"Paulette" im Bühnenhaus Wesel: Spritzige Komödie mit ernster Botschaft

Bühnenhaus Wesel : Spritzige Komödie mit ernster Botschaft

Die Schauspielerin Diana Körner überzeugte im Weseler Bühnenhaus in „Paulette. Oma dreht durch“ nach dem gleichnamigen Film.

Es ist eine Kunst, ein ernstes Thema wie Altersarmut so zu verpacken, dass jeder die Nachricht versteht, sich aber trotzdem bestens amüsiert. Der französische Drehbuchautor und Regisseur Jérôme Enrico hat dies mit seinem Film „Paulette. Oma dreht durch“ geschafft, und das Münchner „a.gon Theater“ hat daraus eine flotte Theaterversion gezaubert, die am Wochenende im Bühnenhaus gleich zweimal viel beklatscht wurde, und nicht nur, weil Diana Körner eine quirlige und pfiffige Oma Paulette ablieferte. Die gesamte Inszenierung stimmte.

Paulettes Mann ist vor zehn Jahren verstorben. Nun lebt sie mit 600 Euro Rente in einem Container, und der Gerichtsvollzieher zieht ihr buchstäblich den Stuhl unter dem Hintern weg. Verbittert und im Clinch mit der Welt, hasst sie sogar ihren Enkel, weil dessen Vater schwarz ist. Für den Schwiegersohn, einen Polizisten, ist Neger noch ihr freundlichstes Wort. Selbst ihre beiden besten Freundinnen bürstet sie ab. Als eine von ihnen Probleme mit dem Gedächtnis bekommt, hat sie sofort eine Lösung parat: einschläfern. Das Stück übertreibt gerade so viel, dass man zwar lacht, aber durchaus versteht, wie es um Paulette bestellt ist. Diana Körner schafft sie spielend, die Gratwanderung zwischen vom Schicksal und unsozialer Gesellschaft gebeutelter Frau und schrulliger Oma mit Troddeln am Pullover, die vor dem Busen baumeln.

Als in Paulettes Viertel ein Drogendealer gesucht wird, hört sie zufällig, wie gut man mit dem Verkauf von Haschisch verdient. Und macht sich auf den Weg zum Boss des Viertels. Sie steigt bei ihm ein. Die anderen Shit-Verkäufer neiden ihr bald den Erfolg und schlagen sie zusammen. Doch Paulette ist schlau: Sie backt fortan Hasch-Küchlein, mit denen sie der Konkurrenz nicht ins Gehege kommt. Denn wer wird schon misstrauisch, wenn eine Oma Selbstgebackenes verkauft? Ihre Madeleines werden zu einem Riesenerfolg, und ihre beiden Freundinnen steigen mit ins Geschäft ein. Der Rubel rollt, Paulette spendet für das Kirchendach und lädt ihre Freundinnen und den Enkel ans Meer ein.

Die Botschaft ist klar: Armut ist die Grundursache für viele Übel in der Gesellschaft. Sie kratzt nicht nur an der Menschenwürde, sie schürt auch den Rassismus, zerstört Familien und Freundschaften, treibt in die Kriminalität. Als Geld reinkommt, kann Paulette wieder menschlich sein, sogar den Enkel lieben und den schwarzen Schwiegersohn ans Herz drücken. Als der Gangsterboss sie aber in die Grundschulen schicken will, macht sie nicht mehr mit. Sie mag zwar arm gewesen sein, aber sie hat ein Gewissen, wie man es erwartet in einer Komödie. Und als die Polizei ihr schließlich doch auf die Spur kommt, hat sie eine Lösung: Sie siedelt nach Amsterdam um. So wird das muntere Stück auch noch zu einem Plädoyer für die Freigabe von Haschisch.

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