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Neues Gewerbegebiet in Schermbeck​: Pläne für Dachziegelwerke Idunahall

Neues Gewerbegebiet in Schermbeck : Das Ende einer Brachfläche

Auf dem ehemaligen Gelände der Dachziegelwerke Idunahall entsteht für rund 22 Millionen Euro ein Logistikzentrum. Das neue Gewerbegebiet soll schon Ende 2023 fertig sein und dann 200 neue Arbeitsplätze bieten. Was dort geplant ist.

Ein Gewitter konnte am Montagnachmittag die Stimmung im Gewerbepark Maassenstraße nicht stören. Ganz im Gegenteil: Dass 17 Jahre nach der Stilllegung der Dachziegelwerke Idunahall durch den Mutterkonzern Röben und nach mehreren gescheiterten Versuchen einer Umnutzung die im Winkel zwischen Maassenstraße und der Alten Poststraße gelegene Industriebrache endlich einer neuen Nutzung zugeführt werden kann, freute nicht nur die beiden bisherigen Besitzer Stephan Stender und Marc Riegel, sondern auch den Bürgermeister Mike Rexforth und seinen allgemeinen Vertreter Gerd Abelt. Zusammen mit dem Geschäftsführer Frank Rottbeck von der Firma Rottbeck Speditio“ stellten die bisherigen Eigentümer und die Verwaltungsmitarbeiter die bisherige und künftige Nutzung des 58.449 Quadratmeter großen Geländes vor.

Nachdem die Firma Röben im Februar 2006 dem damaligen Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter mitgeteilt hatte, dass sie die seit 1908 bestehende Schermbecker Dachziegelwerke Idunahall nicht weiterbetreiben würde, meldeten sich Kaufinteressenten. Im Jahre 2007 erwarb ein niederländischer Investor die gesamte Liegenschaft. Er trat aber wieder zurück, als er merkte, das man hemdsärmelig ohne behördliche Genehmigungen nicht so einfach mit einer Industriebrache umgehen kann. Zwischen April 2008 und Oktober 2010 kauften die Investorengesellschaft Stender + Riegel Gewerbepark 2 GmbH sowie die Tiefbaufirma Jan Sligchers & Söhne GbR von der liquidierten holländischen Firma Geho das Gelände und ein kleines Teilstück, das zuvor der Feldbahnbetreiber Andreas Knopf erworben hatte. Bis April 2013 hatten die Investoren mehr als eine Million Euro in die Erschließung des Geländes investiert.

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Eine neue Phase begann, als die Gemeinde den Bebauungsplan Nr. 47 (Gewerbepark Maassenstraße) aufstellte, dessen Genehmigung sich bis zum Januar 2016 hinzog, weil ein Anlieger ein langwieriges Normenkontrollverfahren startete, das aber mit einem Vergleich endete. Dem Kläger wurde zwar Recht gegeben, aber der Richter konnte ihm klarmachen, dass ein Bebauungsplan mehr Schutz vor unerwünschten Beeinträchtigungen biete.

Ein Aufatmen ging durch den Rat, weil die Industrieflächen in Schermbeck knapp wurden. In der Folgezeit gab es mehrere Kaufbewerbungen. Da Stephan Stender und Marc Riegel als regionale Unternehmer dem Wunsch der Gemeindeverwaltung, die Fläche nur an Betriebe mit möglichst vielen Arbeitsplätzen zu veräußern, gerne nachkamen, dauerte die Suche lange. Eine Aufteilung der Gesamtfläche und eine Vermarktung an verschiedene Betriebe wollten Stephan Stender und Marc Riegel verhindern, um der Nachbarschaft kein hohes Verkehrsaufkommen zuzumuten.

Mit dem Bottroper Unternehmen Rottbeck Spedition konnten beide Wünsche erfüllt werden. Frank Rottbeck kündigte an, dass in dem Betrieb, der bis Ende 2023 fertig sein soll, etwa 200 Arbeitsplätze geschaffen werden. Auf dem Gelände soll ein sogenanntes Distributionszentrum entstehen. Von den beinahe historischen Gebäuden bleibt der Altbestand an der Maassenstraße/Alte Poststraße erhalten und wird modernisiert. Die alte Schmiede soll zu einem Schulungs- und Kongresszentrum ausgebaut werden. Die ehemaligen Produktionshallen werden allerdings abgerissen und weichen für den Bau einer Lagerhalle. Viele Dachflächen sollen von Photovoltaikanlagen genutzt werden. Das saubere Dachflächenwasser wird bei Regen auf dem Gelände versickert. Das Gelände wird anschließend begrünt.

Im neuen Gewerbegebiet, mit dessen Bebauung sofort nach der Vorlage der Baugenehmigung begonnen werden soll, werden vor allem Container aus den Häfen Duisburg und Wesel per Lkw angeliefert. „Es ist mit einer überschaubaren Anzahl von Anlieferungen zu rechnen“, teilte Frank Rottbeck mit. Mit einem Container werden viele Kartons angeliefert, aus denen dann im Schermbecker Distributionszentrum viele kleine Paketsendungen entstehen, die wiederum mit großen Fahrzeugen abgeholt werden. Im Extremfall enthält ein Container 1500 bis 2000 Kartons, aus denen dann 1500 bis 2000 Endkundenbelieferungen entstehen. Für diese hohe Anzahl Lieferungen hat es dann aber lediglich zwei Lkw-Bewegungen gegeben. Die Zufahrt zum Gelände erfolgt auf der Alten Poststraße gegenüber der Zufahrt zur Kläranlage.

Die Umwandlung des Geländes zum neuen Logistikzentrum wird etwa 22 Millionen Euro kosten. Allein der auf etwa drei Monate angesetzte Abriss der alten Werksruine wird auf über eine Million Euro geschätzt. Es ist geplant, den Unternehmenssitz nach Schermbeck zu verlegen. „Ich nehme die Arbeit gerne auf mich “, sagte Rottbeck, „weil der Standort einfach unheimlich schön ist.“ Zudem gehöre Schermbeck räumlich zum Speckgürtel des Ruhrgebietes, in dem es „schlichtweg keine freien Logistikflächen mehr“ gebe.