Nie wieder Krieg! - Kolumne von Pfarrer Stefan Sühling aus Wesel

Kolumne Himmel & Erde : Nie wieder Krieg!

Die drei Oskars hat der Film verdient. Bilder und Effekte, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Die gekonnte Mischung von Ton und Musik ließen mich in die Bildwelt des Films „1917“ förmlich eintauchen.

Er nimmt seine Zuschauer hautnah mit in die Schützengräben, Schlammwüsten, zu Ruinen zerstörten Städte und Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. In Erinnerung bleibt mir die vollkommen resignierte Erkenntnis des Generals fast zum Ende des Films: „Dieser Angriff ist abgeblasen, aber in zwei oder vier Wochen wird der nächste befohlen und dann werden wir wieder angreifen und nichts erreichen.“ Es gibt einfach keine Geschichte des Kriegs, die gut ausgeht. Am Ende gilt: Krieg ist immer Verlust, Elend, Zerstörung. Darum: „Nie wieder Krieg“.

Das Wochenende erinnert an die Zerstörung Wesels durch die Bomben am 16., 17. und 19. Februar 1945. Wie in jedem Jahr liegen diese Erinnerungstage an die Kriegszerstörung kurz nach dem Tag der Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und das damit verknüpfte Ende des Holocaust – des Juden-Vernichtungs-Programms der Nazis. Die Erinnerung an das eine ist mit dem anderen verknüpft. Jede Schuldzuweisung angesichts der Zerstörung unserer Stadt bleibt im Halse stecken, angesichts der Schuld für die Vernichtung der sechs Millionen Juden, die unsere Vorfahren auf sich geladen haben: Da gibt es nichts zu sagen. Keine Anklage, die sich mit moralischem Recht erheben ließe, kein Urteil, das, über andere gesprochen, nicht auch irgendwie auf uns zurückfiele.

Was bleibt? Verantwortung, von der Erinnerung uns aufgetragen: eintreten und Sorge tragen, dass nie wieder Menschen bei uns und durch uns ausgegrenzt werden, weil sie anders aussehen, eine andere Religion oder Weltanschauung haben, anders fühlen oder denken – als der (selbsternannte) Normalfall das vorsieht, oder einfach von woanders her kommen. Ein Lied unseres Aggiornamento-Chores, gerne mit dem Kinder-Chor Kontakt zusammen gesungen, klingt mir im Ohr und verrät, was grundlegend ist: „Friede fängt im Kleinen an, zuhaus’ beginnt sein Lauf …“ Das klingt so einfach und auch ein wenig naiv – aber es stimmt. Wenn ich in meiner kleinen Welt mit dem Frieden anfange, dann kann ich hoffen, dass es auch im Großen gelingt: „Nie wieder Krieg.“