Interview Jessica Steigerwald: Pendlerin zwischen zwei Schulen

Interview Jessica Steigerwald: Pendlerin zwischen zwei Schulen

Jessica Steigerwald leitet seit 100 Tagen beide Schermbecker Grundschulen. Ein Gespräch über die doppelte Belastung und die Zusammenarbeit, aber auch unterschiedlichen Konzepte der Einrichtungen.

Schermbeck Zwei Jahre nach Beginn ihrer Schulleitertätigkeit an der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Schermbeck hat Jessica Steigerwald pünktlich zum Ende ihrer zweijährigen Probezeit am 1. Februar die kommissarische Leitung der Maximilian-Kolbe-Schule (MKS) übernommen. Sie ist jetzt 100 Tage zweifache Schulleiterin ohne jegliche Sondervergütungen.

Wie kann man zwei Schulen gleichzeitig leiten, wenn diese Schulen fast einen Kilometer voneinander entfernt liegen?

Steigerwald Die offizielle Arbeitszeit in der Schule berechnet sich mit insgesamt 28 Stunden. Hinzu kommen die Arbeiten, die man als Lehrer zu Hause erledigen kann oder muss und als Rektorin Elternabende, Elterngespräche am Nachmittag, Beratungen mit Lehrkräften und weitere Verwaltungszeiten im Büro. An zwei Vormittagen verbringe ich insgesamt elf Stunden für die Verwaltungsarbeit an der MKS. Zu den zwölf Verwaltungsstunden an drei Vormittagen der GGS kommen noch fünf Stunden, die ich als Klassenlehrerin mit meiner 4b in der GGS verbringe. Diese starre Regelung lässt sich nicht immer einhalten. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich zu jener Schule gehen muss, an der ich laut Planung gerade an diesem Tag nicht wäre. Dazu gehören beispielsweise Gespräche mit Eltern, außerschulischen Beratern, und vor allem die Alltagsorganisation, die immer wieder, etwa durch Vertretungsfälle, durcheinandergeworfen wird. Ans regelmäßige Pendeln zwischen Weseler Straße (GGS) und Schienebergstege (MKS) habe ich mich genauso gewöhnt wie unser GGS-Schulhund Mico, der mich regelmäßig begleitet. Es ist anstrengend, wenn ich den Tag für die eine Schule geplant habe, aber wegen eines Zwischenfalles an der anderen Schule dringend benötigt werde.

Für die Leitung der MKS sind 19 Verwaltungsstunden vorgesehen. Sie erteilen dort aber nur elf Stunden. Wie wird die Lücke ausgefüllt?

Steigerwald Die acht Stunden, welche ich nicht persönlich übernehmen kann, wurden auf Kollegen der MKS übertragen, die Schulleitungsaufgaben erfüllen, wie Aufgaben in der Steuergruppe oder die Organisation des Vertretungsplanes. Es gibt an der MKS eine Steuergruppe, zu der die Lehrer Klaus Goeke, Ruth Lörwink, Tanja Strempfl und die Lehramtsanwärterin Julia Platzeck gehören. Mit dieser Steuergruppe bespreche und beschließe ich gemeinsam regelmäßig die Planungen für die nächsten Wochen und Monate. Ich bin außerdem sehr glücklich darüber, dass ich an beiden Schulen so leistungsfähige und mitdenkende Sekretärinnen habe. Ohne Heike Marienbohm an der MKS und Ingrid Schwerhoff an der GGS würde wohl vieles durcheinandergehen. Sie nehmen mir viel Arbeit ab.

Sind Ihre Tätigkeiten an beiden Schulen identisch?

Steigerwald Dadurch, dass die vom Land vorgegebenen Lehrpläne identisch sind, gibt es im Kerngeschäft, der Erteilung und Organisation von Unterricht und der Verwaltung der einzelnen Schulen, kaum Unterschiede. Es gibt allerdings unterschiedliche Formen der Herangehensweise, um die Alltagsarbeit zu erledigen. Zudem gibt es unterschiedlich gewachsene Kollegien. An der GGS arbeite ich mit 21 Kollegen zusammen, von denen viele Teilzeitkräfte sind. An der MKS sind es nur elf Kollegen. Die Uhrzeiten der Schulstunden sind nicht identisch, weil die Pausen zum Teil anders liegen und der Schulbus nach der sechsten Stunde erst die Kinder der GGS abholt. Auch die Räumlichkeiten sind unterschiedlich. An die verwinkelte Lage der MKS musste ich mich erst gewöhnen.

Gibt es Bemühungen um eine enge Zusammenarbeit?

Steigerwald Ja, und zwar gab es die schon, als Frau Nikolei noch Schulleiterin an der MKS war, zumal das Schulamt großen Wert darauf legte, dass beide Schulen kooperieren sollten, anstatt ein Konkurrenzdenken zu leben. Wir haben nicht nur die Stundenpläne aufeinander abgestimmt. Wenn bei Veranstaltungen die Präsenz von Schulleitungen erwünscht war, sind wir gemeinsam aufgetreten. Wir sind miteinander fair umgegangen. Auf Wunsch der Kollegien hatte ich eine gemeinsame pädagogische Konferenz für den 15. März einberufen. Zur Tagesordnung dieser Konferenz gehörte nicht nur die Bekanntgabe von Informationen, sondern auch eine Rallye, um beide Kollegien, Schulgebäude und erste Arbeitsweisen kennenzulernen. Dieser Austausch kam bei beiden Kollegien gut an. Ziel der engeren Zusammenarbeit war es auch, den Eltern die Besorgnisse zu nehmen, dass ich als Rektorin der GGS die Unterrichtskonzepte "meiner" Schule auf die MKS übertragen würde. Ich habe das ganz bewusst nicht getan, weil es eben zwei gut funktionierende Schulen sind. Solange es keine politische Entscheidung bezüglich der künftigen Grundschulsituation in Schermbeck gibt, sehe ich keinen Handlungsbedarf, um Schritte zur Angleichung der innerschulischen Situationen vorzunehmen. Wir befinden uns in einer abwartenden Situation, in der es wenig Sinn macht, mit jeder Schule einzeln intensiv an der Schulentwicklung zu arbeiten und es ebenso wenig Sinn macht, gemeinsam in eine Richtung zu steuern, solange keine grundsätzliche Entscheidung über die künftige Gestaltung des Schermbecker Grundschulbereiches getroffen wurde. Es wäre also sinnvoll, möglichst bald eine politische Entscheidung zu treffen.

DIE FRAGEN STELLTE HELMUT SCHEFFLER.

(hes)