Wesel: Neuer Bericht zeigt soziale Probleme in Weseler Innenstadt auf

Wesel: Neuer Bericht zeigt soziale Probleme in Weseler Innenstadt auf

Die Weseler Stadtverwaltung will bis Ende 2018 ein Konzept entwickeln, wie Familien in der City besser geholfen werden kann.

Der neue Kinder- und Familienbericht gibt der Stadtverwaltung Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre. Im nächsten Jugendhilfeausschuss wird das 70-seitige Dokument vorgelegt. Gestern stellte der städtische Beigeordnete Rainer Benien das Werk vor, das in Kooperation mit der Universität Koblenz Landau erstellt worden war.

Der Bericht basiert auf Zahlen, Interviews und einem Praxisforschungsprojekt - er nimmt den Zeitraum von 2007 bis 2016 in den Fokus und versucht daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, wie die Stadt Wesel sozial schwache Familien unterstützen kann. Erstellt wurde er von einem Team um den Koblenzer Professor Christoph Schrapper. Besonders ein Satz im Bericht lässt aufhorchen: "Die Tagesbetreuung für Kinder hat insbesondere in der Innenstadt fast familienersetzenden Charakter angenommen." Eltern nehmen also immer weniger ihre Erziehungsaufgabe wahr.

Die nackten Ergebnisse sind auf den ersten Blick kaum überraschend: Handlungsdruck besteht für die Verwaltung insbesondere in der Innenstadt. Im Bericht ist die soziale Belastung in Indexwerten festgehalten - untersucht wurde, wie viele Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslosengeld-I-Empfänger in einem Stadtteil wohnen, wie viele Ausländer und Alleinerziehende dort heimisch sind. Daraus wurden Indexwerte gebildet und durch die jeweilige Bewohnerzahl geteilt. Den höchsten Indexwert hat demnach die Innenstadt inklusive Lippedorf mit 0,6, gefolgt von Schepersfeld (0,4), Feldmark (0,35 ) und Fusternberg (0,34). Es folgt die Innenstadt Nord (0,27), Flüren und Büderich/Ginderich (0,15), Blumenkamp (0,14), Obrighoven/Wittenberg (0,13) und Lackhausen (0,12). Die geringste soziale Belastung hat Bislich mit einem Index von 0,09. Insbesondere Flüren und Schepersfeld hätten bereits einen Sprung gemacht, sagt Benien. Der Beigeordnete sieht sich durch den Bericht in der Arbeit seiner Mitarbeiter bestätigt. Im Falle begleitender Hilfen für Jugendliche würden in Wesel bei zwei Dritteln aller Jugendliche Erfolge sichtbar - regelmäßiger würde die Schule besucht, es gebe mehr schulische Beteiligung, bessere Noten. Diese Zahl wertet Benien als Erfolg. Ebenso einige andere Zahlen: So sei von 2006 bis 2018 die Zahl der Kitas von 30 auf 33 gestiegen, die Zahl der U3-Plätze sei verzehnfacht worden, das Betreuungsangebot in den Schulen sei von 370 auf über 1000 Plätze ausgeweitet worden. Zusätzlich gebe es 200 Plätze in der Kindertagespflege. "Das ist eine große Kraftanstrengung für alle Beteiligten gewesen", sagt Benien, der seit knapp einem Jahr in Wesel Dezernent ist und für die Fachbereiche Kultureinrichtungen, Jugend, Schule und Sport sowie Soziales zuständig ist. Er verweist darauf, dass in Schepersfeld die 34. Kita gebaut wird und danach eine weitere Kita im Hessenviertel errichtet werden soll.

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Welche Konsequenzen die Stadtverwaltung aus der Problemlage in der Innenstadt zieht - hoher Migrantenanteil, viele Flüchtlinge - soll nun in einem Konzept erarbeitet werden, das bis Ende 2018 stehen soll. Arbeitstitel: "Gut Aufwachsen für alle Kinder in der Innenstadt."

Ein Ansatz wird schon jetzt an der Innenstadtgrundschule praktiziert. Dort wurde ein Stadtteilbüro eingerichtet, das auch Anlaufstelle für Familien kleiner Kinder und Schwangere ist. Mit der Caritas wird dort offene Quartiersarbeit betrieben. Eine Schlussfolgerung, die Benien aus dem Bericht gezogen hat: Insbesondere die Kindertagesstätten brauchen mehr Unterstützung bei der Begleitung von Weseler Familien.

(RP)