Wesel: Pankoks Bilder-Schatz ist digitalisiert

Wesel: Pankoks Bilder-Schatz ist digitalisiert

Zwei Jahre hat es gedauert, die Kohlezeichnungen Pankoks zu inventarisieren. Parallel wurde die erste Sanierungsphase beendet.

In zweijähriger Arbeit im historischen, idyllisch in Drevenack gelegenen Haus Esselt und im Pankok-Museum hat Sarah Breuer Kohlezeichnung um Kohlezeichnung des extrem produktiven Otto Pankok in Händen gehalten. Das gesamte Kohlewerk - mit Ausnahme des ebenfalls sehr umfangreichen Oeuvre des jungen Pankok - hat sie inventarisiert und digitalisiert. Noch 300 Arbeiten liegen vor ihr, dann ist die befristete Projektarbeit von Sarah Breuer beendet.

Otto Pankoks Werk wird damit in die elektronische Jetzt-Zeit gehievt, ist für jedermann in der virtuellen Deutschen Digitalen Bibliothek einsehbar und wird auch europaweit zugänglich sein. Für manche Kunstfreunde wird so das kleine, heimelige Museum im niederrheinischen Hinterland erst so auf die Landkarte gebracht. Museumsleiterin Annette Burger und Katrin Reuscher vom Projektmanagement der Otto-Pankok-Stiftung dankten gestern Sarah Breuer für die geleistete Arbeit.

Rund 5000 Kohlezeichnungen wurden umgelagert und in neuen Schränken untergebracht. Manche Überraschungen wurden zutage gefördert. So hat Otto Pankok in Zeiten, in denen Material fehlte, Vorder- und Rückseite von Bildern bemalt. Beide Seiten wurden dann inventarisiert. Größer als gedacht ist der Fundus von Sinti-Zeichnungen des Menschenfreundes Pankok, es sind 400 statt der bisher bekannten 250. "Wir wollen gerne auch die frühen Arbeiten digitalisieren, weil sie den künstlerischen Weg dokumentieren. Aber das ist sehr aufwendig. Auch die druckgrafischen Arbeiten stehen noch an. Jetzt sind wir erstmal dankbar, einen solchen großen Batzen geschafft zu haben", sagt Annette Burger.

Ohnehin ist noch viel Engagement gefragt, um das Sanierungsprojekt in Drevenack im vorgesehenen Zeitrahmen umzusetzen. Kistenweise wird im Haus Esselt, Wohnort der Familie Pankok und Atelier des Künstlers, der Briefwechsel verpackt. Die Korrespondenz mit Ernst Barlach, Else Lasker-Schüler und anderen Kreativen ist immens. Es muss Platz geschaffen werden für die Renovierung im historischen, im 17. Jahrhundert erstmals erwähnten Gutshaus mit dem Keller aus dem 14. Jahrhundert. Nachdem die Außensanierung mit Fassade, Dach, neuem Dachgestühl und sanierten Fenstern fertig ist, kommen nun die inneren Räumlichkeiten an die Reihe. Hier ist die Möblierung noch wie zu Otto, Hulda und Eva Pankoks Zeiten, so soll es auch bleiben. Innen wie außen wird deshalb behutsam saniert, die Wandfarben bleiben, Türbeschläge, historische Fenster, um dämmende Doppelfenster verstärkt, ebenso. Neu wird ein Windfang sein. Man merkt, dass es Strategie ist, das Gebäude frischer und schadensfrei zu machen, den Ort, der Geschichte atmet, aber in seiner Wirkung zu erhalten.

In zwei bis drei Wochen sollen die Arbeiten innen beginnen, noch acht Monate wird in der Idylle gewerkelt. 610.000 Euro werden dann verbaut sein. Die Museumsscheune kommt schließlich an die Reihe, ebenfalls mit der Innensanierung, aber auch mit der Erweiterung durch einen neuen Eingangsbereich und einen klimatisierten Ausstellungsraum. Der macht es erst möglich, besondere und empfindliche Leihgaben nach Drevenack zu holen. Insgesamt 1,5 Millionen Euro sind für die Museumsscheune veranschlagt. Die Freude ist groß, dass gerade noch 75.000 Euro Förderung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) für die Inneneinrichtung angekündigt wurden. Damit lässt sich ein kleines Kino und eine optimale Beleuchtung einrichten.

Damit das Otto-Pankok-Museum öffentlich präsent bleibt, wird dieses Jahr ein kleines Begleitprogramm stattfinden, etwa für Schulklassen, oder kleine Ausstellungen. Besucher, die sich die Umbauten ansehen wollen, sind auch gerne gesehen. "Man muss an die Zeit nach der Bauphase denken, wir wollen nicht abtauchen", sagt Katrin Reuscher. Außerdem wird dieses Jahr die Pankok-Gesellschaft 50 Jahre, das wird offiziell gefeiert.

Ein anderes Jubiläum feiern Waltraud Meyering, die mit 15 Jahren als Hausmädchen bei den Pankoks anfing und zur Archivarin wurde, und Drucker Klaus Ladder. Beide sind seit 55 Jahren in Diensten der Familie und der Kunst. So viel Treue ist wahrlich einer dankenden Erwähnung wert, finden Burger und Reuscher.

(RP)