich also die besondere Bedeutung dieses Festes entwickelt? Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 250.000 Jugendliche konfirmiert. Das lateinische Wort confirmare heißt so viel wie: bestärken, bestätigen, befestigen. Mit der Konfirmation bestätigen die Jugendlichen ihre eigene Entscheidung für den christlichen Glauben, die viele Jahre zuvor in der Taufe zunächst stellvertretend von den Eltern und Paten getroffen wurde.

Entstanden ist der Konfirmandenunterricht zunächst als eine Art Katechismuslehre in der Zeit der Reformation. Die Reformatoren erkannten, dass der Taufunterricht der frühen Christenheit im Laufe der Jahrhunderte aus dem kirchlichen Leben verschwunden war. Wurden zur Zeit der Urgemeinde nur Erwachsene getauft, die zuvor einen mitunter sehr langen Taufunterricht besuchen mussten, fiel diese christliche Unterweisung durch die Praxis der Kindertaufe ab dem frühen Mittelalter mehr und mehr weg. Um jungen Gemeindegliedern aber die Möglichkeit zu geben, den eigenen Glauben zu entdecken und sich die nötigen Kenntnisse anzueignen, entwickelte sich während der Reformation eine Art Katechismus-Unterricht, als Vorbereitung auf das erste Abendmahl.

Heute ist die Konfirmandenarbeit erneut in einer Umbruchsituation. Erinnern sich viele ältere Gemeindeglieder noch an ihre zweijährige Konfirmandenzeit, dauert der Konfirmandenunterricht heute in vielen Gemeinden, so auch in Wesel, nur noch ein Jahr und wird in vielfältigen Formen angeboten. Statt reines Traditionswissen zu vermitteln, versuchen viele Gemeinden heute, stärker auf das Leben und den Glauben der Jugendlichen einzugehen. Das geht am besten, wenn Erfahrungen und Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Mussten früher etliche Bibelstellen und Gesangbuchlieder auswendig gelernt werden, konzentriert man sich heute meist auf das Vater Unser, das Glaubensbekenntnis, Psalm 23 und die zehn Gebote. Was aber zunächst wie ein Verlust an christlicher Tradition erscheint, schafft zugleich Raum für das, was die Konfirmandenzeit eigentlich will: Die Jugendlichen bestärken, bestätigen und festigen, ihren eigenen Glauben zu entdecken, zu leben und zu bekennen.

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